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raum&zeit-Kolumne: Glyphosat – Abschiedsgeschenk oder Kuckucksei?

raum&zeit-Kolumne von Manfred Jelinski

Nun wird man Seehofer wieder unterstellen, er wäre von Monsanto gekauft. Vielleicht stimmt das sogar. Nach dem deutschen JA zu weiteren fünf Jahren mit dem Umweltvernichter – pardon – Nutzpflanzenschutzmittel – hat man immerhin schon herausgefunden, dass Landwirtschaftsminister Schmidt das Vorgehen schon monatelang vorher mit dem bayerischen Ministerpräsidenten und Chef der CSU abgestimmt hat. Und nun könnte man mutmaßen, dass Seehofer hier einen alten Plan vollzieht, nämlich in Voraussicht seines Abgangs von der Politspitze sich noch einmal teuer (an die Industrielobby) zu verkaufen, auch wenn dieses das gesamte politische Klima in Deutschland vergiften sollte. Ich halte Spitzenpolitiker wie diesen für ausgebufft genug, so etwas schon ein halbes Jahr vor der Wahl in Klarsicht zu planen.
Und weitergedacht könnte es auch sein, dass die Bundeskanzlerin das alles auch wusste. Oder warum hat sie Schmidt nicht sofort geschasst, entlassen und in die Wüste geschickt, wie es sich für diese Art von Protokollvergehen gehört? Mit einer Rüge zu antworten, ist in der Politik ungefähr so, als hätte Frau Merkel mit Wattebällchen geworfen. Ungefähr so, wie sie damals auf die Abhörung ihres Handys geantwortet hat – was ja dann auch zu null Konsequenzen führte.
Also ein lukratives Abschiedsgeschenk eines den eigenen Untergang voraussehenden Monarchen?
Oder ein spätes „Bäh, ihr doofen Sozis!“ an die politischen Gegner? Noch mal denen eine Nase gedreht, einmal auf ganzer Ebene gesiegt haben?
Nun, das könnte auch ein Pyrrhussieg sein. Alle anderen Parteien werden nun mehr als vorsichtig sein, mit dieser Partei über eine gemeinsame Regierung zu verhandeln.
Aber noch weitergedacht ergeben sich ganz neue Horizonte.
Man könnte sagen, das alte Schlitzohr Seehofer hat den Ball genau ins Feld aller alternativen Politiker gespielt – und auch der Wähler, die immer so die Politik beschimpfen! Denn mit der Zustimmung für Glyphosat gibt es Zusatzregelungen. Ganz grob gesagt enthalten sie die Möglichkeit, dass jeder Staat die Anwendung des Mittels selbst bestimmen darf. Es wäre also möglich, den Einsatz dieser Chemie so weit herunterzuregeln, dass es praktisch gar nicht mehr zum Einsatz kommt. Dann wäre auch ein Schulterschluss mit Frankreich möglich. Und man könnte es den Maßnahmen gegen den Tabakgebrauch anpassen und mit einem Pflicht-Sticker zur Warnung vor Produkten mit Glyphosat-Einsatz antworten. Da wäre ich sehr gespannt, wie lange auch ein internationaler Konzern wie Monsanto dieses Produkt noch am Markt hält. Doch dafür wären die Nachfolger Seehofers verantwortlich – und die Wähler natürlich.
Endlich einmal eine Entscheidung, an der das Volk teilhaben kann – wenn es das wirklich will.
Lustig würde ich es auch finden, wenn die Mainstream-Medien diesen Gedanken aufgriffen und dem Volk unterbreiten würden. Bisher hat es immer zwischen einer Woche und einem halben Jahr gedauert, bis sie meine Gedanken aufgegriffen haben. Nun, sie müssen ja erst einmal alle anderen Variationen des Themas einkommensträchtig verarbeiten. Herzlichen Gruß an euch, liebe Konkurrenz-Scanner!

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