Die Finanzwelt auf der Titanic:
Tanzen solange die Musik spielt

Ein Beitrag von www.humane-wirtschaft.de – Ausgabe 05/2011

Prof. Dr. phil. Dr. rer. pol. Wolfgang Berger, M.A. (Econ)

Quelle: www.humane-wirtschaft.de – 05/2011

Die Finanzwelt auf der Titanic: Tanzen solange die Musik spielt

Mr. Sam Zherka betreibt den Herren-Club „Flash Dancers – A Gentlemen’s Club“ in Chelsea, Manhattan, nicht weit von der Wall Street. Sein neues „Premiumprodukt“, ein „lap dance package“ (ein Tanz auf dem Schoß) kostet 1000 Dollar und wird überwiegend von Wall Street Brokern nachgefragt. Der Prostituiertenring von Kristin Davis, nur wenige Straßenzüge von der Wall Street entfernt, hat etwa 10.000 Kunden. In einem Interview berichtet sie, dass von ihren „high end clients“ (ihren anspruchsvollen Kunden) die mei- stens von der Wall Street kommen und bei Wochenendarrangements oft gleich einen Lamborghini mit bestellen.[1]

In ihrer Firmenbroschüre beschreibt Mrs. Davis ihre „Philosophie“ – wie sie es nennt:

„Träumen Sie von einem schönen Mädchen, einem bestim- mten Typ, einer bestimmten Persönlichkeit? Vielleicht ein Model, das Covergirl aus einer Illustrierten oder die junge Studentin mit kurzem Rock von nebenan? Wir lassen Ihre Träume Wirklichkeit werden. Nur das Allerbeste ist gut genug für Sie. Unsere außergewöhnlichen Models bieten jedem unserer Kunden genau das, was er sich wünscht. Wir sind eine Elite-Agentur und stolz darauf, mehr zu sein als die anderen. Wir bieten persönlichen Service und legen Wert auf eine langfristige Beziehung mit jedem unserer Kunden. Ob Sie ein Date für eine Stunde wünschen oder eine Wochenendbegleitung – wir sind Ihrer Zufriedenheit verpflichtet. Für eine Stunde zahlen Sie zwischen 1.000 und 1.600 Dollar. Beim Ausgleich mit Kreditkarte erhöhen Sie Ihre Zahlung bitte um 15 Prozent.“

Den meisten von Mrs. Davis’ Kunden werden diese Besuche von ihren Firmen bezahlt und als Honorare für alles Mögliche deklariert. Viele Banken und Brokerfirmen halten ihre Mitarbeiter regelmäßig mit Stripveranstaltungen, Prostituierten und Drogen bei Laune. Für solche „Unterhaltungsbudgets“ stehen etwa fünf Prozent des Einkommens der Wall- Street-Firmen zur Verfügung. Bloomberg Professional Service schätzt den einschlä- gigen Umsatz dieser Branche um die Wall Street auf zehn Milliarden Dollar im Jahr[2] – ein beträchtlicher Teil der „Wirtschaftsleistung“ von New York City. Geraint Anderson beschreibt auf mehr als 250 Seiten, wie die Geschäfte der Finanzwelt in der Londoner City – zu der er jahrelang gehört hat – mit Sex, Drogen und Prostitution verwoben sind.[3]

Jonathan Alpert – Psychiater in New York City, der viele Wall Street Mitarbeiter betreut – spricht von Gier als einer Krankheit. Der Anlageberater William Browder hat vielen seiner Kunden dabei geholfen, ihr Millionenvermögen in zwei bis drei Jahren zu verzehnfachen und dazu festgestellt: „Es gibt da so eine Chemikalie, die wird in deinem Magen frei- gesetzt, wenn du dein Geld verzehnfachst und sie verändert deine Identität.“[4]

Andrew Lo, Direktor eines Laboratoriums am Massachusetts Institute of Technology, hat mit neurologischen Messungen nachgewiesen, dass Übersteigerter Geldverdienst die gleichen Gehirnregionen anregt wie Kokain.[5] 
Viel Geld ist eine Droge.

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Eine korrupte„Wissenschaft“ 

Vom Glaubenssatz zum Sündenfall 

Die ehrenwerten Mafiabosse 

Quellenangaben:

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