Krebs – Ungelebtes Leben

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#BILD6#R# Der Psyche werden die Flügel gestutzt. (von Luise Christiane Duttenhofer (1776–1829)) Hundert Jahre schlief Dornröschen, bevor es wach geküsst wurde. Für Silke Schmalfuß-Soth kann dieses Märchen als Gleichnis für die Krebskrankheit gelesen ...
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Krebs – Ungelebtes Leben
Von Silke Schmalfuß-Soth, Krebsforum Stuttgart – raum&zeit Ausgabe 153/2008

Der Psyche werden die Flügel gestutzt. (von Luise Christiane Duttenhofer (1776–1829))

Hundert Jahre schlief Dornröschen, bevor es wach geküsst wurde. Für Silke Schmalfuß-Soth kann dieses Märchen als Gleichnis für die Krebskrankheit gelesen werden. Der Schlaf symbolisiert dabei einen sehr eingeschränkten Seelenzustand. Auf der körperlichen Ebene kann dann als Spiegelung eine übergroße Entfaltung entstehen: Die Körperzellen entwickeln sich zurück auf ein evolutionär primitiveres Stadium und sind nur noch schwer zu bremsen. Wie der Patient wieder „wach“ werden kann, erläutert die Autorin anhand philosophisch-psychologischer Betrachtungen.

Wichtig ist eine ganzheitliche Behandlung

„Der größte Irrtum der Ärzte besteht darin, den Körper heilen zu wollen, ohne an den Geist zu denken. Doch Körper und Geist sind eins und sollen nicht getrennt behandelt werden“, klagte bereits Plato (427–347 v. Chr.). Seine Kritik hat an Aktualität nicht verloren. Sie ist heute berechtigter und dringender denn je, denn ihre auf den Körper beschränkte Einseitigkeit hat die etablierte Medizin in eine Sackgasse geführt, deren Auswirkungen inzwischen katastrophale Ausmaße angenommen haben. Während die Kostenlawine im Gesundheitswesen unaufhaltsam ansteigt, sind die Menschen des westlichen Kulturkreises immer kränker geworden.1

Derjenige, bei dem Krebs diagnostiziert wird, kommt zunächst mit der Schulmedizin in Berührung. Für die etablierte Medizin, wie sie an den Universitäten gelehrt wird, ist der Tumor, also das Symptom, die Krankheit. Da die Krebszellen – im Gegensatz zu den gesunden Zellen – unsterblich geworden sind, versucht sie, den Tumor durch Stahl, Strahl und Chemotherapie zu vernichten. Für die Schulmedizin ist Krankheit lediglich ein Problem des Körpers, betrifft nur die Materie. Dieses Dogma geht auf Descartes (1596–1650) zurück und wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch einflussreiche Wissenschaftler von der Charité wie Virchow (1821–1902) und v. Helmholtz (1821–1894) festgeschrieben. 

Fortschrittliche Mediziner verfolgen dagegen einen ganzheitlichen Denkansatz. Der Medizinprofessor H. Heine von der anthroposophischen Universität in Witten-Herdecke definiert Krebs „als eine Allgemeinerkrankung auf der Basis eines chronifizierten Mangels an Selbstregulation, bei der psychische, chemische, mikrobielle und psychosoziale Faktoren zusammenwirken.“2

Heilung ist möglich

Nach unseren Erfahrungen im Krebsforum Stuttgart könnte Krebs vermieden beziehungsweise geheilt werden, wenn Seele, Geist und Körper ganzheitlich saniert und durch Aktivierung der Selbstheilungskräfte wieder in Fluss gebracht werden. Bei den alten Ägyptern und Griechen war die ganzheitliche Sichtweise noch Standard und die Seele noch Ausgangspunkt fürs Heilen. Es ist das große Verdienst der Ärzte Thorwald Dethlefsen und Rüdiger Dahlke3, die Beteiligung der Psyche an Krankheit und Heilung wieder in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückt zu haben. 

Die neue fachübergreifende Forschung der Psychoneuroimmunologie hat nachgewiesen, dass die Verständigung zwischen Geist/Seele und Körper in beiden Richtungen über Botenstoffe, die Neuropeptide, erfolgt. Je vorgeschädigter der Körper ist, desto leichter tut sich die Seele mit der Somatisierung.

Wenn die Seele die Sprache verliert, spricht der Körper

Die Somatisierung dient 1. der Entlastung der Psyche (Spannungsabfuhr) und 2. der Verdeutlichung seelischer Defizite, indem der Körper sozusagen als „Projektionsfläche“ benutzt wird. Was in der Seele nicht wachsen darf, wächst stellvertretend im Körper. Das Symptom hält dem Kranken sozusagen einen Spiegel vor, aus dem er ablesen kann, was ihm in der Seele zum Leben fehlt, was unbedingt wieder ins Bewusstsein integriert werden sollte. Die Seele muss sich dieses Umwegs über die Materialisierung des Problems bedienen, weil wir an unser Unbewusstes nicht so ohne weiteres herankommen. „Körperliche Krankheiten stellen oft einen Versuch dar, eine seelische Verletzung auszugleichen, einen inneren Verlust zu reparieren oder einen unbewussten Konflikt zu lösen. Leiden ist oft ein Selbstheilungsversuch. Durch die Krankheit kann der Prozess der Selbstfindung in Gang gesetzt werden“, sagt der Basler Psychosomatiker Dieter Beck.4

Körper und Seele folgen gegensätzlichen Prinzipien

Leib und Geist/Seele bilden eine Ganzheit. Bei der Zeugung vereinigen sich auf der Körperebene Ei- und Samenzelle, aus denen sich ein neuer Mensch entwickelt. Wahrscheinlich tritt gleichzeitig die Geist/Seele hinzu. Wir wissen nicht, wie das geschieht. Aber Körper und Geist/Seele sind zeitlebens miteinander verbunden. Erst im Tode entweicht die Lebensenergie wieder und lässt den Körper als seelenlosen Leichnam zurück. 

