raum&zeit Ausgabe 128

März/April 2004

Hyperaktivität
Chaos durch Zink- und Vitaminmangel

Interview mit Walschützer P. Watson
S.O.S. für die Weisen der Meere

Schneller als Licht
Interstellare Kommunikation

Nach dem Krieg
Strahlender Irak durch Uran

Editorial: Wann wird man je verstehn?

Goethes Worte „Du gleichst dem Geist, den du begreifst, nicht mir!“ widerspiegeln das geistlose Fundament unserer modernen Power- und Konsumgesellschaft. Das systematische Dezimieren planetarer Ressourcen zieht sich wie ein blutroter Faden durch die schwarze Weste der skrupellosen Weltwirtschaft. Die zeitgemäße Physik bereichert das darwinistische Fressen und Gefressen Werden sinngemäß durch den Urknall. So wird der blutgetränkten abendländischen Geschichte systematischer Ausrottung und Unterdrückung der Anschein des Natürlichen verliehen und die Ellenbogengesellschaft gerechtfertigt.

Luminiszierende Hasen und Mäuse erleuchten den grotesken Forschergeist, transgene Kühe geben menschliche Muttermilch und aus dem Euter genmanipulierter Ziegen zieht man Fäden für fesche Fetzen. Der zivilisierte Mensch liebt den bizarren Chihuahua und verachtet den traditionsbewussten Ausländer. Einbildung und Arroganz, nicht Verständnis und Achtung prägen sein stereotypes Verhalten. Weiß er, was er tut?

Die Lebensformen der Erde bilden eine materielle und geistige Gemeinschaft. Verschiedene Gattungen repräsentieren nicht nur genetische Vielfalt, sondern auch mannigfaltige Bewusstseinsformen. Warum legen wir Parks und Gärten an, lauschen der Nachtigall und beobachten das Reh? Weil der menschliche Geist verarmt, wenn er den Kontakt zu Pflanzen und Tieren verliert.

Nicht ein lauter Urknall erschuf das Universum, sondern eine sanfte Urmelodie gestaltet es immer wieder neu. Im Anfang war das Wort, und Gott war das Wort, lehrt uns die Heilige Schrift. Später entwickelte der Mensch seinen eigenen Wortschatz: Begriffe wie Nutztier, Mastschaf, Schlachtvieh, Spanferkel und Kalbsleberwurst.

Vielleicht haben Tiere ja gar kein Bewusstsein? „Geister sind dem unsichtbar, der keinen hat“, sagte einmal Arthur Schopenhauer. Delphine heilen kranke und behinderte Kinder, während man ihre Artgenossen methodisch abschlachtet.

Nicht Krieg, sondern Harmonie ist der Schlüssel zum Universum. Ohne Mitochondrien, die in unseren Zellen leben, können wir nicht atmen. Ohne Bakterien, die unsere Nahrung verdauen, können wir nicht leben. Wir sind auf die sinnvolle Kooperation aller Lebensformen angewiesen. Es gibt in der Natur nichts „Primitives“. Mannigfaltige Integration ist die Grundlage des Lebens, nicht elitäre Isolation.

Noch hindert uns das Limit der Lichtgeschwindigkeit daran, mit anderen Welten zu kommunizieren. Doch bereits heute entwickelt der menschliche Geist neue Verfahren, die dieses Tabu brechen werden.

Was hätten wir anderen Welten zu berichten? Dass Streben nach materiellem Besitz immer noch die Entwicklung unserer Zivilisation bestimmt? Dass trotz aller Reichtümer viele Menschen hungern, obdachlos sind und auf medizinische Versorgung verzichten müssen? Dass es immer noch üblich ist, Kriege zu führen, um Bodenschätze zu rauben? Dass Atomwaffen und Flugzeugträger die wertintensivsten Produkte der menschlichen Zivilisation sind?

Wann wird der Mensch wissen, was er tut?
Wann wird man je verstehn?

Herzlichst Ihr
Hartmut Müller

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