Der neue Yehudi Menuhin Balance Hocker

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© Dorothea May

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Der neue Yehudi Menuhin Balance Hocker
Von Dorothea May – raum&zeit Sonderdruck 3

Kleiner Unterschied mit großer Wirkung



Rückenschmerzen sind das Martyrium unserer Zeit. Nicht nur in Deutschland gelten Rückenleiden als Volkskrankheit Nummer Eins. Jetzt gibt es einen neuen Hocker, dem nachgesagt wird, daß er wahre Wunder bewirkt. Der Yehudi Menuhin Balance Hocker – benannt nach dem kürzlich verstorbenen großen Geiger und Dirigenten – korrigiert offenbar Fehlhaltungen der Wirbelsäule. Den „Wunderhocker“ entwickelte die bayerische Nowo-Balance-Therapeutin Dr. med. Christiane May-Ropers. Er löst Verspannungen der Rückenmuskulatur und lindert Schmerzen. Der Hocker gehört damit zu den von raum&zeit bevorzugten Methoden der sanften Medizin. Er beseitigt offenbar nach und nach die Ursachen vieler Rückenprobleme und nicht nur die Symptome. Die Ambacher Journalistin und Fernseh-Autorin Dorothea May hat sich den Hocker und das Problemfeld, in dem er wirkt, etwas genauer angesehen und dazu auch Menschen befragt, die den Hocker bereits benutzen.

Der kürzlich verstorbene weltberühmte Geiger Yehudi Menuhin mit der Erfinderin des Balance-Hockers, der Fachärztin für physikalische und rehabilitative Medizin und Naturheilverfahren Dr. med. Christiane May-Ropers.
Menuhin, der auf dem Balance-Hocker sitzt, empfahl den Hocker vor allem für Orchester-Musiker, die meist mit großen Rückenproblemen zu kämpfen haben. Er nannte den Hocker eine „höchst innovative Idee“. 

Mehr als 20 Millionen Menschen in Deutschland haben Rückenschmerzen. Das sind 30% aller Bundesbürger über 14 Jahre. Abhilfe tut Not, aber rasche Heilung ist selten. Vier Millionen Menschen in Deutschland klagen sogar täglich über Kreuzschmerzen. 
Rückenleiden machen europaweit 15 Prozent aller Ursachen für Arbeitsunfähigkeit aus. In Deutschland beruht jede zweite Berentung und jede fünfte Krankschreibung auf Schmerzen im Rücken.

Dies ergab eine Emnid Umfrage, die 1998 vom Bundesverband der Betriebskassen in Auftrag gegeben wurde, weil die Kosten im Bereich der Erkrankungen des Bewegungsapparates explodieren. Allein 1998 kostete die Behandlung von Rückenerkrankungen die Kassen 20 Milliarden Mark – eine stattliche Summe. Denn nur jeder vierte Patient ist ein Jahr nach dem ersten Arztbesuch schmerzfrei. Der Wunsch nach Erlösung von peinigenden Rückenbeschwerden bleibt meist unerfüllt.

Diagnostik und Behandlungsmethoden sind strittig

Der wichtigste Schritt bei der Erforschung der Ursachen für Rückenschmerzen ist die Anamnese, die Vorgeschichte des Leidens. Doch diese zu erfragen ist aufwendig und nicht zuletzt deshalb bei Schulmedizinern unbeliebt. Schnelle, weil hochtechnisierte Diagnostik anhand von Röntgenbildern, Computer- und Kernspintomographien, verführt eher zu schnellen Schlüssen und erhöht die Zahl überflüssiger Eingriffe, sowie damit möglicherweise einhergehender psychischer Traumata – von steigenden Kosten ganz zu schweigen. 

In den USA ist der Glaube an High-Tech-Diagnostik größer als bei uns. Dort wird auch dementsprechend mehr operiert als in Westeuropa. In den USA werden pro 1 Million Einwohner 500 Bandscheibenoperationen vorgenommen, in Westeuropa sind es 200 (in Deutschland werden  allein in einem Jahr über 60.000 Bandscheiben operiert!).

