Zynismus statt Sorgfalt: "Schutzmaßnahmen in Genlabors sind unnötig"

Erschreckende Tagung für Arbeitsmedizin in Köln: "Ein bisschen zusätzliche DNA schadet doch niemandem"

Von Dr. Stefan Lanka, Dortmund – raum&zeit Ausgabe 89/1997

Die Technische Akademie Wuppertal e. V. veranstaltete im April dieses Jahres in Köln eine Tagung für Arbeitsmediziner. Das Thema der Tagung „Gesundheitliche Gefährdung bei gentechnischen Arbeiten“ versprach interessante Einblicke sowohl in die Welt der Gen-Labors als auch in die Arbeitswelt, in der gentechnisch hergestellte Produkte verarbeitet werden. Immerhin gibt es in der Bundesrepublik Arbeitsschutzvorschriften, deren Einhaltung durch Strafvorschriften gesichert ist. Die Zwangsmaßnahmen reichen von Bußgeldern bis zur Betriebsschließung. Nicht nur der Laie, sondern auch der Fachmann kann sich vorstellen, daß das Hantieren und Manipulieren mit gentechnisch veränderten Bakterien und Viren, mit Eiweißen und Zellkernen durchaus gesundheitsschädlich sein kann. Nicht so der Veranstalter dieser Tagung. Gentechnik ist ungefährlich, hieß die Botschaft aus dem Bundesarbeitsministerium und damit wurden selbst dokumentierte Fälle von Gesundheitsschädigungen aus der Arbeitspraxis von Gen-Labors als „Zeitgeist- Kritik“ abgetan. Die Empörung der Arbeitsmediziner half nichts: Sobald es in Deutschland um Gentechnik geht, fallen alle ethischen Schranken, wird Rechtsstaatlichkeit außer Kraft gesetzt und werden Kritiker diffamiert und lächerlich gemacht. Dr. Stefan Lanka hat für raum&zeit die denkwürdige Tagung in Köln besucht. Hier ist sein Bericht.

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