Körper und Psyche halten als Ganzheit zusammen, weil sie gegenläufig aufgebaut sind, vergleichbar in etwa dem elektrischen Strom, bei dem die Energie auch nur fließt, wenn Plus- und Minuspol zusammengeschlossen werden. Wenn die Strukturmerkmale, die für die Körperebene sinnvoll sind, auch auf der Seelenebene gelebt werden, so ist das ungefähr so, als wenn wir zwei Minuspole mit einander verbinden würden: die Energie kann nicht fließen. Dann kann die Harmonie der Seele so nachhaltig gestört sein, dass sie diesen Missstand durch ein Krankheitssymptom kundtut, dessen Merkmale auf der Seelenebene unbedingt gelebt werden sollten. Beim Krebs ist dieser Hinweis überdeutlich.

Schauen wir uns also an, was uns die Körperebene des Krebskranken signalisieren will. In meinem Buch: „Krebs – was nun?“5 habe ich das an Hand von zehn Merkmalen untersucht und synoptisch in einer Tabelle dargestellt. Hier möchte ich es beispielhaft an der Zelle aufzeigen. Unsere Zellen sind im Laufe der Evolution durch die Symbiose von zwei Bakterienarten (Einzellern) entstanden, nämlich der unsterblichen Urbakterie mit Gärungsstoffwechsel – sie besteht im Wesentlichen, soweit für unser Thema von Belang, aus Zellkern, Zellplasma und Zellmembran – und den winzigen Mitochondrien mit aerobem Stoffwechsel. Diese sind sozusagen die Kraftwerke der Zelle, die durch Verbrennung von Zucker mit Hilfe des Sauerstoffs und Adrenalins unsere Lebensenergie liefern. Mit diesem Zusammenschluss vollzog sich gewissermaßen der „Quantensprung“ vom unsterblichen Einzeller zum sterblichen Mehrzeller, denn die einhundert bis tausend Mitochondrien in der Zelle sind in der Lage, im Vergleich zum – latent noch vorhandenen – Gärungsprogramm das Neunzehnfache an Energie zur Verfügung zu stellen.

Stirb und Werde

Lynn Margulis (*1938), Biologin und Professorin an der University of Massachusetts Amherst.

Otto Heinrich Warburg (1883–1970),deutscher Biochemiker, Arzt und Physiologe. 1931 erhielt er für „die Entdeckung der Natur und der Funktion des Atmungsferments“ den Nobelpreis für Medizin.

Der Preis für das Privileg, ein Mehrzeller zu sein, ist die Sterblichkeit. In unserem Körper sterben jede Sekunde zehn Millionen Zellen, und es entstehen jede Sekunde zehn Millionen neue Zellen. Wir erneuern uns innerhalb von etwa drei Monaten. Wir sterben also ständig ein Stück, um uns zu regenerieren, und unsere Gesamtlebensspanne ist begrenzt. Der Tod ist eine absolute Notwendigkeit des Mehrzellers, denn der aus einer Riesenansammlung von Zellen bestehende Organismus würde sehr schnell funktionsunfähig werden, wenn nicht ständig erschöpfte Zellen durch neue ersetzt würden. Und unser Organismus ist auch irgendwann verbraucht und nicht mehr lebensfähig. Im Laufe der Evolution wurde in der Zelle des Mehrzellers der programmierte Zelltod (Apoptose) installiert. Nach ungefähr fünfzig Teilungen (bei Beschädigungen schon früher) bringt sich die Zelle um, sie muss sich sozusagen selbst aufopfern. Endstücke (Telomere) auf den Chromosomen, die sich bei jeder Zellteilung schrittweise verbrauchen, sorgen dafür, dass am Ende die Apoptose eingeleitet wird. In unserem Körper geht es zu wie im Märchen vom Hirsebrei: Das Wachstum muss immer wieder angestoßen, und wenn genügend Zellen vorhanden sind, wieder gestoppt werden. Unser Körper weiß genau, wann er „Töpfchen koche!“ und wann er „Töpfchen steh!“ sagen muss. Goethe hat dieses Grundprinzip unseres Lebens auf die griffige Formel gebracht: „Wir sind ein ewiges Stirb und Werde.“ Und wenn sich Zellteilung und Zelltod die Waage halten, sind wir gesund und behalten unsere Struktur.

Krebs ist die einzige Krankheit, bei der etwas Außerordentliches geschieht: Eine sterbliche Zelle unseres Körpers fällt zurück in die entwicklungsgeschichtlich primitivere Urstufe eines unsterblichen Einzellers. Dies wurde bereits in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts von dem Nobelpreisträger und Leiter des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Zellphysiologie, Berlin, Otto Heinrich Warburg (1883–1970) entdeckt. Ihm folgten P. G. Seeger6 vom Robert-Koch-Institut, Berlin, Dr. Heinrich Kremer und neuerdings Lynn Margulis von der Havard-Universität.7 Ihre Erkenntnisse werden allerdings nicht zur Kenntnis genommen von der etablierten Krebsforschung, die die Entgleisung der Krebszelle allein Genveränderungen zuschreibt und sich deshalb schwer tut, sinnvolle Therapieansätze zu finden.

