Der Meter – ein himmlisches Maß

 Die Himmelsscheibe von Nebra

Von Hans-Jürgen Brachmann – raum&zeit Ausgabe 164/2010

Die physikalische Basiseinheit für die Länge ist der Meter. Gemäß Lehrmeinung wurde er erstmals im 18. Jahrhundert als 10-millionster Teil eines halben Längenmeridians der Erde festgelegt. Es gibt jedoch immer wieder Hinweise aus altertümlicher Architektur und Archäologie, dass die Verwendung einer dem “Meter“ äquivalenten Längeneinheit weitaus älter ist. So zeigt Hans-Jürgen Brachmann auf, dass die Hersteller der berühmten „Himmelsscheibe von Nebra“ offenbar ein dem metrischen System äquivalentes Maß bereits kannten.

Die Nebra-Scheibe

Die Himmelsscheibe von Nebra wird mit einem CAD-Programm vermessen. (Die Zahlen auf der Scheibe sind für den Artikel nicht relevant.)

Die aus Bronze bestehende Nebrascheibe wurde 1999 auf dem Mittelberg bei Nebra in Sachsen-Anhalt von illegal arbeitenden Sondengängern gefunden und gelangte erst mithilfe kriminalistischer Methoden in öffentlichen Besitz. Laut dem Landesmuseum für Vorgeschichte in Sachsen-Anhalt zeigt sie die weltweit älteste konkrete Darstellung astronomischer Konstellationen. Abgebildet sind die Mondsichel, die Sonne (Vollmond?), ein Ausschnitt des Nachthimmels mit 32 Sternen inklusive der Plejaden, zwei Randbögen beziehungsweise Horizonte (einer wurde vermutlich in antiker Zeit entfernt) sowie eine Barke, die sich zwischen die Sterne zwängt. Die Lochungen am Rand der Scheibe sollen später hinzugefügt worden sein. Wann die Scheibe hergestellt wurde, lässt sich nicht mehr ermitteln. Die Experten können lediglich sagen, dass sie während der Frühbronzezeit um 1600 v. Chr. zusammen mit anderen Artefakten vergraben wurde.

Das als „Himmelsscheibe von Nebra“ bekannte Artefakt wurde in einem Waldstück oberhalb des Flusses Unstrut bei der Stadt Nebra in Sachsen-Anhalt gefunden. In der Nähe des Fundortes befindet sich das neu errichtete Museum „Arche“, in dem neben weiteren Fundsachen aus dem Altertum auch eine bronzene Kopie der Himmelsscheibe besichtigt werden kann. Betrachtet man solche Artefakte neben der Sicht der Archäologen auch einmal aus dem Blickwinkel von mathematisch-technischen Zusammenhängen zwischen verschiedenen naturwissenschaftlichen Fachgebieten, so ist oft Erstaunliches festzustellen. Das lässt sich auch bei den nachfolgenden Beob-
achtungen zur „Himmelsscheibe“ zeigen.

Anlass für die Aufmerksamkeit ist der Durchmesser der Himmelsscheibe, der mit 31 bis 32 cm angegeben wird, notiert auf einem Schild neben deren Kopie. Damit würde der überschläglich berechnete Umfang der Himmelsscheibe  in der Nähe von einem Meter liegen. Die Längeneinheit Meter wurde aber doch, wie man in der Schule lernt, erst im 18. Jahrhundert als der 10-millionste Teil eines Meridianbogens vom Pol zum Äquator festgelegt und wäre damit eine noch relativ junge Grundmaßlänge.  

Von Archäologen unbeachtet

1. Bestimmung des Umfangs mit der Segment-Methode

2. Bestimmung des Umfangs über den mittleren Durchmesser

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