In Grund und Boden gewirtschaftet

Über den globalen Handel mit Äckern

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© Julien Eichinger; Collage raum&zeit

Ein neuer Kolonialismus macht sich breit: Der Wettlauf um den Besitz der besten Böden der Welt. Regierungen, Konzerne und Spekulanten versprechen sich davon sagenhafte Gewinne. Der Agrarexperte und Journalist Dr. Wilfried Bommert rechnet mit einem Kollaps der Welternährung, wenn nicht geha...
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In Grund und Boden gewirtschaftet
Von Dr. Wilfried Bommert, Nümbrecht – raum&zeit Ausgabe 182/2013

Ein neuer Kolonialismus macht sich breit: Der Wettlauf um den Besitz der besten Böden der Welt. Regierungen, Konzerne und Spekulanten versprechen sich davon sagenhafte Gewinne. Der Agrarexperte und Journalist Dr. Wilfried Bommert rechnet mit einem Kollaps der Welternährung, wenn nicht gehandelt wird.

Die Vision vom großen Geld

m Boden liegt zu Beginn des 21. Jahrhunderts mehr Profit als auf den Goldfeldern, behaupten die Fundamentalisten der Finanzmärkte. Das heizt die Spekulation weltweit an, schürt Visionen von den ganz großen Geschäften auf den landreichen Kontinenten. In Brasilien, Afrika, Südostasien und Osteuropa liegen die „Bodenbanken“ der Welt und die „Ölfelder“ der Zukunft. Dass es Opfer gibt bei der Jagd um die Äcker der Welt, schlägt in der Kalkulation der Investmentbanker nicht zu Buche. Dass Existenzen vernichtet, Familien entwurzelt werden, Landstriche verelenden und die politische Stabilität ganzer Erdteile untergraben werden könnte, ist nicht ihr Geschäft.
Mittlerweile haben sich Tausende in den Markt eingeklinkt, Millionen von Hektar Land sind auf dem Weg in neue Hände, Milliarden von Dollars liegen bereit, um die Konten zu wechseln. Die Hilfs- und Entwicklungsorganisation Oxfam konstatierte 2011, dass bereits ein Gebiet von der Größe Westeuropas aus bäuerlichem Besitz in die Hand von Kapitalgesellschaften übergegangen ist.

Goldener Boden

Besonders begehrt ist der Boden dort, wo er noch preiswert ist, beispielsweise in Afrika, aber nicht nur da. Auch im alten Europa blasen die Landjäger zum Aufbruch, auch Deutschland bleibt von Bodenrausch nicht unberührt. Selbst im bodenständigen Ostfriesland klagen Bauern über Banker, die sich über die friesische Krume hermachen.
Wem das zu mühsam ist, wer nicht direkt investieren will, der wählt den diskreten Weg über Fonds und Beteiligungen. „Anleger können mit Agraraktien gute Ernte einfahren“ titelt die Frankfurter Allgemeine Zeitung im Herbst 2012. Mehr als 22 Prozent Zuwachs konnten die Anteilseigner des Fonds DJE Agrar & Ernährung innerhalb von nur 12 Monaten einstreichen. Hier wächst der Markt schnell. Deutsche Banken und Versicherungen spielen dabei in der ersten Liga, nicht nur auf deutschem Boden.
Der Trend zu goldenem Acker setzt sich außerhalb der deutschen Grenzen fort, massiver und in noch viel größeren Dimensionen. Die deutsche Menschenrechtsorganisation FIAN deckte 2010 auf, dass mehr als 13 deutsche Fonds die Landwirtschaft zu ihrem Zielgebiet erklärt haben. Fast alle sind in den Krisenjahren 2007/2008 und später aus dem Boden der deutschen Finanzlandschaft geschossen. Sie haben 2010 1,5 Millionen Hektar Land in Afrika und Lateinamerika gekauft oder gepachtet, auch in Hungerstaaten wie Äthiopien oder der Demokratischen Republik Kongo. Die Geldgeber kommen überwiegend aus Europa.