Die klassische Medizin in Deutschland verabreicht bei Rückenschmerzen in erster Linie Medikamente: Anti-Rheumatika, Anti-Phlogistika und Steroide, die zum Teil mit erhebliche Nebenwirkungen verbunden sind. Damit können im besten Fall akute Schmerzen gelindert, im seltensten Fall Ursachen behoben werden.

Zur „konservativen“ Behandlung gehören zudem Massagen, Fangopackungen, Bestrahlungen und Krankengymnastik. Aber drei von vier Patienten brechen die Behandlung nach spätestens einem Jahr ab, obwohl sie weiterhin Beschwerden haben – so das Ergebnis einer britischen Studie. 

Die Ursachen für Rückenschmerzen sind vielfältig. In erster Linie sind es Verspannungen der Rückenmuskulatur, zurückzuführen auf Überbelastung, Knochenverschleiß, falsche Körperhaltung, Bewegungsmangel und häufig auch Übergewicht. Extreme Folgen sind Bandscheibenschäden und Ischialgien. Aber auch psychische und psychosoziale Probleme sind Risikofaktoren. Besonders gefährdet sind Personen im Alter zwischen 35 und 55 Jahren. Bei Frauen ist ein Anstieg nach der Menopause erkennbar, ansonsten sind Männer und Frauen gleichermaßen betroffen.

Die Bewegungsgeheimnisse des Körpers

Die meisten Menschen sind heute nicht mehr „in ihrer Mitte“. Das nötige Bewußtsein und Gespür dafür wird ihnen in der Regel auch nicht vermittelt. Das Wesentliche ist aber, sich „aus der Mitte heraus“ zu bewegen. Das heißt, sich in einem Spannungsbogen zu befinden, der den Energiefluß im Körper nicht blockiert. Die Kunst ist also, sich im wahrsten Sinne des Wortes in einem Gleichgewicht zu befinden, sich in einem steten Fließ- und Spannungsgleichgewicht zu bewegen. 

Davon ist aber in einschlägigen Texten selten die Rede. Um so häufiger begegnet man Begriffen wie „Entspannung“ und „Verspannung“. Doch was bedeutet Entspannung eigentlich? Wenn man zum Beispiel die Saite eines Instruments nicht spannt, wird es keinen Ton hervorbringen. Spannt man sie allerdings zu sehr, wird sie reißen. Es kommt also auf die optimale Spannung an, auf ein Spannungs-Gleichgewicht in der Bewegung. Nur so wird der Energiefluß im Körper nicht blockiert, können Verspannungen vermieden werden.

Dr. med. Christiane May-Ropers, Fachärztin für Physikalische und Rehabilitative Medizin und Naturheilverfahren ist Gründerin und Leiterin des Nowo-Balance-Instituts und Ärztin in der Nowo Balance Klinik Bruneck. Der einbeinige Balance-Hocker ist ihre Erfindung. Er fußt auf den Erkenntnissen der Nowo-Balance-Therapie, einer Bewegungstherapie nach Franz Nowotny (1904-1964, München). Seit zwei Generationen entwickelt die Ärzte-Familie May die Erkenntnisse des Musikers, Heilpraktikers und Bewegungstherapeuten weiter, praktiziert erfolgreich in der eigenen Klinik am Tegernsee, hält Vortragsreihen und Seminare auf internationaler Ebene und publiziert weltweit.

Die Grundsätze der Nowo Balance Therapie

• das unterste Kreuz ist Mittelpunkt jeder ganzheitlichen Bewegung

• jede Bewegung hat ihren Ansatz in der Körpermitte

• Bewegung ist immer ein Dialog mit dem Raum, dem Untergrund, der Natur und dem Partner

• Leichtigkeit, Fluß und Harmonie sind die Qualität.

