Die Fuji-Declaration 2015

Ein Moment des Friedens

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@ Sesto Castagnoli und Christoph Quarch

Mitte Mai 2015 fand zu Füßen des Mount Fuji in Japan eine bemerkenswerte Versammlung statt. Tausende Menschen kamen zusammen, um zu Füßen des heiligen Berges eine Zeremonie zu halten, mit der eine globale Kampagne auf den Weg gebracht werden sollte: die Fuji-Declaration. Dabei ...
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Die Fuji-Declaration 2015
Von Sesto Castagnoli und Christoph Quarch

Mitte Mai 2015 fand zu Füßen des Mount Fuji in Japan eine bemerkenswerte Versammlung statt. Tausende Menschen kamen zusammen, um zu Füßen des heiligen Berges eine Zeremonie zu halten, mit der eine globale Kampagne auf den Weg gebracht werden sollte: die Fuji-Declaration. Dabei handelt es sich um eine internationale Allianz von Einzelpersonen und Organisationen, die sich durch eine gemeinsame Verpflichtung verbunden haben, um eine harmonischere, mitfühlende und nachhaltige Ära der Menschheit voranzubringen. Es handelt sich dabei um einen Aufruf an alle Weltbürger, das menschliche Potenzial zu entfalten und einen Wandel der Geschichte zu befördern.

Auf den folgenden Seiten finden Sie die Erklärung in deutscher Übersetzung und präsentieren ein Interview mit Sesto Castagnoli, einem der Protagonisten der Fuji-Declaration, der uns außerdem einen Bericht über die Inaugural-Zeremonie in Japan geschrieben hat.

Die Fuji-Declaration im Wortlaut

Wir stehen vor einer neuen Epoche der Evolution der menschlichen Zivilisation. Infolge immer neuer beunruhigender Krisenherde in allen Weltregionen wächst die Notwendigkeit zu einem Wandels unseres Denkens und Handelns. Heute haben wir die Wahl, uns noch tiefer in bestehende Risiken zu verstricken oder den Durchbruch zu einer Welt der Würde und des Wohlergehens zu wagen.

Durch ihre gesamte Geschichte hindurch hat sich die Menschheit vornehmlich von einem materiellen Bewusstsein leiten lassen. Aus Furcht vor Knappheit haben wir weit über das Notwendige hinaus materiellen Gewinn erstrebt und uns dabei anderer ebenso wie der natürlichen Ressourcen bedient. Solange sich unser Streben ausschließlich auf das Materielle und Endliche fixiert, wird unsere Welt unausweichlich auf Zerstörungen zusteuern.

Was ist unsere wahre Natur?

Um bessere Entscheidungen zu treffen und den Gang der Geschichte in eine gute Richtung zu lenken, müssen wir zur fundamentalen Frage des menschlichen Lebens zurückkehren: Ein jeder von uns muss sich fragen: Was ist unsere wahre Natur? Und ein jeder sollte nach einer sinnvollen und verantwortungsbewussten Antwort suchen.

Die großen Weisheitstraditionen der Welt haben uns in ihrem Kern gelehrt, das menschliche Leben sei untrennbar mit seiner universellen Quelle verbunden. Heute wird diese bleibende Einsicht durch die jüngsten Erkenntnisse in Physik und Biologie bestätigt. Wenn wir unsere Verbindungen zur Natur und zum Kosmos wiederentdecken, können wir unser Leben neuerlich mit der universellen Tendenz zu Einheit und Harmonie in und durch Verschiedenheit abstimmen. Wir können den göttlichen Funken im menschlichen Geist neu entfachen und unsere angeborene Liebe, unser Mitgefühl, unsere Weisheit und unsere Freude zu einem lebendigen und blühenden Leben entfalten. Die Zeit ist reif dafür, dass ein jeder den in seinem Herzen wohnenden göttlichen Funken weckt.

Was ist der Zweck unseres Daseins?

