Die Ohnmacht des Einzelnen

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Natürlich hilft es, eine Kolumne über Politik zu schreiben. Nicht, weil dann irgend etwas besser wird oder es vielleicht sogar ein Spitzenpolitiker zu lesen bekommt – nein – aber dem Leser geht es besser. Vielleicht, weil noch jemand gemerkt hat, dass die SPD gleich nach der ...
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Die Ohnmacht des Einzelnen
raum&zeit-Kolumne von Manfred Jelinski

Natürlich hilft es, eine Kolumne über Politik zu schreiben. Nicht, weil dann irgend etwas besser wird oder es vielleicht sogar ein Spitzenpolitiker zu lesen bekommt – nein – aber dem Leser geht es besser. Vielleicht, weil noch jemand gemerkt hat, dass die SPD gleich nach der Berliner Wahl das CETA-Abkommen durchgewinkt hat?
Dass die CSU das Ausländerthema hochspielt, weil sie hier meint, am einfachsten zu punkten? Dass die FDP noch immer kein Konzept für die Bevölkerung hat, außer den Formeln aus dem Elfenbeinturm, die ihnen von Soziologen oder BWLern eingeflüstert werden? Dass die Linken keine Ahnung haben, wie sie dem Smartphone-Junkie Klassenkampf erklären sollen? Dass die Grünen Stuttgart 21 mitbauen werden? Dass die CDU Deutschland am liebsten an den meistbietenden (amerikanischen) Konzern verkaufen möchte? Dass die Piraten am liebsten alles umsonst hätten, ohne Rücksicht auf Urheberrechte? Dass die AfD sich klammheimlich freut, weil man heute mit einem so schmalen Programm gewählt werden kann, nur weil die anderen so volksfeindlich agieren?
Natürlich müssen wir als Deutsche aufpassen, wohin wir uns politisch aufmachen. Mit dem Erbe des „größten Feldherrn aller Zeiten“ im Gepäck, zwischen Machtblöcken eingequetscht und den Konzernen ausgeliefert, ist es schwierig, sich als Regierung für das Volk zu definieren.
Ist es deshalb sinnvoll, sich nun für sein Volk zu entschuldigen? Weil es Strömungen gibt, die die Rechtschaffenheit irgend eines anderen Landes in Zweifel ziehen? Dass es die Freunde Amerikas gibt, genau so wie die Amerika-Basher? Und dass es immer Leute gibt, die Gegner von irgend etwas sind? Ich dachte immer, und so habe ich auch unseren Geschichtslehrer verstanden, Demokratie ist etwas, das auch andere Meinungen aushält.
WENN SIE NICHT DIFFAMIEREN UND GEWALTFREI BLEIBEN!
Inzwischen muss man das schon großschreiben. Wenn ich an die 60er oder 80er Jahre denke, ja, da gab es noch Gewalt auf der Straße. Habe ich selbst aus der Nähe erlebt. Es scheint völlig aus dem Blick geraten zu sein, dass das Leben auf den deutschen Straßen seitdem um Größenordnungen friedfertiger geworden ist. Nur wird jeder kleinste Vorfall ausgeschlachtet. Bewirtschaftete Nachrichten machen Meinung.
„Sie können alles sagen, wenn Sie gewaltfrei bleiben!“ suggeriert doch, dass jemand mit einer anderen Meinung per se gewaltbereit sein könnte. Und aus könnte wird schnell kann. Und aus kann ... wird eine Zeitungsmeldung.
Und so entsteht im Handumdrehen eine umfassende öffentliche Diskussion um Themen, die nichts mehr damit zu tun haben, was eine Partei verbockt hat. Aber es werden Positionen definiert, gegen die man aufhetzen kann. Und vor denen man warnen kann.
So kann man die Bevölkerung auf winzige, angstbesetzte Meinungsinseln auseinanderdividieren, damit sie nicht mehr merken, dass man selbst ganz andere Ziele verfolgt. Und als Volk nicht dazwischen quatscht. Desinformation, Nebenkriegsschauplätze.
Klappt nicht immer, wie man an TTIP sieht, aber immer öfter.
Und wenn man merkt, wie man wieder einmal verschaukelt wurde, ist es doch tröstlich, wenn es noch jemand äußert. So wie ich hier.
Vielleicht hat man dann Lust, selbst anderen zu sagen, dass man sich nicht ablenken lässt. Dann geht es einem noch besser.
Und ganz vielleicht ändert das auch was.
Immerhin haben wir Deutsche die große Chance, von einer miserablen Innenpolitik nicht durch Anzetteln eines Krieges gegen irgendwen abgelenkt werden zu können.

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