Der weltberühmte Geiger Lord Menuhin hat dem Balance-Hocker seinen Namen gegeben, nachdem er ihn persönlich mit einem international bekannten Orchester erprobt hat. Er bezeichnet ihn als „höchst innovative Idee, die nicht allein Musikern von Nutzen sein wird“.

Der Yehudi Menuhin Balance Hocker wurde unter ergonomischen Gesichtspunkten entworfen. Er besteht aus einer rutschfesten Fußplatte mit Spiralfeder, in der ein einbeiniger, höhenverstellbarer Hocker steckt.
Sitzt man darauf, nimmt man wie selbstverständlich
eine gelöste, aufrechte Haltung mit offenen Knien ein, die Füße fest am Boden. Durch die leicht pendelnde Beweglichkeit des Hokkers wird die untere Rückenmuskulatur zum Muskelspiel animiert, die Wirbeläule balanciert aus der Mitte heraus und verhilft somit zu einem natürlichen Gleichgewicht. Der Energiefluß im Körper ist gewährleistet, das individuelle innere und äußere Spannungsgleichgewicht gegeben. 

Nicht nur für Musiker, sondern für alle „Viel-Sitzer“ ist dieser Hocker ein elementares und kostbares Hilfsmittel zur besseren Konzentration sowie zur seelischen und kör- perlichen Ausgeglichenheit. 

Leider ist die Einsicht in natürliche Bewegungsabläufe in unserer westlichen Welt weitgehend verloren gegangen. Nicht nur unsere Art zu sitzen und uns zu bewegen, sondern auch Sport zu treiben und sogar uns zu therapieren, ist wenig geeignet, die richtige Körperspannung und den notwendigen Energiefluß herzustellen. Es ist kein Geheimnis, daß östliche Kulturen in dieser Beziehung gemeinhin klüger sind als wir. Der Yehudi Menuhin Balance Hocker ist ein einfaches, für jedermann brauchbares Hilfsmittel, das die innere Weisheit unseres Körpers anspricht und das äußere Gleichgewicht fördert. Er bringt den Körper auf natürlicher Weise in seine Balance, stimmt das Instrument Körper auf harmonische und mühelose Art ein.

Der Wunderhocker

Aus einem Interview mit dem Kölner Orchestermusiker und Geiger Egon Stegemöller, 62 Jahre, Rückenpatient:

„Mein existentieller Hilferuf, und der meines Berufsstandes der Orchestermusiker, wurde endlich von kompetenter Seite gehört. Das Ergebnis ist so faszinierend wie revolutionär. Das Sitzen auf dem Balance Hocker wird zum mühelosen, in jeder Hinsicht wohltuenden „Balance-Akt“. Ein Sitzerlebnis, das schon nach kürzester Zeit zur natürlichsten Sache wird, was Haltung, Entspannung und Ausdauer betrifft. Nach dem bewegungstherapeutischen Prinzip der Balance wurde ein „Wunderhocker“ erdacht. ...“

Das Prinzip

„... Eine simple, wie geniale Idee: die Idee des uralten Melk-schemels. Die im ersten Augenblick als labil erscheinende Konstruktion, aktiviert sofort die Stützfunktion beider Beine und bedingt damit eine gerade und natürliche Wirbelsäulenhaltung. Das Fehlen einer Rücken- und einer Armlehne ist der eigentliche Clou, weil dadurch Neigungsverkrampfungen und schleichende Fehlhaltungen vermieden werden.“

Die Wirkung

„... Der Balance Hocker bewirkt einen segensreichen, heilgymnastischen Effekt. Er trägt ohne Anstrengung zur Entlastung der ansonsten bei längerem Sitzen immer überforderten Lendenwirbel und Bandscheiben bei. Den Erfindern dieses einzigartigen Hockers gebührt Hochachtung, Dank und Anerkennung.“

Egon Stegemöller war Konzertmeister in verschiedenen deutschen Orchestern, zuletzt leitendes Orchestermitglied beim WDR Rundfunk-Sinfonieorchester in Köln. Schwerste Rückenprobleme und diverse Operationen veranlaßten ihn, seine Orchestertätigkeit zu beenden. Das Üben auf dem Yehudi Menuhin Balance Hocker hat ihn erstmalig wieder zum Musizieren gebracht.