Wir sind in einem kritischen Augenblick der Weltgeschichte geboren worden, in eine Welt im Übergang, wo es möglich ist, das Voranschreiten der Menschheit in Richtung Frieden auf Erden zu lenken. Frieden zu leben und es dem Frieden zu ermöglichen, auf Erden zu walten, ist letztlich unser aller Zweck. In jedem Bereich unseres Daseins müssen und sollten wir ihn annehmen.

Indem wir bewusst und verantwortungsvoll leben, können wir den uns innewohnenden Frieden und mit ihm die Kraft hervorbringen, derer wir bedürfen, um unser eigenes und der Menschheit Schicksal zu gestalten. Es ist unsere Aufgabe, gemeinschaftlich eine Welt der Würde und des Mitgefühls zu erschaffen, die das volle Potenzial des menschlichen Geistes entfaltet: eine Welt, in der jedes Individuum seinem höchsten Selbst Ausdruck verleiht – im Dienste der Menschheitsfamilie und des ganzen Netzes des Lebens auf unserem Planeten.

Unterwegs zu einer neuen Zivilisation

Es ist notwendig, Menschen unterschiedlicher Bereich zusammenzuführen – Wissenschaftler, Künstler, Politiker, Wirtschaftsführer und andere –, um ein solides und vielschichtiges Fundament dafür zu legen, rechtzeitig einen Wandel der Geschichte zu herbeizuführen. Für alle Menschen ist es an der Zeit, mutige Pioniere zu werden: über ihre persönlichen, kulturellen und nationalen Interessen hinauszugehen und die Grenzen ihrer jeweiligen Disziplin hinter sich zu lassen, um in Weisheit, im Geiste und dem Vorsatz zusammenzufinden, allen Völkern der Menschheitsfamilie ein Segen zu sein. Auf diese Weise können wir das für unsere nicht nachhaltige Welt charakteristische Festhalten an überkommenen Ideen und erstarrten Konventionen überwinden und für die kommenden Generationen eine harmonischere und blühende Zivilisation entwerfen.

Das Paradigma einer neuen Zivilisation

Das Paradigma einer neuen Zivilisation ist eine Kultur der Einheit mit Respekt vor der Verschiedenheit. So wie Myriaden von Zellen und die diversen Organe unseres Körpers in Einheit verbunden sind und harmonisch miteinander interagieren, um das Leben aufrecht zu erhalten, so ist ein jedes Lebewesen wesentlicher Bestandteil einer größeren Symphonie des Lebens auf unserem Planeten. Mit dieser bewussten Einsicht, dass wir alle Teil eines lebendigen Universums sind, dem eine große Vielfalt innewohnt und das doch von Einheit umfasst ist, werden wir uns miteinander und mit der Natur in einem Netzwerk fruchtbarer und stimmiger Beziehungen weiterentwickeln.

 

Als Wesen, die sich für die Zukunft der Erde verantwortlich wissen, erklären wir Folgendes:

-       Wir bejahen den göttlichen Funken in Herz und Verstand jedes menschlichen Wesens und beabsichtigen, in jedem Bereich unseres Daseins in seinem Lichte zu leben.

-       Wir bekennen uns zu unserem gemeinsamen Auftrag, durch unsere Lebensweise und unsere Handlungen einen dauerhaften Frieden auf Erden zu schaffen.

-       Wir beabsichtigen, so zu leben und zu handeln, dass wir die Lebensqualität und das Wohlergehen aller Formen des Lebens auf Erden steigern und anzuerkennen, dass alle Lebewesen in all ihrer Verschiedenheit miteinander in Einheit verbunden sind.

-       Wir werden fortwährend danach streben, den menschlichen Geist zur Kreativität zu befreien und die Veränderungen zu nähren, die notwendig sind, um in allen menschlichen Bereichen ein neues Paradigma hervorzubringen – einschließlich Wirtschaft, Medizin, Politik, Wirtschaft, Bildung, Religion, Kunst, Kommunikation und Medien.

-       Wir betrachten es als unseren Auftrag, eine geistigere und harmonische Zivilisation zu implementieren – eine Zivilisation, die die Menschheit befähigen wird, die ihr innewohnenden Potenziale zu entfalten und zur nächsten Stufe ihrer materiellen, geistigen und kulturellen Evolution voranzuschreiten.