Run auf neue "Öl-Felder"

Neben den Bankern sucht eine weitere Gruppe von Investoren nach Bodenhaftung: die Energiewirtschaft. Was sie treibt, ist das Ende des Rohöls, was sie interessiert, ist, die lukrative Aussicht, die entstehende Lücke mit Agrosprit, Agrodiesel und Agrogas zu füllen.
Hoch subventionierte Fabriken wachsen am Rande der Gasfelder in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Auch die Großen der Branche wie E.ON sind mit von der Partie. Wie die Gas- und Stromfabrikanten verlangen auch die Agrosprit-Raffinerien ihren Anteil an den Bodenreserven der Welt. Der Run auf diese neuen „Öl-Felder“ wächst. Mehr als die Hälfte der Landnahme weltweit geht auf Rechnung der Agrospritindustrie. Der Gürtel der zukünftigen Ölfelder lässt sich heute schon erkennen, er zieht sich einmal rund um den Globus. Je näher am Äquator, desto größer der Sonnengewinn und desto größer die Energieausbeute. Brasilien entwickelt sich zur Tankstelle der USA und Afrika und Südostasien werden zur Diesel-Raffinerie für Europa, solange China und Indien noch in den automobilen Anfängen stecken.
Neuerdings melden auch andere Industrien ihre Ansprüche an die Äcker der Welt an. Industrien, die vom Erdöl als Rohstoff abhängen, etwa die Kunststoffindustrie. Allein in Deutschland werden 20 Millionen Tonnen Plastik in Form gegossen, vom Fensterrahmen bis zum Putzeimer. Ohne Kunststoff wäre die Zivilisation der Industriestaaten nicht vorstellbar.
Fast geräuschlos hat sich diesem Trio der Landaufkäufer aus Finanzwirtschaft, Energie- und Chemischer Industrie eine vierte Kraft angeschlossen: der bisher als unverdächtig eingestufte Markt für Klimagase. Seine Akteure haben die Land- und Forstwirtschaft für sich entdeckt und suchen Neuland, um über Pflanzen Treibhausgase einzusammeln. Spekulanten wittern darin einen neuen Wachstumsmarkt, denn wer Boden besitzt, kann die Fähigkeit von Pflanzen, das Klimagas CO2 in Blättern, Wurzeln und Stämmen zu binden, in Geld umwandeln. Er besitzt damit eine natürliche Bank für Klimagase, auf der er Klimazertifikate bunkern kann. Wertpapiere, die bei der Klimabörse in Geldwert umgemünzt werden können.

Wo das Getreide fehlt: China und Indien

Verschärft wird die Konkurrenz um die Äcker der Welt durch Länder, für die die Frage des Bodens eine Frage des Überlebens ist. Seit der Ernährungskrise 2008 versuchen Getreidedefizit-Staaten, neues Land für die Volksernährung zu finden. Zu den größten Pächtern und Käufern am Weltbodenmarkt gehört China. Das Land kann für seine Menschen nur noch ein Minimum an Boden bieten, und auch das ist in Gefahr, durch die boomenden Städte, die ausufernde Industrie und das Ausbreiten der Wüsten, verloren zu gehen.
Nicht viel besser ist die Situation in Indien. Das Land kämpft mit Wassermangel und Überbevölkerung. Bis zur Mitte des Jahrhunderts muss es 700 Millionen Menschen zusätzlich ernähren. Was auf Indien noch zukommt, ist in Japan schon Alltag. Dort hat die Landwirtschaft zwischen Bergen und Meer kaum Platz, um die eigene Bevölkerung zu ernähren. Von 1965 bis 1998 stiegen die Nahrungsimporte von 27 auf 60 Prozent des nationalen Verzehrs. Das Industrieland Japan hängt damit mehr als jeder andere Industriestaat am Tropf der Weltagrarmärkte.
Ähnlich ergeht es Südkorea. Die Importlücke des Industrielands wächst. Die Ursache liegt auch hier in einer Landwirtschaft, die sich der Industrialisierung widersetzt. Die Bauern wirtschaften auf Kleinsthöfen, noch nicht einmal so groß wie ein Fußballfeld. Maschinen lassen sich dort kaum einsetzen. Die Ernten reichen für die Bauerndörfer, aber keineswegs für die Versorgung der schnell wachsenden Städte.
Zu denen, die auf die Weltmärkte angewiesen sind, kommen die Golfstaaten, in denen die Wüste kaum Ackerbau zulässt, weil Wasser fehlt. Selbst Ägypten gelingt es nicht, im Schwemmland des Nils genügend Weizen für die eigene Bevölkerung zu produzieren. Der Importbedarf liegt bei mehr als 50 Prozent. Trotz hoher Staatsverschuldung kauft das Land am Nil Neuland, um nicht weiter in die Abhängigkeit vom unberechenbaren Weltmarkt zu geraten.

