US-Wahl – Marilyn trifft Donald

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„Die Schwerkraft holt uns alle ein!“, wird als Anekdote von Norma Jean alias Marilyn Monroe kolportiert, als sie sich einen Stütz-BH kaufen ging. Ich habe lange überlegt, einen Kommentar zu finden, den der neue amerikanische Präsident vielleicht auch gut fände. Denn...
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US-Wahl – Marilyn trifft Donald
raum&zeit-Kolumne von Manfred Jelinski

„Die Schwerkraft holt uns alle ein!“, wird als Anekdote von Norma Jean alias Marilyn Monroe kolportiert, als sie sich einen Stütz-BH kaufen ging. Ich habe lange überlegt, einen Kommentar zu finden, den der neue amerikanische Präsident vielleicht auch gut fände. Dennoch steckt viel Weisheit in diesem Spruch. Denn was sagt uns dieser Spruch? „Vergiss nicht die natürlichen Kräfte!“
Und fast die gesamte internationale Journaille hat ebenfalls hochnäsig aus den Wolken herab das Volk, ihr Klientel eigentlich, betrachtet. Und die Demago ... oh, Verzeihung, die Demoskopen sind ja eigentlich schuld. Denn alle Voraussagen sahen Hillary Clinton vorn.
Wie konnte das passieren?
Einige wenige Kommentatoren hatten es schon vorab zur Sprache gebracht: „Vorsicht, vergesst nicht die Menschen, die sich in den vergangenen Jahren immer übergangen fühlten! Sie könnten mal zur Wahl gehen, statt zu Hause zu bleiben.“ Für die USA bedeutungsvoll meint das die „Fly-over-states“, also jene Staaten, über die die intellektuelle, technokratische Politikerkaste, die eher an der Küste wohnt, immer rüberfliegt, wenn sie Ihresgleichen am anderen Ozean besucht.
Und alle möglichen Gesetze und Verordnungen macht, die weder den Leuten helfen, die dazwischen wohnen, noch verstanden werden. Oder wenn, dann anders, als intendiert.
Auch in USA herrscht eine Politikverdrossenheit und gern wandte man sich nun jemandem zu, der versprach, einmal ordentlich auf den Tisch zu schlagen. Aber wenn alle „da oben“, die führenden Informationsmedien eingeschlossen, diesen Kandidaten lächerlich machen, warum sollte man sich als Sympathisant dieser „Lügenpresse“ offenbaren?
Deshalb gehen ihre Meinungen auch nicht in eine Demoskopie ein.
Dagegen war Facebook viel innovativer: Auf einer Seite konnte man weltweit durch einfachen Klick anonym seine Meinung eintragen. Na schön, was ist schon anonym bei Facebook, aber die Leute dachten es wenigstens. Und das Ergebnis? Trump mit ungefähr zehn Prozent Vorsprung!
Jetzt kommen die ersten zaghaften Stimmen, die diese Wahl mit der Brexit-Entscheidung vergleichen. Ja, sehr gut! Und bitte nicht die französischen, polnischen, ungarischen und letztlich auch die deutschen Wahlergebnisse vergessen! Und das ist alles demokratisch!
Eben sagte meine Frau zu mir: „Nun ist der dritte Satz der populistischen Sinfonie verklungen. Und was machen sie in unserer Regierung bezüglich des vierten Satzes? Sie überlegen, was sie dazu anziehen, während Frauke Petry an einem Konzept feilt, noch mehr Unzufriedene an die Wahlurnen zu holen.“
„Wir haben unsere Themen nicht vermitteln können!“, heißt es immer von oben her, und nach der hundertsten Wiederholung ist man sicher, dass es „von oben herab“ erklärt wird. Zum Beispiel, dass alle, die nicht die Meinung unserer Spitzenpolitiker teilen, Nazis sind. Aha.
Eigentlich wollte der einfache Einwohner nur wissen, was diese ganze Globalisierung oder europäische Harmonisierung im eigenen Portemonnaie bedeutet. Bisher kam nur herüber: Stützung der Schlüsselindustrie, Rettung der Banken, Erhöhung der Diäten wegen mehr Flugstunden. Da interessiert auch der Weltklimagipfel in Marokko nicht besonders. Und man versteht, warum die Bewohner von Helgoland sich dagegen wehren, ihre 83 Kaminöfen stilllegen zu müssen, nur weil sie amtlicherseits gezwungen wurden, sich an die Fernwärmeleitung anzuschließen. Zum Glück gibt uns unser komplexes Regelwerk schlitzohrige Auswege. „Da Holzverbrennung CO2-neutral ist, sogar gefördert wird, wie man bei Pelletsheizungen sieht, ist ein Verbot von Kaminöfen unsinnig.“
Und man machte einen Volksentscheid. Ganz demokratisch dürfen die Öfen weiter brennen. Und niemand versteht, warum das nun gegen irgendwelche Gesetze verstoßen soll, wenn Sigmar Gabriel eine Klima-Expertise für den Klimagipfel vorbildlich an der Sorge um die Braunkohleindustrie und Energiekonzerne scheitern lässt.
Und dann muss man sich nicht über das Roll-Back der natürlichen Schwerkraft wundern.

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