 

Bericht des Schweizer Aktivisten Sesto Castagnoli

Freitag, 15. Mai 2015, United Nations University, Tokio: Fünfzig Vordenker aus aller Welt versammeln sich zu einem einzigartigen Symposium. Sie sind zusammengekommen, um gemeinsam die Fuji-Erklärung auf den Weg zu bringen: Ein Papier, das mit dem erklärten Ziel antritt, eine harmonischere, mitfühlende und nachhaltige Ära für die Menschheit einzuleiten. Eingeladen sind sie von den Initiatoren der Erklärung, den japanischen Vorsitzenden der Goi Peace Foundation Masami und Hiroo Saionji sowie dem ungarischen Aktivisten und Wissenschaftler Ervin Laszlo.

Die Teilnehmer des Symposiums sind ein bunt gemischter Haufen. Sie repräsentieren diverse Fachgebiete, Kulturen und Generationen – alles Menschen, die sich in ihrer Heimat für die Gedanken der Fuji-Erklärung einsetzen. Die Idee der Zusammenkunft ist, wechselseitig von den pionierhaften Lebenswegen und Geschichten der Teilnehmer zu lernen und zusammen das Bild einer positiven Zukunft für die Menschheit zu entwerfen. Als Format wurde bewusst der Dialog anstelle von Vorträgen gewählt. So soll eine kollektive Inspiration entstehen. Die Resultate werden aufgezeichnet und veröffentlicht.

Aufbruch zur Transformation

Das Symposium in Tokio versteht sich als die erste einer ganzen Folge solcher Dialogkonferenzen. Denn die Initiatoren teilen die Hoffnung, auf diese Weise eine kritische Masse zu erreichen: Um den göttlichen Funken – “Divine Spark” zu wecken und die nötige Transformation zu einer harmonischeren, gesunden Umwelt, Natur und Menschheit zu nähren, wie dies in der Fuji-Erklärung beschrieben ist.

Die inhaltliche Arbeit des Symposiums findet in sieben Workshops statt, deren Themen von Wirtschaft über Bildung, Umwelt, Medien, Politik und Wissenschaft bis zu Spiritualität und Religion reichen. Ich selbst habe die ehrenvolle Aufgabe, das Treffen der Gruppe „Umwelt und Technology“ zu leiten. Es entwickelt sich ein sehr lebhafter, inspirierender und interessanter Austausch zwischen den Teilnehmern. Wir werden mit vier Fragen von den Initiatoren der Konferenz unterstützt.

Mitfühlende Beziehung

Eine dieser Fragen lautet, welche neuen Modelle die Beteiligten in ihrem Umfeld erkennen können und wie ihrer Ansicht nach die Menschen und die Erde davon profitieren können. Genannt wird dabei unter anderem das Kultivieren und Verinnerlichen einer mitfühlenden Beziehung zu allen Lebensformen oder die Entwicklung der menschlichen Fähigkeit, die eigene innere Stimme zu vernehmen, von der es heißt, dass sie stets die Wahrheit spreche. Auch die Ausbildung in „nachhaltigem Design“ als Werkzeug für zukünftige “Changemakers” erscheint den Symposianten als wichtiges Instrument zur Verwirklichung der Werte der Fuji-Erklärung

Dann kommt das Gespräch auf die Frage nach konkreten Aktionen und Strategien für einen entsprechenden Weg in die Zukunft. Als die vier wichtigsten Maßnahmen erscheinen dabei: die Ko-Kreation von Gemeinschaften, die im alltäglichen Leben Herz, Kopf und Seele integrieren, das Knüpfen eines globalen Netzwerks von Führungskräften der nächsten Generation, das Verbinden von Interessengruppen, Designern und Changemakern sowie ein vertieftes Wissen um Ökologie und Ökosysteme durch eine systematische Schulung aller Generationen.

