Prostitution – Es gibt kein Recht auf Sex

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Prostitution gehört zu Deutschland wie das Amen zur Kirche. „Sollen Männer ruhig zu käuflichen Frauen gehen, das senkt die Kriminalitätsrate“, denken die einen. „Ist doch gut, dass es Frauen gibt, die so was gerne tun“, finden die anderen. Dieses Gedankeng...
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Prostitution – Es gibt kein Recht auf Sex
Von Dr. Ingeborg Kraus, Karlsruhe – raum&zeit Newsletter 205/2017

Prostitution gehört zu Deutschland wie das Amen zur Kirche. „Sollen Männer ruhig zu käuflichen Frauen gehen, das senkt die Kriminalitätsrate“, denken die einen. „Ist doch gut, dass es Frauen gibt, die so was gerne tun“, finden die anderen. Dieses Gedankengut basiert jedoch auf falschen Vorstellungen. Aktuelle Studien zeigen, dass das System der legalen Prostitution patriarchale Grundstrukturen und Gewalt gegen Frauen insgesamt eher fördert. Psychologische Forschungen offenbaren, dass Prostituierte immer großen seelischen Schaden durch ihre Tätigkeit erleiden, auch wenn ihnen dies manchmal nicht bewusst ist. Und selbst Freier bekommen durch Sexkauf nicht das, was sie eigentlich bräuchten. Ein Prostitutionsgesetz wie es in Frankreich jetzt umgesetzt wurde, könnte auch in Deutschland Menschenwürde und Gerechtigkeit stärken.

Die Bedürfnispyramide

In der Schule lernt man die Bedürfnispyramide nach Maslow. Als Grundbedürfnisse werden Luft, Wasser, Nahrung und Sex aufgelistet. Man könne immer nur in die nächsthöhere Stufe gelangen, wenn die Untere gegeben und erfüllt sei. Nur so erreiche man die höchste Stufe, und zwar die Selbstverwirklichung. Als 12-jähriges Mädchen habe ich mich gefragt, wie lange man wohl ohne Luft, Wasser und Nahrung überleben könnte? Zwei Minuten ohne Luft, drei Tage ohne Wasser und vielleicht 14 Tage ohne Nahrung? Und wie lange könnte man ohne Sex überleben? Was passiert, wenn man eine Zeitlang keinen Sex hat? Stirbt man? Wird man schwer krank? Passiert da was ganz Schlimmes?
Nein, nichts davon! Es passiert überhaupt nichts! Nur die Fantasie, dass Sex für Männer ein ununterdrückbares Grundbedürfnis sei, lässt Schlimmes in der Welt passieren: sexuelle Gewalt, Verschleierung der Frauen und Prostitution.

Eine der größten Handelsbranchen der Welt

Wenn wir nun nur den Aspekt der Prostitution unter die Lupe nehmen, so zeichnet sich weltweit ein apokalyptisches Bild ab: Noch nie in der Geschichte der Menschheit gab es so viele Sexsklavinnen wie heute, noch nicht einmal zu Zeiten der Sklaverei! Und das nur, um ein vermeintliches Recht der Männer auf Sex zu bedienen. Laut dem Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) von 20121 wird die Zwangsprostitution auf 4,5 Millionen Opfer weltweit geschätzt. Genaue Zahlen gibt es nicht. Fakt ist, dass 80 Prozent aller Opfer von Menschenhandel Frauen und Mädchen sind, 69 Prozent landen in der Zwangsprostitution.2 Fakt ist auch, dass Menschenhandel durch eine Legalisierung der Prostitution steigt.3 In Thailand betragen die Einnahmen durch Sextourismus 14 Prozent des Bruttoinlandproduktes. Dieses Gewerbe gehört mittlerweile zwischen dem Waffen- und Drogenhandel zu den größten Handelsbranchen der Welt. Wenn man bedenkt, dass 98 Prozent der Opfer von Zwangsprostitution Frauen und Mädchen sind und die Sexkäufer fast ausschließlich Männer sind, dann sollte man sich ernsthafte Gedanken über das Sexualverhalten des Mannes machen.