Krebs ist eine Energiekrise der Zelle infolge eines Defekts der Sauerstoffatmung

Durch Lahmlegung (Sauerstoffmangel), Beschädigung (freie Radikale) oder Zerstörung ihrer Kraftwerke (Mitochondrien) verliert die Zelle ihre Sauerstoffatmung. Die Symbiose bricht auseinander. In ihrer Not schaltet die Zelle auf das latente Gärungsprogramm um, wird unsterblich, klinkt sich aus ihrer Funktion im Organismus aus und teilt sich nach eigenem Gutdünken. Dann ist der Topf sozusagen am Kochen und hört nicht mehr auf, weil das Zauberwort verloren gegangen ist, das dem ungezügelten Wachstum Einhalt gebieten könnte. Die Schulmedizin hat das Zauberwort noch nicht entdeckt und versucht deshalb, die unsterblichen Krebszellen mit Gewalt zu zerstören, richtet dabei aber gefährliche Schäden im Körper an. Das Zauberwort ergibt sich aus dem Märchen von Dornröschen. Aber davon später.

Wie kommt es, dass die Krebszelle entartet? Das möchte ich am Beispiel eines ärztlichen Eingriffs durch die Gabe von Antibiotika zeigen. Das Antibiotikum stößt möglicherweise auf eine Zelle, deren Membran durch kanzerogene Stoffe (freie Radikale) so beschädigt wurde, dass es in die Zelle eindringen und die – ungeschützten – Mitochondrien abtöten und damit den aeroben Stoffwechsel zerstören kann. 

Übrig bleibt die gärende Urbakterie. Sie kann dank ihres anaeroben Stoffwechselprogramms überleben, allerdings ihrer Natur gemäß nur als unsterblicher Einzeller, zumal sie jetzt ja nur noch ein Neunzehntel an Energie produzieren kann. Mit Hilfe von Genen blockiert sie das Sterbeprogramm, indem sie 1. die Endstücke der Chromosomen (Telomere) mit Hilfe des Enzyms Telomerase versiegelt und 2. den NFKappaB-Faktor im Zellkern festhält. Dieser 1997 im Max-Delbrück-Zentrum für molekulare Medizin, Berlin, entdeckte Genschalter hat die Aufgabe, im Rahmen einer Prüfkaskade aus seiner Wartestation im Zellplasma in den Zellkern zu wandern und über die Überlebenstauglichkeit der Zelle Auskunft zu geben. Normalerweise hat er bejahendenfalls nach Erledigung seiner Aufgabe ins Zellplasma zurückzukehren, was nach den Erkenntnissen des Max-Delbrück-Zentrums bei Brustkrebs- und Hodenkrebszellen jedoch nicht der Fall ist. 

Auf diese Weise dürfte bei allen Krebsarten die Unsterblichkeit der Krebszelle durch Blockade der Apoptose hergestellt werden. Die Krebszelle klinkt sich aus dem Zellverband aus und führt das autonome Leben des einzelligen Urbakteriums, dessen Funktion sich in der Teilung erschöpft. Sie bleibt in der Teilungsphase stecken, kann den Zellteilungszyklus nicht mehr ganz durchlaufen. Das bedeutet, dass ihr die Wahrnehmung ihrer Funktion nicht mehr möglich ist, weil die in diesem Stadium entdifferenzierte Zelle nicht mehr in die Redifferenzierungsphase gelangt.8 Als Einzeller kann sie ihren Standort verlassen und Absiedelungen (Metastasen) bilden. Am Beispiel des Antibiotikums wird die Entstehung der Krebszelle besonders deutlich, und nicht von ungefähr dürfte ein großer Teil der Krebserkrankungen auf das Konto des oft unüberlegten Einsatzes von Antibiotika gehen.

Zwei Stufen der Tumorentstehung

Die menschliche Zelle. Gelb: Zellkern Rot: Die Mitochondrien (© Lennart Nilsson)

Die Entstehung einer Krebszelle führt nicht automatisch zur Tumorbildung. Die Natur geht sparsam mit ihren Ressourcen um. Deshalb schützt sie uns durch ein hochentwickeltes Immunsystem. Eine intakte Abwehr kann Krebszellen beseitigen beziehungsweise in Schach halten. Gefährlich wird es erst, wenn das Immunsystem durch Stress zusammenbricht

Krebs ist eine Stresskrankheit

Stress wirkt immunsuppressiv, denn Immunsystem und Stresssystem sind Gegenspieler, die sich normalerweise gegenseitig ausbremsen. Unser Adrenalinsystem wird bei Gefahr aktiv, um unser Überleben zu sichern. Wird das Stresshormon Cortisol übermäßig stark ausgeschüttet, wird das Immunsystem automatisch heruntergefahren. Durch diesen Trick der Natur erhalten wir in Gefahrensituationen übermenschliche Kräfte, weil alle Systeme stillgelegt werden, die für Flucht und Angriff nicht benötigt werden, wie zum Beispiel Magen, Darm, Immunsystem. Durch körperliche Betätigung wird das Immunsystem anschließend wieder hochgefahren. Was in der Evolution sinnvoll war, als der Urmensch noch mit Löwen zu kämpfen hatte, ist es für den modernen Menschen nicht mehr, der nicht nur kurzen Stressphasen, sondern chronischem Stress durch Zeitdruck, Fehlernährung, Umweltgift, hohem Lärmpegel, Strahlung, Elektrosmog durch Handys und Mobilfunkstationen, geopathogenen Störzonen etc. ausgesetzt ist. 