Inmitten der Natur

Wie groß die Resonanz auf die Ideen der Fuji-Erklärung ist, wird zwei Tage später deutlich. Frühmorgens am Sonntag, 17. Mai 2015, reise ich mit den Symposiumsteilnehmern mit dem Hochgeschwindigkeitszug Shikansen nach “Shin Fuji” und von dort weiter mit dem Bus zum Fuji Sanctuary. Als wir kurz vor 10 Uhr eintreffen, sind schon tausende von Menschen versammelt. Es ist ein wunderschöner Ort inmitten der Natur, an dem die internationale Organisation Byakko Shinko Kai ihren permanenten Sitz hat. Seit vielen Jahren treffen sich hier Menschen, um für den Frieden in der Welt zu beten.

Gegründet wurde diese Organisation 1955 von dem japanischen Philosophen und Friedenskämpfer Masahisa Goi, um die Bewegungen für weltweite Friedensgebete zu fördern. Seit 1980 wird die Organisation von Masami Saionji, Masahisa Goi’s Adoptivtochter und Mitinitiatorin der Fuji-Erklärung, als Vorsitzende geleitet und seit 1998 ist das Fuji Sanctuary die Zentrale für alle laufenden Aktivitäten von Byakko. Auch ist es Veranstaltungsort großer monatlicher Friedensgebetsversammlungen und Zeremonien, darunter die „Symphony of Peace Prayers” – eine Zeremonie, die im Fuji Sanctuary initiiert wurde und von dort in die ganze Welt getragen worden ist. Im Jahr 2013 hat eine solche Feier in der Generalversammlungshalle der Vereinten Nationen in New York stattgefunden. Nun soll sie zur Inauguaration der Fuji-Erklärung stattfinden.

Über zwei Jahre haben die Vorbereitungen dafür gedauert. Persönlichkeiten aus ganz Japan und aller Welt sind gekommen, um dieses wunderbare Ereignis zu begehen. Während die Sonne im Osten, in Japan, über dem Mount Fuji aufgeht, versammeln sich in Dänemark zeitgleich einige hundert Menschen im Schloss Kronberg, wo eine Auftaktveranstaltung für die Fuji-Erklärung von der Transition World Initiative lanciert wird. Bei einer Life-Schaltung vereinen sich Ost und West im Geiste der Einheit für eine Welt in Frieden.

Es ist ein einzigartiger Anblick: Tausende von Menschen sitzen still in Andacht und Gebet, tief berührt im Herzen. Dies alles vor der Kulisse von Mount Fuji, dem heiligen Berg Japans – ein großer Moment des Einklangs mit der Natur. Dazu kommt die Verbindung mit der Welt durch die Flaggen aller 194 Länder dieser Erde, die im Winde flattern. Später werden diese Flaggen für die Gebetszeremonie auf die Bühne getragen. Dabei ertönt in mehr als zweihundert Sprachen der eine Gebetsruf: “May peace prevail on Earth” (Möge Friede sein auf Erden). Auch das ein Moment großer Geborgenheit und globaler Friedfertigkeit.

Zuletzt sagen wir gemeinsam Dank für alles Leben auf der Erde und verlesen gemeinsam die fünf Punkte der Fuji Deklaration (siehe oben). Das Schlusslied “We are all shining divine Sparks” (Wir sind alles scheinende göttliche Funken) singen wir alle zusammen. Mögen diese Funken die Welt erhellen.

 

Interview mit Sesto Castagnoli


Christoph Quarch: Herr Castagnoli, es gab in den vergangenen Jahren immer wieder Erklärungen und Papiere, die sich für eine bessere Welt einsetzen. Nun kommt die Fuji-Declaration. Was macht den Unterschied?

Sesto Castagnoli: Einen markanten Unterschied sehe ich in der Einfachheit der Erklärung. Die Worte sind für jedermann nachvollziehbar, die Sprache alltäglich, das Verständnis wird geweckt. Es ist wie ein Wiedererkennen der Umwelt und ihrer alltäglichen Einflüsse auf einen selbst, auf die Nachbarn, die Tiere und Pflanzen; ja auf die Menschheit und den Planeten Erde im Ganzen.