Hotspot Deutschland

Mittlerweile wird Deutschland im Ausland als Bordell Europas gesehen. Es wird von der „deutschen Sexindustrie“ gesprochen, die einen jährlichen Umsatz von 14,6 Milliarden Euro erreicht (Schätzung des statistischen Bundesamtes) mit rund 3 500 gemeldeten Bordellen.4 Vor 15 Jahren wurde die Zahl der Frauen in der Prostitution in Deutschland auf circa 400 000 geschätzt.5 Niemand weiß genau, wie viele es heute wirklich sind, da die Frauen meist nicht angemeldet sind. Ein Kriminalbeamter aus Ulm stellte fest, dass durch das Prostitutionsgesetz von 2002 die Anzahl der Prostituierten in seinem Gebiet um circa 30 Prozent gestiegen ist.
Prostitution war schon vor 2002 legal, was viele heute verkennen. Das Gesetz wollte durch die Aufhebung der Sittenwidrigkeit die Prostitution zu einem „Job wie jeder andere“ machen. Das Gesetz hat jedoch Frauen nicht aus krimineller Umklammerung befreit, sondern hat sich als eine weitere Legalisierung der Zuhälterei entpuppt.6

Kein Schutz durch Legalisierung

Obwohl wir in Deutschland eine soziale Marktwirtschaft haben sollten, genießt gerade dieses Gewerbe, das extrem gewaltbelastet ist, keinerlei schützende Regulierungen. Irmingard Schewe-Gering, Schriftführerin des Prostitutionsgesetzes von 2012, begründete dies wie folgt: „Der Staat kann nicht vorschreiben wie die Menschen Sex miteinander haben“. Die freie Marktwirtschaft hat somit das Diktat über die Sexpraktiken und Preise übernommen. Das Resultat ist erschreckend: Flatrate-Bordelle sind wie Pilze aus dem Boden geschossen7 – für 69 Euro gibt es eine Bratwurst, ein Bier und Frauen unbegrenzt. Die Flatrate-Kette „Pussy Club“ machte Schlagzeilen, als am Eröffnungstag, dem 5. Juni 2009, 1 700 Männer Schlange standen um hineinzukommen. Die Schlange löste sich bis Ladenschluss nicht auf, zahlreiche Frauen brachen in der Folge zusammen vor Erschöpfung, Schmerzen, Verletzungen und Entzündungen, Ausschlägen und Pilzerkrankungen von der Vagina bis zu den Beinen.8
Das Einkommen der Frauen ist gesunken: 30 Euro kostet einmal Geschlechtsverkehr bei täglichen Mietkosten von circa 160 Euro und mehr für ein Zimmer, das hierfür genutzt werden kann. Es herrschen Arbeitszustände, die wir nur aus den Geschichtsbüchern des 19. Jahrhunderts kennen: Die Frauen sind vom Unternehmen völlig abhängig, sie arbeiten, essen und schlafen in den Bordellen und leben in einer rechtlosen Parallelwelt ohne Zugang zur Außenwelt. Oft wissen sie gar nicht, wo sie sich befinden. Die Ware Frau wird mittlerweile in Deutschland gemäß der Gesetze des härtesten Kapitalismus aufs Maximale ausgebeutet: Globalisierung, Industrialisierung, Low Cost, Konkurrenz, Flexibilität, Profitmaximierung etc.
Von den oben genannten 400 000 prostituierten Frauen haben sich nur 44 als Selbstständige bei den Sozialversicherungen angemeldet. Das heißt also, dass nur 44 von insgesamt mindestens 400 000 Prostituierten den Sozialversicherungsschutz überhaupt nutzen, für den das Gesetz offiziell gemacht wurde. Die allermeisten Prostituierten befinden sich weiterhin in der Illegalität9, was bedeutet, dass sie keinerlei Sozialversicherungen haben, zum Beispiel nicht krankenversichert sind, dass sie also nicht zum Arzt gehen können, weder wenn sie nur eine leichte Grippe haben, noch bei schwerwiegenderen Erkrankungen.

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