Der Löwe hat heute andere Gesichter. Vielleicht sitzt er als Chef hinter dem Schreibtisch und macht uns fertig. Dann können wir ihn nicht mit einem Keulenschlag auf den Kopf erledigen. Wir können auch nicht die Flucht ergreifen oder nach der Zurechtweisung mal schnell um den Block rennen, um unser Immunsystem wieder auf Trab zu bringen. Das Damoklesschwert „Entlassung“ ist ein unerhörter Stress. Immer häufiger berichten mir Krebspatienten, dass Vorgesetzte sie regelrecht aus dem Betrieb hinausgemobbt haben, um die Entlassung zu umgehen. Unsere Arbeitswelt und die Schieflage des Verhältnisses von Kapital und Arbeit ist einer der größten Stressoren unserer Gegenwart. Die Rede ist hier von Dys-Stress. Darunter ist jeder Eingriff in das vegetative Geschehen zu verstehen, der unangenehme Alarmreaktionen und eine Adrenalinausschüttung auslöst. Man kann sich das so vorstellen: Jeder Mensch führt so eine Art Fass mit sich, in dem alle Stressoren angehäuft werden. Insbesondere Lebenskrisen mit einem übermäßigen chronischen Dauerstress können das Fass überlaufen lassen und das Immunsystem lahm legen. Erst dann kann sich aus einer unsterblichen Krebszelle ein Tumor entwickeln. Aber dann wird es wirklich gefährlich.

In der Beratung fragen wir immer nach Lebenskrisen innerhalb der letzten zwei Jahre. Unsere „Dauerbrenner“ sind Verlusterlebnisse und traumatische Kränkungen: zum Beispiel Verlust einer wichtigen Bezugsperson durch Tod, Trennung, Scheidung, Verlust des Arbeitsplatzes und Mobbing. Derartige Kränkungen können uns besonders dann gefährlich werden, wenn in unserem Zellgedächtnis ein frühkindliches Trauma gespeichert ist, das durch jede neue Verletzung reaktiviert wird und lang anhaltenden Stress auslöst. Alle ähnlichen Traumata werden nämlich sozusagen im selben Fach abgelegt. Der Grund dafür ist, worauf Ölwin H. Pichler in seinem raum&zeit-Beitrag9 hinweist, „dass das menschliche Bewusstsein, …wie alle Systeme, auf den Grundlagen von Selbstorganisation und Vernetzung arbeitet…und dass solche Vorgänge immer auf Selbstwiederholungen, Algorhythmen10 und Attraktoren11 aufgebaut werden.“ Ähnliche Verletzungen bewirken eine Konditionierung dieses Menschen in eine bestimmte Richtung, machen ihn besonders anfällig und können schließlich durch einen Synergieeffekt zu einem Supergau eskalieren. Ryke Geerd Hamer12 hat nachgewiesen, dass dann eine Sicherung im Gehirn durchbrennen kann, was uns buchstäblich den Boden unter den Füßen wegzieht und das Immunsystem zum Erliegen bringt, sodass der Tumor wachsen kann. Menschen, die sich in einer Lebenskrise befinden, die sie Tag und Nacht umtreibt, sollten deshalb unverzüglich einen auf Krebs spezialisierten Psychoonkologen aufsuchen, denn sie sind gefährdet durch krankmachende Lebensmuster. Damit kommen wir zu einer wichtigen Frage: 

Gibt es eine Krebspersönlichkeit?

Rechts: Die Entwicklung vom unsterblichen Einzeller zum sterblichen Mehrzeller nach Lynn Margulis Quelle: John Briggs/F. David Peat, „Die Endeckung des Chaos“

Nach meinen Erfahrungen in fünfzehnjähriger Beratungspraxis beantworte ich diese Frage, die von der Schulmedizin vehement verneint wird, mit einem ganz entschiedenen JA. In Diskussionen mit Schulmedizinern wurde als Begründung angegeben, man könne doch den Krebspatienten, die mit ihrer Krankheit schon genug bestraft seien, nicht auch noch die Schuld für die Erkrankung in die Schuhe schieben. Diese Argumentation ist gut gemeint, aber nicht nur ausgesprochen unwissenschaftlich, sondern auch keineswegs hilfreich. Die etablierte Medizin verbaut sich damit echte Heilungsmöglichkeiten. Mit meiner Antwort, dass bestimmte Lebensmuster in frühester Kindheit oder auch schon pränatal angelegt werden und dass sich ein Schuldvorwurf damit erübrige, sondern dass es einzig und allein darum gehe, eine Antwort auf das Krebsgeschehen zu geben und die Ver-Antwortung für sich selbst zu übernehmen, konnten die Diskus-sionspartner leider nichts anfangen. Es bestehen jedoch echte Heilungschancen, wenn der krankmachende Grundkonflikt des Krebspatienten zwischen Selbstentfremdung und Autonomie erlöst wird.

Das Modell der Gesundheit

Wenn wir geboren werden, brauchen wir Luft zum Atmen, Nahrung und Liebe. Wenn diese drei Dinge vorhanden sind, reguliert sich unser System von selbst und produziert alles, was für Wachstum und Erhalt des Körpers erforderlich ist. Dank unserer Selbstheilungskräfte können wir damit hundert Jahre alt werden. 