Statisches Sitzen

(Die übliche Sitzhaltung): Starre Sitzfläche und Rückenlehne lassen nur eine zweidimensionale Bewegung zu (vor und zurück). Die Folgen können Kopf-, Nacken-, Rücken-, Schulter- und Armschmerzen sein, sowie Sitzbeschwerden, Gelenksteife und müde Beine.

Dynamisches Sitzen

Die Sitzfläche folgt allen dreidimensionalen Bewegungen, somit ist ein Bewegungsfreiraum in fast alle Richtungen möglich .

Die Verspannte Bandscheibe

Durch schlechtes Sitzen kann es zu einem Dauerdruck von 140-180 kg (nach Nachemson und Krämer) kommen. Die Bandscheiben werden durch den Druck „ausgepreßt“, die Pufferwirkung geht verloren. Ergebnis: Degeneration der Bandscheibe

Die entspannte Bandscheibe

Durch ausbalanciertes Sitzen auf dem Balance- Hocker entsteht ein stetiger Wechsel zwischen Be- und Entlastung. Da der Druck dynamisch verteilt wird, kommt es zur besseren Versorgung der Bandscheibe.

Schmerzfrei sitzen

Aus einem Interview mit Philippe Reich, 36 Jahre, Zürich, Software – Analytiker und -Entwickler:

„An meinen manchmal dramatisch langen Arbeitstagen am Computer erweist sich der Balance Hocker als geradezu erlösend und belebend. Meine Rückenmuskulatur ist ständig in ruhiger, unbeschwerter Bewegung. Ich sitze ohne Anstrengung aufrecht und habe abends keinen müden Rücken. Die meisten meiner Kollegen klagen über Rückenprobleme. Einigen habe ich meinen Hocker ausgeliehen. Sie waren ausnahmslos begeistert. 

Faszinierend für mich ist auch die Wirkung des Hockers auf meine Konzentration.

Da ich auf dem Hocker freier atme, scheint auch mein Geist davon zu profitieren. Ich kann mich besser konzentrieren, schaffe mehr und erziele bessere Ergebnisse. Außerdem hat sich meine verspannte Schultermuskulatur gelöst. Interessant ist auch, daß meine Füße jetzt mehr zum Einsatz kommen und sich die Zehen entkrampfen. Ich habe den Eindruck, daß Beine und Füße besser durchblutet sind. Am liebsten sitze ich barfuß auf dem Hocker, so kann ich das Gefühl in meiner Mitte zu sein, noch mehr genießen. Müde werde ich dabei nie und habe nicht das geringste Bedürfnis, mich anzulehnen.“

Der Heilungsprozeß ist auch ein seelischer.

Aus einem Interview mit Dr. Tanja Küchler, 37 Jahre, München, Psychotherapeutin und Homöopatin:

„Psychotherapie auf dem Balance Hocker stellt eine Herausforderung sowohl für den Therapeuten als auch für den Patienten dar. Die Aufgabe ist ein schrittweises Lösen vorhandener körperlicher, emotionaler und geistiger Verspannungen und Fixierungen. Wer auf dem Hocker seine Balance findet, tut sich in jeder Hinsicht leichter, sich zu lösen und von Schmerzen, belastenden Erinnerungen, Ängsten und traumatischen Gedanken zu befreien. Die so oft nach Traumatisierung verloren gegangene Erdung kann auf dem Balance Hocker leichter wiederhergestellt werden. In ruhiger, ausgeglichener Bewegung liegt die wahre Sicherheit, nicht in der Starre. Wir sehnen uns zwar nach einem festen Halt. Aber wirklich helfen tut uns nur der eigene, innere Halt. Diese Form der Sicherheit läßt den Patienten neue Lebendigkeit erleben. Das Sitzen auf dem Hocker bietet dieses Erleben unvermittelt an.“

Der Hocker auf dem Prüfstand

Der Yehudi Menuhin Balance Hocker wurde 1998 im Auftrag des Nowo Balance Instituts einer wissenschaftlichen Prüfung unterzogen. Wir fragten den Münchner Biomechaniker und Evolutionsforscher Dr. Johannes Landgraf, Physiker und Humanbiologe (Promotion an der LMU München ), nach den Ergebnissen:

Dorothea May:  Dr. Landgraf, worauf beruht die heilende Wirkung des Yehudi Menuhin Balance Hockers?

