Zum Insektensterben

Diesen Artikel teilen:  
© kyslynskyy – Fotolia.com

Der Grill war heiß und das Buffet üppig. Wir saßen auf Bierbänken in einem Mannschaftszelt der Bundeswehr. Zu Familienfeiern auf dem Dorf kommen immer ein paar Leute mehr.So saßen wir herum und erzählten uns ziemlich wichtige Dinge aus dem täglichen Leben. Was ...
Weiter lesen

Zum Insektensterben
raum&zeit-Kolumne von Manfred Jelinski

Der Grill war heiß und das Buffet üppig. Wir saßen auf Bierbänken in einem Mannschaftszelt der Bundeswehr. Zu Familienfeiern auf dem Dorf kommen immer ein paar Leute mehr.
So saßen wir herum und erzählten uns ziemlich wichtige Dinge aus dem täglichen Leben. Was die Kinder wieder angestellt hätten und wie schön die Vorgärten wären, so sauber geschnitten und angenehm übersichtlich.
„Drei Bäume haben wir rausgemacht. Das sah ja nicht aus!“, sagte der Gastgeber. Alle nickten zustimmend.
Ein anderer Nachbar war sehr zufrieden mit seinem neuen Zaun, den er anstelle einer Hecke gesetzt hatte. Jetzt erwartete er eine größere Fuhre grauer Steine, mit denen er die Terrasse vergrößern wollte. Zum Glück hat das Grundstück kaum 800 Quadratmeter.
„Bei uns hinten sind die Bäume ziemlich hoch gewachsen!“, gab ein anderer zum Besten „Aber die gehören nicht zu uns. Die sind vom Nachbarn, der sich gar nicht kümmert.“ Und dann fügte er plötzlich klagend hinzu: „Aber es kommen keine Vögel mehr! Ich habe so eine schöne Tränke gebaut. Früher war da immer so ein buntes Treiben.“
„Dafür gibt es auch keine Fliegen mehr!“, ließ sich eine ältere Nachbarin vernehmen. „Ach, was war das früher schrecklich, wenn die überall herumflogen. Und die Mücken! Das hat zum Glück auch aufgehört!“
„Ja, das ist wegen dem feuchten Sommer!“, sagte ein anderer.
„Es gibt eine Nahrungskette“, versuchte meine Frau eine alternative Erklärung. „Wenn es keine Insekten gibt, haben die Vögel nichts zu fressen.“
„Jaja, und deshalb kommen sie nicht mehr zu uns!“, sagte der Nachbar nun. Die Kausalkette war für das dörfliche Verständnis geschlossen.
Was sollten wir dazu beitragen? Dass wir vor zwanzig Jahren noch fünf Schwalbennester am Haus hatten und seit langem keins mehr? Dass wir in diesem Jahr genau zwei Schmetterlinge sahen? Und erst eine einzige Libelle? Auch die Frösche und Kröten werden schon mit Namen begrüßt. Um Fledermäuse zu sehen, muss man sich zu hochoffiziellen Expeditionen anmelden. Früher habe ich sie mit einem Handtuch eingefangen, wenn sie sich in unsere Wohnung verirrt hatten. Und unser Imker-Nachbar schaut immer so besorgt auf seine Stöcke. Ich frag ihn lieber nicht.
Auf dem Flohmarkt gab es einen florierenden Stand: Vogelhäuschen und Fledermausdomizile zum ans Haus hängen. Wenn man ganz viel von diesen fachgerecht gezimmerten Unterkünften kauft, dann kommen sie bestimmt zurück. Auch die speziellen Arten, die man nur aus dem Buch kennt. Versprochen!
In der Online-Zeitung stieß ich auf eine Meldung. „EU will Glyphosat für weitere zehn Jahre erlauben“ stand da. Aber wie das so ist mit Kausalitäten. Nicht alles hat mit allem zu tun. Da muss man, wissenschaftlich betrachtet, vorsichtig sein.
Nur dass jeder mit jedem verwandt ist – über sieben Ecken – das ist inzwischen akademisch bewiesen.

Artikel "Zum Insektensterben" online lesen

Klicken Sie auf folgenden Link um den Artikel online zu lesen:

Artikel online lesen
© 2017 by Ehlers Verlag GmbH raum&zeit bei
zur Startseite