raum&zeit Ausgabe 129

Mai/Juni 2004

Chinesische Medizin
Ganzheit aus der Sprache

Internationale Forschungen
Der Kosmos denkt

11. September
4 Stunden vor der Zukunft

Bahnbrechende Therapieform
Krankheit – nur eine Heilungsphase?

raum&zeit-Interview
Nervengift Geschmacksverstärker

Editorial: Das Echo der Zukunft

Sind unsere Gedanken nur Rülpser des Gehirns oder ist der knurrende Magen nur eine Reflektion des Unterbewußtseins? Seit mehr als zweitausend Jahren sind Philosophen auf der Suche nach dem Stein der Weisen. Fände man ihn, würden sich Politiker wahrscheinlich damit gegenseitig die Köpfe einschlagen.

Ähnlich klein wie der Schritt vom Genie zum Irren ist auch der Abstand der Philosophie von der Politik. Beide vermeiden es tunlichst, Klartext zu sprechen. André Gide bemerkte treffend: „Wenn ein Philosoph einem antwortet, versteht man überhaupt nicht mehr, was man ihn gefragt
hat.“ Ergänzend könnte man sagen: Kommt ein Politiker an die Macht, weiss keiner mehr, warum man ihn gewählt hat.

Jean-Paul Sartre war der Meinung, wenn zwei Philosophen zusammen treffen, sei es am vernünftigsten, wenn sie zueinander bloß ‚Guten Morgen’ sagen. Vielleicht hielten sich Philosophen auch am Vormittag des 11. September 2001 an diese Empfehlung, Politiker jedoch nicht.

Emsig beschäftigt mit drekkigen Kriegsgeschäften und Börsenmanipulationen wollten die Global Players dem Weltmarkt ein Schnippchen schlagen und erzeugten damit eine Feedback-Schleife, ähnlich einem Mikrofon, das zu nahe an den Lautsprecher kommt. Unschuldige Menschen mussten dafür mit ihrem Leben bezahlen.

Krieg oder Terror, was ist primär, was sekundär? Diese Frage können nun selbst Philosophen nicht mehr beantworten. Der Teufelskreis ist geschlossen. Man wollte die Welt manipulieren, um sie zu beherrschen. Nun hat sich das Werk verselbstständigt und man wird selbst manipuliert. Die er rief, die Geister, wird der Zauberlehrling nicht mehr los. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind nicht mehr unterscheidbar. Die Zukunft ist bereits Vergangenheit.

Der Literaturnobelpreisträger Elias Canetti sagte einmal: „Von jeder Bombe springt ein Stück in die Schöpfungswoche zurück.“ Unser Handeln bestimmt das Schicksal nachfolgender Generationen. Es verändert aber auch unsere Vergangenheit, indem es unsere Herkunft befleckt und die Ehre unserer Väter diskreditiert. Gabriel Laub bemerkte einmal scherzhaft: „Der Mensch – ein durch die Zensur gerutschter Affe?“

Aktive Kriegswirtschaft hat besonders aggressive Parteipolitik zur Folge, Politik wird zur Demagogie und die Demagogie zur streitbaren Religion. 1788 schrieb Friedrich Schiller: „Die goldne Zeit der Geistlichkeit fiel immer in die Gefangenschaft des menschlichen Geistes.“ Seitdem hat sich offensichtlich nicht viel geändert.

Der planetare Feldzug gegen den Terrorismus unter dem Vorbehalt präventiver Kriege ist die konsequente Fortsetzung der nordamerikanischen Rothautpolitik.

Sollten wir uns nicht umfangreicher gegen den Terrorismus schützen? Ohne Frage, im Krieg versucht man ja auch, sich gegen fallende Bomben zu schützen. Eine dauerhafte Lösung ist das jedoch nicht. Weder den Krieg, noch den Terrorismus kann man so abschaffen.

Politiker werden die Welt nicht verbessern. Nur die internationale Völkergemeinschaft kann verhindern, dass die Würde des Menschen mit Füssen getreten wird. Nur wenn Menschen sich nicht mehr manipulieren lassen, wird auch die Zukunft wieder besser. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist die unzensierte Information. Dazu möchten wir auch weiterhin unseren Beitrag leisten.

Herzlichst Ihr
Hartmut Müller

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