Im Fadenkreuz der Landsucher

Die Jagd auf die Äcker der Welt findet nicht ohne Strategie und Planung statt. Wie bei der Suche nach Gold und Öl bereiten Prospektoren den Weg. Sie durchforsten Kataster- und Satellitenbilder nach fruchtbarem Boden mit Wasseranschluss. Juristen prüfen die Rechtslandschaften. Im Fadenkreuz dieser Landsucher stehen „failed States“, zerbrochene oder zerbrechende Staaten. Die finden sie in Afrika ebenso wie in Südamerika, Südostasien und auf dem Territorium der ehemaligen Sowjetunion. Besonders gut läuft das Geschäft mit dem Boden dort, wo der Atem der alten Kolonien noch weht, wo Korruption und Raffgier regieren, wie in Uganda und Kenia, in Tansania, Mosambik, Sambia, Nigeria, Liberia, ganz besonders aber der im Kongo. In der Tradition ihrer Kolonialherren schneiden die herrschenden Cliquen immer neues Land aus dem Volksvermögen, auch wenn die eigene Bevölkerung hungert, wie in Äthiopien, im Sudan und in Kenia. Das Geld fließt auf Konten internationaler Steuerparadiese und nicht in die nationale Kasse, und wenn doch, dann ist es eher Kleingeld, meist weniger als 10 Dollar für die Fläche eines Fußballplatzes. In Europa liegt die Pacht für Vergleichbares bei 400 Euro und mehr. Graziano da Silva, der neue Generaldirektor der Welternährungsorganisation FAO, verlangt bei seiner ersten öffentlichen Stellungnahmen im Januar 2012 nach „einem Sheriff“, der die unkontrollierte Landnahme in Afrika unter Kontrolle bringt. Aber die Kräfteverhältnisse in den UN-Organisationen sprechen dagegen.

Weltkarte der käuflichen Böden

© Tetastock – Fotolia.com

Denn gefördert und gestützt werden die Bodengeschäfte nicht nur von geschäftstüchtigen Regimes, sondern auch von den internationalen Instituten. Allen voran die Weltbank. Sie legte im Herbst 2010 eine Karte vor, in der die Welt neu vermessen wurde. Die Weltkarte der käuflichen Böden. Nach außen wird diese Vermessung der Welt als eine Aktion im Interesse der jeweiligen Länder und Regierungen deklariert. Tatsächlich ist es ein Wegweiser für alle, die auf der Suche nach profitablem „Neuland“ sind.
Gemeinsam mit ihren Töchtern International Financial Corporation (IFC) und Foreign Investment Advisory Service (FIAS) schnürt die Weltbank attraktive Rundum-sorglos-Pakete für finanzstarke Investoren, mit teilweise bizarren Folgen: In Pakistan beispielsweise sichert die Regierung den Saudis in einem Landpachtvertrag militärischen Beistand gegen die eigene Bevölkerung zu, für den Fall, dass es wegen der Getreidetransporte vorbei an den Hütten der Armen zu Ausschreitungen kommen sollte.
Das weckt Erinnerungen: Das koloniale Erbe vergangener Jahrhunderte von Christoph Kolumbus bis zur United Fruit Company erlebt im Bodenrausch des 21. Jahrhunderts seine Wiedergeburt. Nur – heute geht es nicht mehr um Gold oder Luxusfrüchte. Es geht um die Basis der Welternährung und um Energie, um Felder also, auf denen es keinen Spielraum gibt.