C. Q.: Wie ist das Papier zustande gekommen?

S. C.: Die Initiative ging aus von Masami und Hiroo Saionji, die sich seit Jahrzehnten für den Frieden in der Welt einsetzen. Vor etwas mehr als zwei Jahren haben sie sich auf den Weg gemacht, um Ervin Laszlo, den Mitgründer des Club of Rome und Gründer des Club of Budapest in Italien zu besuchen und ihm von ihrer Idee zu erzählen. Er konnte sich sofort dafür begeistern: Sein Lebenswerk kreist um die gleichen Werte, die von der Fuji-Declaration vertreten werden. So haben sich die drei Initiatoren gemeinsam ans Werk gemacht und gemeinsam die heutige Erklärung sowie das dazugehörige Programm für ein Auftakt-Symposium und eine Großveranstaltung im Fuji Sanctuary entwickelt.

C. Q.: Wie ist Ihr persönlicher Bezug zur Fuji-Declaration?

S. C.: Hiroo Saioji hat mich persönlich als Erstunterzeichner angeschrieben. Wir sind seit 2006 verbunden, als die ganze Familie Saionji und Ervin Laszlo an dem seinerzeit von mir organisierten „World Spirit Forum“ in Arosa teilgenommen haben. Ich war sofort begeistert und habe mein Netzwerk aktiviert und weitere Erstunterzeichner gewinnen können. Außerdem habe ich mit weiteren Ideen und Aktivitäten die Umsetzung unterstützt. Es macht Freude, bei einer solchen Initiative mitwirken zu dürfen.

C. Q.: Was begeistert Sie daran?

S. C.: Mich begeistert die meines Erachtens erstmalige Möglichkeit, mit einfachen Worten viele Menschen von Herz zu Herz zu erreichen. Mit den wenigen Worten – es sind nur fünf Punkte – spürt der Einzelne seine eigenen Wurzeln und Möglichkeiten. Durch die vielen unterstützenden Persönlichkeiten aus allen gesellschaftlichen Bereichen wird eine große Zielgruppe aktiviert: Wissenschaft, Wirtschaft, Spiritualität, Kultur, Politik, Gesellschaft, Gesundheit, Umwelt ... Jeder kann sich wiederfinden.

C. Q.: Welche Ziele verfolgen die Initiatoren der Fuji-Declaration mit ihrem Papier?

S. C.: Es geht darum, möglichst viele Menschen zu erreichen. Das Papier versteht sich als ernste Anregung, Natur, Tiere, Pflanzen, Mensch und Umwelt zu schätzen und sich entsprechend zu verhalten. Jeder Einzelne ist angesprochen, bei sich selbst zu beginnen, mit kleinen Schritten. Dazu gehört, die eigene Gesundheit, Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen. Die Fuji-Declaration erinnert sanft daran, dass wir auf diese Weise ein Hauptziel erreichen können, nämlich unseren Planeten Erde zu ehren und schätzen. Dazu gehört auch die Weiterverbreitung der Grundlagen der Fuji-Declaration über bekannte Netzwerke und Organisationen. Alle verfügbaren Medienkanäle werden eingesetzt.

C. Q.: Wie sähe die Welt in 20 Jahren aus, wenn der Geist der Fuji-Declaration auf Erden wehen würde?

S. C.: Sie sähe bestimmt viel besser aus als die Welt von heute: Menschen würden sich gesund ernähren, mit Wohlwollen auf alle Lebewesen und die Natur eingehen. Es würde Frieden herrschen; aus der Überzeugung, dass nur im Dialog ein harmonisches Zusammenleben aller Völker und Kulturen möglich ist. Jeder Mensch hätte die Möglichkeit, seine eigenen, spezifischen Fähigkeiten zu entwickeln, mit Zeit, Ruhe und innerer Gelassenheit. Toleranz und Verstehen ständen im Vordergrund. Spirituelle Werte würden gelebt und mit Freude praktiziert. Technik und Fortschritt würden im Einklang mit allen Lebewesen, Mensch, Tier, Natur und Umwelt stehen. Jeder Einzelne hätte seinen ureigenen Anteil am ganzheitlichen Wirken erkannt und freute sich, ein Teil des erlebten Fortschritts zu sein.