Grundlage für ein gesundes Leben sind zwei ganz wesentliche Dinge, die wir erwerben müssen: Urvertrauen und Autonomie. Urvertrauen ist nach Werner Meinhold das Gefühl: Weil ich existiere, habe ich auch eine Existenzberechtigung.13 Es schafft Selbstsicherheit und Selbstakzeptanz, das Gefühl, wertvoll zu sein und sich selbst lieben zu können, und das ist die Vorbedingung für die Entstehung einer autonomen Persönlichkeit, nämlich dafür, dass wir in Liebe zu uns selbst unbeirrbar unser Leben wagen können. An den Anfang setzt die Natur in kluger Weisheit als Grundlage die Zeugung im Liebesakt. Unser Leben ist ein Lernprozess, es kann nicht perfekt sein, denn wir müssen ständig aus unseren Fehlern lernen und müssen auch lernen, dass wir uns unsere Fehler verzeihen dürfen. „Wenn dein Kind klein ist, gib ihm Wurzeln, wenn es älter wird, gib ihm Flügel!“ lautet Goethes einprägsame Formel für den geschilderten Zusammenhang. Wenn Urvertrauen und Autonomie entstehen, bleiben wir im Energiefluss und sind gesund. Wir können kreativ sein und kommen an unsere Ressourcen heran, an die Begabungen, die uns in die Wiege gelegt wurden, und an die Selbstheilungskräfte. Und wir sind nicht so leicht zu erschüttern durch Schicksalsschläge. Fehlentwicklungen korrigiert unsere Seele immer wieder, indem sie uns Krankheiten schickt und uns reifer werden lässt.

Das krankmachende Lebensmuster

Leider können die von Goethe besungenen Flügel bei vielen Menschen nicht wachsen, weil sie ihnen früh gestutzt wurden. Häufig mißlingt die Entstehung von Urvertrauen und Autonomie, wenn die Ich-Entwicklung durch ein pränatales oder frühkindliches Trauma nachhaltig gestört wurde. Beispiele für frühkindliche Verletzungen sind: pränatale Traumata (zum Beispiel Abtreibungsversuch oder Ablehnung einer Schwangerschaft durch Vergewaltigung, da die Gefühle der Schwangeren in allen Zellen des mit ihr in Symbiose lebenden Embryos gespeichert werden) oder postnatale Traumata (zum Beispiel Ablehnung des Neugeborenen, Bedürfnisse des Säuglings missachtende Erziehungs-praktiken, Missbrauch). An Stelle von Urvertrauen lassen sie Unwertgefühl, Angst und Hilflosigkeit entstehen. Dieses Kind hat kaum eine Chance, sich selbst zu lieben. Da Liebe aber existenznotwendig ist, müssen diese Menschen sich die Liebe immer auf dem Umweg über andere Menschen hereinholen. Wie der Hamster im Laufrad laufen sie der Liebe hinterher, indem sie sich ständig anpassen und bestens funktionieren, immer bemüht, perfekt zu sein und keine Fehler zu machen. Zu Recht nennt O. Carl Simonton, der Pionier der Psychoonkologie, Krebs eine Krankheit der Liebe – nämlich der Liebe zu sich selbst. Die Energieachse mündet nicht in Autonomie, sondern driftet in die Fremdbestimmung ab.

Wolf Büntig, der Leiter des Zentrums für Individual- und Sozialtherapie (ZIST) in Penzberg, spricht in diesem Zusammenhang von Normopathie.14 Regeln, die ihre Umwelt ihnen eingetrichtert hat, verinnerlichen diese Menschen, ohne sie zu hinterfragen und zu revidieren. Sie entwickeln ein starkes Über-Ich, stutzen sich schließlich selbst immer auf dieses fremdbestimmte Niveau eines handlichen Bonsaibäumchens zurück. Eigene Bedürfnisse werden verdrängt und können nicht gelebt werden. Diese Menschen führen ein selbstentfremdetes Leben, sie sind selbstlos, hilfsbereit, im Extremfall geht das bis zum Helfersyndrom, was unsere Kultur als eine Tugend wertet, weil sie gut funktionieren und nicht NEIN sagen können. Sie lieben ihren Nächsten mehr als sich selbst und leben damit ein auch von den Kirchen falsch verstandenes Christentum. Moses und Jesus haben das Gebot der Nächstenliebe aber anders gemeint: Wir müssen uns zuerst einmal selbst lieben mit all unseren Fehlern, dann können wir auch unserem Nächsten zubilligen, dass er Fehler machen darf, und ihn respektieren, ohne dass wir ständig unsere eigenen Fehler durch Projektion im anderen bekämpfen müssen. Wahre Nächstenliebe ist nicht möglich ohne Selbstliebe und Selbstachtung, die wohlgemerkt nichts mit Egoismus zu tun hat. Erst wenn wir gelernt haben, uns selbst zu lieben, kann auch das Zusammenleben der Menschen zu einem erträglichen und kreativen Miteinander werden.