Verlorener Boden

Auch ohne die neuen Spekulanten ist der Boden, die Grundlage unserer Ernährung, schon knapp und er wird laufend knapper. Zum einen durch die Art, wie die industrielle Landwirtschaft mit ihm umgeht. Durch ihren gigantischen Maschinenpark, den uferlosen Dünger- und Chemieeinsatz und die nimmersatten Viehherden wurden Millionen Hektar einst fruchtbarer Krume ausgelaugt, versalzen und vom Acker geschwemmt. Der Verlust beträgt mehr als ein Drittel des fruchtbaren Bodens der Welt. Zum anderen pumpt die industrielle Wirtschaftsweise immer mehr Wasser aus den endlichen Grundwasservorräten weltweit. Das Ringen um die wertvollen Tropfen vollzieht sich vor allem dort, wo die großen Städte wachsen. Die Ausweichstrategie der Wasserbauer heißt: tiefer bohren. Aber auch dies führt auf lange Sicht nur ins Trockene, wie in China oder Indien, wo die Pumpstationen um Neu-Delhi mittlerweile aus einer Tiefe von mehr als 200 Metern fördern, bis der Strom versiegt.
Für 50 Prozent des globalen Wasserreservoirs meldet die Welternährungsorganisation „Wasserstress“, das heißt, es wird mehr Wasser abgepumpt als der Regen nachliefern kann. Das gilt auch für die großen Flüsse der Welt wie Ganges, Mekong, Euphrat, Tigris oder Nil. Durch chronischen Wassermangel drohen immer mehr ehemals grüne und fruchtbare Landstriche zu verwüsten. 
Als weiterer Krisenfaktor auf dem Bodenmarkt kommen die Treibstoffe der modernen Landwirtschaft ins Spiel. Es geht um Diesel und künstlichen Dünger. Ohne dessen Komponenten Stickstoff, Kalium und Phospat wäre die industrielle Landwirtschaft nie aufgeblüht. Ohne sie könnten die Farmen von Kanada bis Australien, von Südamerika bis Nordeuropa, ihre Rekordernten gar nicht einfahren. Ohne Diesel hätte sich der globale Agrarhandel nie in Bewegung setzen lassen. Wenn die Nachrichten von den Rohstoffmärkten zutreffen, ist der Peak, die größtmögliche Fördermenge, offenbar bei allen „Treibstoffen“ der Agrarindustrie erreicht, vielleicht schon überschritten.

Brandbeschleuniger

Grafik rechts: © Miriam Böttner – Fotolia.com

Verschärft wird die Lage durch extreme Hitzewellen. Sie wirken als Brandbeschleuniger und schränken das Angebot an fruchtbarem Boden weiter ein. Was Dürre- und Hitzewellen anrichten, zeigten die Bilder von ausgetrockneten Maislandschaften im Cornbelt der USA. Ähnlichem Extremwetter fiel 2010 in Russland mehr als ein Viertel der Getreideernte zum Opfer. Aus dem drittgrößten Getreideexporteur der Welt wurde über Nacht ein Land, das um die eigene Versorgung bangen muss. Dies markiert die Richtung, die die Klimaforscher seit 2007 vorhersagen und die weiteren fruchtbaren Böden der Welt ihre Ertragssicherheit nimmt.
Den schwindenden Anbauflächen auf der einen Seite steht eine wachsende Nachfrage gegenüber. Wenn es nach der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen FAO geht, dann müssten die Ernten weltweit in den nächsten 40 Jahren verdoppelt werden, um die wachsende Zahl der Weltbürger zu ernähren und ihre Lust auf Fleisch zu befriedigen. Doch dieser Zuwachs lässt sich kaum noch über biologisch-technischen Fortschritt erreichen. Woraus sich noch mehr Stress für den Weltbodenmarkt ergibt.
Und schließlich der Durst auf Agrosprit. Auf dem Weg zum Ende des Erdölzeitalters opfert Europa ein Fünftel der Getreideernte für seine Auto-Mobilität, die USA verspritten bereits ein Drittel ihrer Maisfelder. Die Umwandlung vom Acker zum Ölfeld heizt die Konkurrenz um den Boden weiter an. Damit schließt sich der Teufelskreis.