C. Q.: Das Papier verzichtet auf konkrete praktische Vorschläge. Welche Handlungsimpulse können und sollen aus der Erklärung folgen?

S. C.: Das eigene Verhalten überdenken; Selbstverantwortung für sich übernehmen; das Konsumverhalten im Sinne der Umwelt und anderer Lebewesen überdenken; sich fragen: Was bewirke ich mit meinem Energieverbrauch?; das tägliche Bewusstwerden dessen, was meine Handlungsweise in Bezug auf die Ressourcen des Planeten bewirkt; mir meines Fussabdruckes bewusst sein und zu erwägen, wie ich ihn verändern kann; vor allem mich fragen, wie ich mit meinen Gedanken mir selbst und meiner Familie, Nachbarn, Mitmenschen und allen Lebewesen mit Liebe, Freude und Wohlwollen begegnen kann. Alle diese und weitere Handlungsimpulse können einen Bewusstseinswandel befördern.

C. Q.: In dem Papier ist die Rede von einem „göttlichen Funken“ in jedem Menschen, den es zu ehren und zu entfalten gelte. Welche Bedeutung kommt der Spiritualität in diesem Projekt zu?

S. C.: Jeder Mensch fühlt in seinem Innersten diesen göttlichen Funken. Wir werden mit ihm geboren und er geht nicht einfach weg… Über die Jahre kann es jedoch durch die Lebensumstände, bei jedem anders nötig sein, diesen göttlichen Funken wieder zu erwecken. Die Worte der Declaration sollen daran erinnern, dass jederzeit die Möglichkeit besteht, diesbezüglich an sich zu arbeiten und einen schönen Weg für seine eigene Spiritualität zu finden. Dabei kommt es nicht darauf an, welchem Glauben oder welcher spirituellen Richtungen jemand angehört.

C. Q.: Was können Menschen tun, die den Impuls der Fuji-Declaration aufgreifen und weitergeben wollen?

S. C.: Am besten ist es, die Fuji-Declaration an alle Bekannten und in den persönlichen Netzwerke weiterzugegeben. Weitere Unterzeichner der Erklärung sind erwünscht und herzlich willkommen. Jeder kann sich direkt auf der Homepage eintragen. Die Homepage ist bereits sehr aussagekräftig und wird ständig aktualisiert. So werden auch die Ergebnisse der Gründungsveranstaltungen in Japan und Dänemark bekannt gemacht. Man kann sich auch jederzeit mit uns in Verbindung setzen. Anregungen und Fragen zum Thema sind ausdrücklich gewünscht.

C. Q.: Gibt es Ideen, wie die Gedanken der Fuji-Declaration in Unternehmen Wurzeln schlagen können?

S. C.: Ja, die gibt es. Beim Symposium in Japan waren auch Unternehmer beteiligt. Selbst habe ich mit einem Familienunternehmer aus China ein Konzept für den Einbezug dieser Gedanken in Geschäftskonferenzen besprochen. Dadurch soll dieser Gedanke in die Unternehmen weltweit einfließen.

C. Q.: Was sind die nächsten Schritte? Bleibt es bei dem Papier oder geht die Geschichte weiter?

S. C.: Am Symposium vom 15. Mai 2015 haben alle fünfzig Teilnehmer erklärt, dass sie sich für diese Erklärung einsetzen und sich innerhalb kurzer Zeit zu einem weiteren Treffen versammeln wollen. Es war eine unglaubliche Einigkeit darin spürbar, sich persönlich einzubringen und die nächsten Schritte gemeinsam zu planen. Die Geschichte geht also nicht nur weiter, sie wird sich auch erweitern.

Sesto Giovanni Castagnoli

versteht sich selbst als einen Evolutant: Er berät Unternehmen und Einzelpersonen und hält Workshops und Vorträge zu Themen wie Spiritualität in der Geschäftswelt, naturgemäße Real- und Finanzwirtschaft oder wechselseitiges Verstehen von Kulturen und Religionen. Er ist Mitgründer und Gründungspräsident des World Spirit Forum und in vielen internationalen Organisationen engagiert.

Alle Bilder: @ Sesto Castagnoli und Christoph Quarch

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