Krebs ist ungelebtes Leben

Menschen ohne Selbstliebe sind unfähig, sich vom sozialen Druck  zu befreien. Ihr Über-Ich regiert sie und lässt sie nicht leben. Es sitzt wie Ratten auf ihrem Kopf. Schon Martin Luther warnte: „Du kannst nicht verhindern, dass ein Vogelschwarm über deinen Kopf fliegt. Aber du kannst verhindern, dass er darauf nistet“. Nach Schiller ist diese innere Tyrannei um nichts besser als die äußere Tyrannei. Damit leben diese Menschen ständig in einem inneren Konflikt, der sehr viel Energie verbraucht (Krebs ist eine Energiekrise!), denn im Unbewussten sind unsere eigenen Bedürfnisse gleichwohl virulent. Wir sind einmalige, unverwechselbare Wesen und müssen unsere eigene Lebensmelodie spielen. Wenn wir ständig gegen unsere eigentliche Natur, unsere Autonomie, verstoßen, uns quasi selbst vergewaltigen, macht uns das krank. „Das Göttliche in uns zu verwirklichen, ist unsere höchste Pflicht“, sagt Goethe. Ähnlich drückt es Irvin D. Yalom15 aus. In einem Gespräch mit dem angesehenen Wiener Arzt Dr. Josef Breuer lässt er den Philosophen Friedrich Nietzsche sagen: "Ich habe zahlreiche Mensch en erlebt, die sich hassten und dafür einen Ausgleich zu schaffen trachteten, indem sie andere dazu zu bringen suchten, ihnen wohl zu sein. Erst wenn das vollbracht war, konnten sie gegen sich selbst wohlwollend sein. Doch diese Lösung ist falsch, sie verlangt die Unterwerfung unter andere. Ihre Aufgabe muss sein, sich selbst wohlwollend und wohltuend zu sein, nicht Mittel und Wege zu suchen, mein Wohlwollen zu erheischen. Selbstbefreiung ist ein heiliges Nein, auch vor der Pflicht.“ Gemeint ist die Verpflichtung, unsere Autonomie, das unverwechselbar Einmalige in uns zu leben, sonst sind wir nicht ganz (= heil), und die Seele kann uns eine Aufforderung zur Änderung in Form einer Krankheit in den Körper schicken. Bereits das Thomas-Evangelium16 wusste erstaunlich gut Bescheid über diese krankmachenden Zusammenhänge. Hier heißt es: „Wenn du hervorbringst, was in dir ist, wird das, was du hervorbringst, dich retten. Wenn du nicht hervorbringst, was in dir ist, wird das, was du hervorbringst, dich zerstören.“ Deutlicher kann man die Krebsursache kaum beschreiben. 

Der berühmte surrealistische Maler Max Ernst hat in den zwanziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts die Selbstentfremdung des modernen Menschen in dem berühmten Bild der Heiligen Cäcilie genial zum Ausdruck gebracht. Er stellt das krankmachende seelische Defizit des modernen Menschen in unerbittlicher Härte dar. Fest eingemauert in einen festgezurrten Panzer aus Steinquadern und ohne freie Sicht, sitzt die blinde Heilige der Musik an einer Art versteinertem Musikinstrument, dessen – unsichtbare – Tastatur sie mit ihren Händen nicht erreichen kann. Ihr Fuß ruht auf einer Einrichtung, die eher einer Fußbremse gleicht als dem Pedal eines Klaviers. Ihre Seele ist rechts im Bild dargestellt als Vogel, der wie eine Marionette bewegungslos an Fäden hängt und seine Flügel nicht gebrauchen kann. Das Bild fordert förmlich dazu auf, mit einer Spitzhacke die Ummauerung zum Einsturz bringen, um der Autonomie zum Durchbruch zu verhelfen. Aber dann müssten wir das opfern, was uns Sicherheit, Schutz, Halt und Anerkennung gewährt. Und wir müssten selbst aktiv werden und grundlegende Änderungen in unserem Leben vornehmen. Bequemer ist es für viele Patienten, die Behandlung der Schulmedizin zu überlassen, auch wenn sie uns das Zauberwort nicht liefern und Heilung nicht versprechen kann. Dies bewusst zu machen, ist außerordentlich wichtig. Denn dem modernen Menschen ist das Gefühl dafür abhanden gekommen, dass das selbstentfremdete Lebensmuster verheerende Wirkungen haben kann. Aber unser Unbewusstes weiß sehr wohl, dass beim Rückfall der Körperzelle in die evolutionär primitivere Urstufe eines unsterblichen Einzellers etwas ganz Essentielles schief gelaufen ist, denn es reagiert auf keine andere Krankheit mit solcher Todesangst. Das sollte uns zu denken geben.

Das Modell der Genesung

Die Krebszelle zeigt uns den Weg zur Heilung in aller Deutlichkeit: sie ist unsterblich, autonom und gärt. Damit signalisiert sie uns, dass es für unsere unsterbliche (!) Seele höchste Zeit wird, zu gären, das heißt zu wachsen und zu reifen, die Selbstentfremdung abzuschütteln, autonom zu werden und die uns wesensgemäße einmalige und unverwechselbare göttliche Seite in uns zu leben. Jesus forderte seine Mitmenschen auf: „Werdet ein (gärender!) Sauerteig!“ das heißt, arbeitet an euch, wachst und reift seelisch. Wir müssen das frühkindliche Trauma erlösen und lernen, Urvertrauen und Autonomie zu erlangen, die eingeknickte Energieachse wieder aufzurichten, damit die Seele das Körpersymptom loslassen kann. Diese Sicht wird bestätigt durch die Forschung des  Heidelberger Mediziners Ronald Grossarth-Maticek17, der die Bedeutung der Autonomie für Gesundheit und Selbstregulation in prospektiven Studien an unzähligen Probanden über sehr lange Zeiträume wissenschaftlich untersucht und auf seinen Forschungsergebnissen sein erfolgversprechendes Autonomietraining aufgebaut hat. 