Gigantische Spielräume

Ein Dilemma ohne Ausweg? Nur auf den ersten Blick. Bei genauerem Hinsehen erkennt man im heutigen System der Welternährung gigantische Spielräume, durch die der aufgeheizte Markt für Boden auf mittlere Sicht erheblich abgekühlt werden könnte. Es geht darum, Boden wiederzugewinnen. Immerhin ein Drittel der globalen Ackerfläche ist durch den Pflug und seine Begleiter unfruchtbar geworden. Heilung ist möglich durch Humus, Terra Preta und Effektive Mikroorganismen (EM). Der Ökologische Landbau bietet die Chance, ganze Ökosysteme, die aus der Balance gekippt sind, wiederzubeleben und zu stabilisieren.
Neben Sanierung und Vorsorge gibt es weitere Hebel, um dem Problem der Bodenknappheit zu begegnen. Allein das Missmanagement in unserer Nahrungskette verschlingt mehr als die Hälfte der Ernten. Den Beweis liefern die Abfallcontainer unserer Supermärkte. Brot in ganzen Laiben, Würste am Stück und Käse, originalverpackt, ruhen da in Folie geschweißt neben Joghurt, Bananen und Schweinebraten. Opfer von auslaufenden Verfallsdaten, Verbraucherdünkel und Frischewahn.
Auf dem Weg vom Feld zum Teller landet sage und schreibe die Hälfte unserer Nahrungsmittel auf dem Müll. In den Entwicklungsländern sieht es trotz Hunger und Not nicht anders aus. Wegen maroder und korrupter Strukturen geht hier der größte Teil der Ernte zwischen Acker und Markt verloren. Auch hier gibt es Vorschläge, wie man dem Übel begegnen kann, doch auch hier scheitern sie an einer Mauer von Nichtwissen und Nichtwollen.
Statt Boden wieder zu gewinnen, setzt die Bundesregierung wie auch die anderen Industriestaaten auf das Bekämpfen der Symptome und vertrauen auf freiwillige Selbstverpflichtungen. Unter der Führung Japans entstanden die „Voluntary Guidelines the Responsible Governance of Tenure of Land, Fisheries and Forests in the Context of National Food“, ein Knigge in Sachen Benehmen auf dem Bodenmarkt. Doch was nutzt ein freiwilliger Benimmkodex, wenn es für die einen um Milliardengewinne und für die anderen ums nackte Überleben geht?

Wenn der Funke überspringt

Spätestens seit den Brotaufständen in Nordafrika 2011 sollte klar sein, dass die Bodenfrage auch eine Frage von Krieg und Frieden ist. In Tunesien, Algerien, dann auf dem Tahrir-Platz in Kairo und in Libyen verloren die Regierungen die Unterstützung der Massen. Der Funke der explodierenden Preise auf den Weltmärkten sprang über auf die explosiven sozialen Verhältnisse Nordafrikas. Auch für Assad, den Despot von Syrien, schwindet die Unterstützung zusehends. Der Brand droht weiter auszuufern. Wenn dem Bodenrausch, der 2008 begann, nicht der Boden entzogen wird, bedroht er die politische Stabilität weit über Nordafrika hinaus.
Die globale Jagd auf die Äcker der Welt hat gerade erst begonnen.

Quellen

Wilfried Bommert: „Kein Brot für die Welt, die Zukunft der Welternährung“, Riemann Verlag, München 2009
Joseph Stieglitz: „Die Schatten der Globalisierung“, Goldmann Verlag, Berlin 2002
Klaus Denniger et.al: „Rising Global Interest in Farmland“, World Bank, Wahington DC 2011
FAO: „Climate Change, Water and Food Security“, Rom FAO Water Report 2011
Wissenschaftlicher Berat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WGBU): „Welt im Wandel, Gesellschaftsvertrag für eine große Transformation“, Berlin 2011
Stefan Kreutzberger, Valentin Thurn: „Die Essensvernichter“, K&W Verlag, Köln 2011
Weltagrarrat IAAStD: „Agriculture at a Crossroads“, Washington DC 2009

Der Autor

Dr. Wilfried Bommert, im Bergischen Land nahe Köln geboren (Jahrgang 1950), studierte Agrarwissenschaften an der Universität Bonn und promovierte dort 1977. Seit 1979 arbeitet er als Fachjournalist beim Westdeutschen Rundfunk. Als Leiter der ersten Umweltredaktion im WDR-Hörfunk beschäftigt er sich seit vielen Jahren mit den Themen Welternährung und Weltbevölkerung. Zur Zeit widmet er sich dem Aufbau eines „Instituts für Welternährung“ in Berlin, das als gemeinnütziges Institut durch Analysen, Konzepte und öffentliche Kommunikation einen Beitrag zur Sicherung der Welternährung leisten soll. Für sein Engagement erkannte ihm die Kluge Stiftung der Universität zu Köln den „Human Award 2012“ zu.

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