Dr. Landgraf: Ein gravierender anatomischer Unterschied zwischen Menschen und Primaten ist die doppelte Krümmung unserer Wirbelsäule. Diese hat sich durch den aufrechten Gang entwickelt. Das Signal für den aufrechten Gang kommt aber bei uns nicht aus der Hüfte, sondern aus den Knien und Sprunggelenken, aus den Elementen, die beim aufrechten Gang besonders strapaziert sind – ganz anders strapaziert sind als beim vierbeinigen Gang. Die Sprunggelenke (probieren Sie es ein-mal im Einbeinstand aus) haben nämlich mit der Zeit die vollautomatische Balance im Einbeinstand übernommen. Die Hüfte balanciert nur zusätzlich aus. Man kann auch mit einer steifen Hüfte balancieren, aber kaum mit einem versteiften Sprunggelenk. Denn wir brauchen die zweiachsige Bewegung da unten, die ist in der Evolution neu.

Wirklich ganz neu am Menschen im Gegensatz zum Primaten sind das Sprunggelenk und eine Art Pendelbewegung, die der Körper beim Stehen macht. Der Körper erfährt an Hand dieser Pendelbewegung, die vom Gleichgewichtszentrum und von Reflexkreisen gesteuert wird, wie er seine Beine und Muskeln bewegen muß, damit er nicht umfällt. Diesem Prinzip der Balance durch leichte Pendelbewegungen folgt der Hocker einfach, weil er einbeinig  und der Köper daher gezwungen ist, durch Flexibilität in den Fuß- und Knieglenken und der Hüfte auf natürliche Art und Weise das Gleichgewicht zu halten. Dadurch kommt auch die Wirbelsäule von Innen heraus in die richtige Position. 

D. M.: Wodurch unterscheidet sich der Yehudi Menuhin Balance Hocker von anderen einbeinigen Hockern?

Dr. L.: Dieser Hocker hat einen ausgewählten Drehpunkt, ein Drehzentrum. Das Hockergelenk ist gewissermaßen wie ein Fußgelenk. Es hat dieselben Eigenschaften. Der Fuß steht fest auf dem Boden, und das Drehzentrum ist etwa auf der selben Höhe wie unser Knöchel. Und nun pendelt der Hocker, wenn man sich draufsetzt, leicht in alle Richtungen. Aus dieser Flexibilität heraus erkennt der Körper, wie er die Beine und den Rücken steuern muß, damit sich der Rücken aufrichtet und der Köper die Balance hält. Immer dann, wenn wir diese Steuerbewegung einführen, die Füße mit den Sprunggelenk auf dem Boden, kommt der Aufrichtungsreiz im Rücken und wir richten uns mühelos auf. Es liegt also nicht an der Art, wie jemand sitzt, sondern welche Muskelreflexe die Sitzgelegenheit provoziert. Und dieser Hocker löst bei jedem von uns automatisch die richtigen Reflexe aus.

D.M.: Viele Menschen mit Rückenschmerzen und Rückenverspannungen suchen Linderung auf dem Medizinball oder Petziball, der auch von vielen Rückenschulen empfohlen wird. Was halten Sie vom Medizinball-Prinzip?