Das Märchen von Dornröschen, hinter dem uralte Erfahrungen und ein tiefes Verständnis menschlicher Verstrickungen steht, zeigt in einprägsamer Weise modellhaft Konflikt und Erlösung unseres Problems auf. Im Sinne der Psychologie sind alle vorkommenden Personen als Facetten oder Anteile ein und derselben Person zu verstehen. Das heißt, jeder von uns ist ein Königskind und hat viele gute Begabungen und Ressourcen, aber auch das Böse in sich. Das frühkindliche Trauma (= Verletzung durch die Spindel) führt zur Selbstentfremdung (= hundertjähriger Schlaf ist ungelebtes Leben). Die Liebe zu sich selbst ist das erlösende Zauberwort. Wach küssen muss man sich selbst und sich ein Versprechen für die Zukunft (= Heirat) geben, das gesunde Lebensmuster auch wirklich zu leben.

Wir müssen in unseren Denkmustern gründlich aufräumen, dürfen es jedoch nicht bei der kognitiven Erkenntnis des krankmachenden Grundkonflikts bewenden lassen, sondern müssen den Konflikt wirklich er-lösen, damit die Seele das Körpersymptom wieder zurücknehmen kann. Natürlich kann das traumatisierende Ereignis nicht einfach im Zellbewusstsein gelöscht werden, aber man kann die begleitende Emotion ändern.

Rückbindung an göttliches Prinzip und Vertrauen in das Leben

Corinna Köbele18 hat in ihrer Dissertation herausgefunden, dass es in den von ihr untersuchten Spontanremissionen letztlich nur auf zwei Merkmale ankam, die allen geheilten Patienten gemeinsam waren: nämlich auf die Religio (die Rückbindung an das göttliche Urprinzip, an unseren liebenswerten göttlichen Kern) und auf die Integration des Todes in das Leben durch Annahme der Sterblichkeit (Memento mori: Lebendigkeit durch bewusstes Leben in der Gegenwart). Das schaffte Vertrauen in das Leben als Ersatz für das fehlgeschlagene Urvertrauen. Die Befreiung dieser wesentlichen Lebensgrundlagen aus dem Unbewussten setzte die für die Verdrängung in den Schatten ständig verbrauchte Energie frei, die nun der Heilung zugeführt werden konnte. Wenn wir begriffen haben, dass wir uns nicht verachten müssen, sondern die Liebe zu uns, zu unserem göttlichen Kern entdeckt haben, entsteht Autonomie, die die Selbstheilungskräfte und damit die Selbstregulation wieder ankurbelt, nicht zuletzt auch deshalb, weil wir unseren Körper achten und wie einen Tempel unserer Seele pflegen.

Wie können die Krebszellen zum Verschwinden gebracht werden, wo sie doch unsterblich sind?

Wie oben dargelegt, ist die Apoptose durch Telomerase und den sogenannten NFKappa B-Faktor lediglich blockiert. Die geheilte Seele ist in der Lage, Botenstoffe gleichzeitig zu allen Krebszellen zu senden, die diese Blockaden aufheben, so dass der Weg für die Apoptose wieder frei ist. Auf diese Weise kann selbst ein größerer Tumor in kürzester Zeit verschwinden, eine Leistung, der unser Immunsystem nicht gewachsen wäre, denn dieses kann angeblich nur bis zu 500 Krebszellen vernichten. Das ist das ganze Geheimnis von Spontanheilungen. Die Heilung kann allerdings nur gelingen, wenn der verdrängte Seelenanteil wirklich ins Leben integriert und gelebt wird, denn betrügen lässt sich unsere Seele nicht. Was liegt da näher, als sie genau zu untersuchen und sie in die Krebstherapie zu integrieren? 

Zwar ist der Prozentsatz der Spontanheilungen bisher verschwindend klein. Aber immerhin wurden etliche Fälle wissenschaftlich dokumentiert, so zum Beispiel in Lourdes. Sie zeigen damit in aller Deutlichkeit, dass Spontanheilungen grundsätzlich möglich sind. Leider reagiert die etablierte Medizin meist immer noch mit Geringschätzung auf dieses Phänomen und sieht keinen Ansatzpunkt für ihren nutzbringenden Einsatz. Das Krebsforum Stuttgart e.V. empfiehlt den Krebspatienten, Spontanheilungen gewissermaßen nachzustellen, was in mehreren Fällen bereits erfolgreich war. Dafür reicht es keineswegs aus, den auslösenden aktuellen Konflikt zu beseitigen. Vielmehr kommt es entscheidend darauf an, den durch ein frühkindliches Trauma entstandenen Grundkonflikt zu er-lösen, damit er nicht mehr als Attraktor fungieren kann, sonst kann uns jede neue Verletzung wieder einen Supergau bescheren. Wir können ja unser Leben nicht von Konfliktssituationen freihalten, wir können nur anders mit ihnen umgehen. Denn krank macht uns, wie Simonton feststellt, nicht das Geschehen in unserer Umwelt als solches, sondern was wir – subjektiv – davon halten. 

Es gibt viele psychotherapeutische und psychoonkologische Therapieansätze, die sich mit dem Trauma beschäftigen. Es ist ganz wichtig, dass die-se Arbeit nicht im Kognitiven stecken bleibt. Natürlich müssen wir zunächst einmal die Krebserkrankung in ihrem Gesamtzusammenhang erkennen und verstehen. Aber das allein nützt uns nichts, wenn das frühkindliche Trauma nicht erlöst wird. Als Methode empfehlen wir beispielsweise die Synergetik nach Bernd Joschko, mit der bereits in einigen Fällen der Tumor in relativ kurzer Zeit zum Verschwinden gebracht werden konnte, insbesondere wenn auch die Körperebene wieder saniert wurde. Der Synergetik-Therapeut fungiert dabei sozusagen nur als „Geburtshelfer“, tun muss es der Klient selbst. 

Leider ist der Krebs bei einigen Patienten später wieder aufgeflackert, weil sie etwas sehr Wichtiges nicht beachtet hatten: Sie sind wieder in die alten krankmachenden Muster zurückgefallen. Dornröschens Heirat ist wichtig als Treueversprechen für die Zukunft, nicht mehr in das krank machende Lebensmuster der Selbstentfremdung zurückzufallen. Die Forderung des Philosophen Søren Kierkegaard: „Das Leben muss rückwärts gesichtet verstanden werden, aber vorwärts gelebt werden“, zeigt hier ihre besondere Bedeutung und Berechtigung. Das verdeutlicht der bekannte Mythos von Orpheus und Eurydike, dem eine ähnliche Konstellation wie Dornröschen zugrunde liegt, der aber einen Schritt weiterführt. Durch seinen himmlischen Gesang erwirkt der berühmte thrakische Sänger, Sohn des Apoll, von den Göttern der Unterwelt die Freigabe der geliebten Eurydike unter der Bedingung, dass er sich während des Aufstiegs in die Oberwelt nicht umschaut. Das ist die Aufforderung, vertrauensvoll nach vorn zu schauen und sich auf seine Autonomie zu verlassen. Die Selbsterlösung gelingt nicht, denn unterwegs befällt ihn der Zweifel, und er schaut sich um, das heißt er fällt in die alten Muster zurück. Die Erlösung ist nicht möglich. Eurydike kehrt in den Hades zurück und Orpheus irrt durch die Welt und wird am Schluß von den zornigen Mänaden zerrissen – ein sehr starkes Bild für das, was der Krebs im Endstadium mit uns machen kann, wenn der Konflikt nicht erlöst wird.

Die Autorin

Silke Schmalfuß-Soth
Jahrgang 1936, Studium der Rechtswissenschaft und Soziologie, Regierungsdirektorin i.R., Initiatorin, geschäftsführende Vorsitzende und Krebsberaterin des 1996 gegründeten „KREBSFORUMS STUTTGART e.V. – Zentrum für Information, Schulung und Therapieberatung“. Mitautorin des Buches: Günter Heiß (Hrsg.): „Krebs – was nun? – Leben mit Krebs“ und des DVD-Films: „Das Wichtigste ist leben – Krebs, ein Hilfeschrei der Seele – Märchen helfen, seine Botschaft zu verstehen“. 

Fußnoten

1. Zu den verheerenden und grotesken Auswüchsen unseres Gesundheitssystems s. Friedrich Douwes: „Jenseits der Heilung – Nur die komplementäre Therapie kann unser Gesundheitssystem retten“, raum&zeit Nr. 148, 2007, S. 23 ff.

2. H. Heine: „Psychoonkologie“, Zeitschrift für Onkologie Nr. 1/1996, S. 10.

3. Thorwald Dethlefsen/Rüdiger Dahlke: „Krankheit als Weg – Deutung und Bedeutung der Krankheitsbilder“, Goldmann 1983

4. Dieter Beck: „Krankheit als Selbstheilung – Wie körperliche Krankheiten ein Versuch zur seelischen Heilung sein können“, Suhrkamp 1985, S. 11

5. Silke Schmalfuß-Soth: „Krebs – eine Erkrankung von Seele und Körper – Plädoyer für eine Ganzheitsmedizin“, in: Günter Heiß (Hrsg) „Leben mit Krebs – Perspektiven in das 21. Jahrhundert“, Merz 2001, S. 96 ff.

6. P. G. Seeger: „Leitfaden für Krebsleidende und die es nicht werden wollen“, Mehr-Wissen-Verlag 1982

7. John Briggs/F. David Peat: „Die Entdeckung des Chaos“, Hanser 1990, S. 232

8. Ausführlich hierzu mit Nachweisen Silke Schmalfuß-Soth a. a. O. S. 80 ff.

9. Ölwin H. Pichler: „Menschliche Psyche als Fraktal“. raum&zeit Nr. 138/2005, S. 49

10. Algorhythmus: ein durch Regeln festgelegter Rechenvorgang, der häufig zyklisch wiederkehrende Gesetzmäßigkeiten aufweist (Großer Brockhaus).

11. Attraktion = Anziehung

12. Ryke Geerd Hamer: „Krebs – Krankheit der Seele – Kurzschluss im Gehirn, dem Computer unseres Organismus“, Köln 1989.

13. Werner Meinhold: „Krebs – eine mystifizierte Krankheit – Hintergründe und ganzheitliche Aufarbeitung“, Walter 1996.

14. S. hierzu auch Erich Fromm: „Die Pathologie der Normalität“, Ullstein 1991; und Arno Grün: „Der Wahnsinn der Normalität – Realismus als Krankheit“, Kösel 1987.

15. Irvin D. Yalom: „Und Nietzsche weinte“, Pieper 2005, S. 254.

16. Apokryphen, 2. Jh. nach Chr.

17. Ronald Grossarth-Maticek: „Autonomietraining – Gesundheit und Problemlösung durch Anregung der Selbstregulation“, de Gruyter 2000.

18. Corinna Köbele: „Spontanremissionen tumorkranker Menschen“, Dissertation 1995.

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