Dr. L.: Der Yehudi Menuhin Balance Hocker hat, wie ich bereits sagte, ein Sprunggelenk mit dem Drehzentrum etwa in der selben Höhe wie unser Fußgelenk und der Eigenschaft, sich nach allen Richtungen bewegen zu können. Die Bewegung des Medizinballs ist das Rollen. Wenn eine Kugel rollt, ändert sich ständig der Auflagepunkt. Drehe ich die Kugel, wechselt sie ihre Position, daß heißt sie liegt dann woanders. Der Drehpunkt liegt in dem Fall weit unter der Erde. Die Pendelbewegung ist einen andere. Die Wirbelsäule bekommt bei dem Medizinball nicht die Signale, die sie braucht, um sich aufzurichten. Meines Wissens gibt es keine Sitzgelegenheit, die dieses Prinzip so perfektioniert hat, wie dieser Balance Hocker.

D. M.: Ist die Vorstellung ohne Rückenlehne und Armstützen auf einem runden Holzteller zu sitzen, der auch noch auf einem Bein steht, nicht für jeden Rückenleidenden ein Alptraum?

Dr. L.: Der Grundfehler vieler Ärzte und Therapeuten ist, zu versuchen, es dem Körper recht zu machen, ihn zu entlasten, ihn zu schonen oder sonst irgend etwas. Eine besonders angepaßte Matratze zum Beispiel. Wenn wir eine besondere Matratze bräuchten, damit unser Kreuz gesund wird, müßten wir mit einer angepaßten Matratze auf die Welt kommen. Alles, was wir brauchen, um ein gesundes Kreuz zu haben, sind ein vernünftiges Gleichgewichtsorgan, richtige Reflexe und die Möglichkeit der Muskulatur, sich entsprechend der Reflexe zu deformieren, um keine Fehlspannungen zu erzeugen. Wenn ich mich also in einen Stuhl  hineinlungere, ist nicht die krumme Haltung schuld für den Schaden, sondern daß ich in dieser Haltung Reflexe verursache, die nicht zur Bewegung führen können, weil der Körper keine Bewegungsfreiheit hat. Wichtig sind also immer die Rückmeldungen über die Positionen. Das sind Informationen für das Gehirn und die Wirbelsäule, die den komplexen Steuerungsmechanismus auslösen.

Es gibt nur ganz wenige, die ihre unbewußte Steuerung der Wirbelsäulenmuskulatur beeinflussen können. Wir können zwar die Position beeinflussen, aber nicht, ob wir eine Verspannung haben oder nicht. Wenn wir das könnten, wäre das sehr schön. Verspannungen entstehen also, wenn die Freiheit der Bewegung nicht stimmt. Eine ungünstige und schädliche Haltung liegt dann vor, wenn bestimmte Ausgleichsbewegungen unmöglich gemacht werden.

Wenn wir mit einem Korsett geboren würden, dann wäre unser Rücken zwar immer gerade, aber unsere Bewegungsfreiheit erheblich einschränkt. Um schmerzfrei sein zu können, muß der Rücken grundsätzlich von den Füßen her ausbalanciert werden. Ohne die Mitwirkung der Füße, nutzt die gerade Haltung des Rücken gar nichts. Sie schadet sogar. Die Tragweite dieses Prinzips ist Ärzten und Patienten mehr oder weniger unbekannt.

D.M.: Wie soll man den Hocker be-sitzen? Erfordert es eine besondere Technik?

Dr. L.: Es kommt darauf an, sich in eine sanfte Pendelbewegung zu begeben. Wenn jemand versucht auf dem Hocker nur eine bestimmte Haltung einzunehmen, ohne flexibel zu bleiben, kann es anstrengend werden. Sie können es aber gar nicht falsch machen, weil sie automatisch ihre Balance suchen, sonst würden sie umfallen. Es ist ganz leicht. Jeder kann es. Man könnte den Hocker auch als Sportgerät hernehmen, könnte interessante Übungen damit machen. Eine Trainingskomponente ist ihm nicht abzusprechen. 

Es scheint also, daß dieser Hocker schon mittelfristig eine große Wirkung zeigt. Eine weitere Möglichkeit zur Anwendung  sanfter Medizin ohne Messer und Chemie. Und eine offensichtlich erfolgreiche dazu!

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