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Quo vadis, Germania?

Von Robert Stein, Ismaning – raum&zeit Ausgabe 220/2019

Wer in der heutigen Zeit in die Welt hinausschaut und nach Orientierung sucht, tut sich schwer. Gesellschaftliche Strukturen und Systeme, die jahrzehntelang funktionierten, lösen sich immer mehr auf. Brave Bürger, die ihr Leben lang fleißig gearbeitet und stets alle Steuern bezahlt haben, müssen nun im Alter beim Sozialamt die Hand aufhalten. Das Konzept des „Sozial-Staates“ wird immer mehr zur leeren Hülle. Die Vielen „da unten“ bezahlen den Lebensstil der Wenigen „da oben“.

Da oben ist auch die geballte Berliner Fachkompetenz, deren Blick auf die Prioritäten leicht verzerrt zu sein scheint. Weichgeschaukelt durch ihre Luxuslimousinen lassen unsere Verantwortungsträger ihre Gedanken nicht um die drängenden Fragen unserer Zeit kreisen, sondern um grüngemalte Fortbewegung. So beglücken sie uns mit dem Zauberwort der Stunde: Elektromobilität – eine schwindelige Lösung oder mehr ein Schwindel, der als Lösung gefeiert wird. Sie soll mobil machen gegen unseren allgemein anerkannt größten Feind, die Erwärmung unserer Erdatmosphäre. Dieser Ausrichtung darf gerne alles andere untergeordnet werden, wenn es nach dem Willen eines schwedischen Teenagers gehen soll. Entsprechend eingeschüchtert treibt die Politik die Wirtschaft im Panikmodus vor sich her und die lässt sich mehr schlecht als recht vor den klima-ideologischen Karren spannen.
Dabei lässt bereits ein Blick auf den Genfer Autosalon erahnen, wie wenig alltagstauglich diese Technologie heute immer noch ist, obwohl tausende Entwickler seit Jahren versuchen die Reichweite zu erhöhen. Und weil gerade Hersteller von Premium-Automarken Milliarden in diese Entwicklung investieren, wird die desaströse Ökobilanz dieser Fahrzeuge auch nur ungern thematisiert.

Doch nicht nur unsere Autoindustrie wird von höchster Warte aus in die falsche Richtung gelenkt. Auch unsere Jugend wird fröhlich auf Irrwege geleitet. Immer früher wird sie in Schulen in den Strudel der Digitalisierung geschubst. Es lässt sich erahnen, wohin die Reise unserer Gesellschaft geht. In Zukunft wird Mama ihre Familie nur noch über die WhatsApp-Gruppe zum Essen rufen. Der Homo Digitalensis als höchstes Ziel unserer Gesellschaft. Immer online, immer vernetzt, und ohne digitale Helfer im Alltag vollkommen hilflos und verblödet.

In welche Richtung steuert unser Land also? Weiter auf das große Riff zu, dessen Gefahr sich die meisten noch nicht einmal ansatzweise bewusst sind oder werden wir endlich einem erfahrenen Steuermann das Ruder in die Hand geben, der uns durch diese Untiefen führen wird? Viele sehen ihn ja schon voraus, den Kapitän in grüner Uniform, der uns dann ganz heroisch, ökologisch und genderneutral in das nächste große sozialistische Experiment lenken soll. Nur haben die Erfahrungen der Geschichte gezeigt, dass solche großen gesellschaftlichen Verwerfungen nie von großer Dauer waren und was blieb, war mehr als nur ein Katzenjammer.

Doch die Hoffnung stirbt zuletzt und vielleicht ist der Leidensdruck der Menschen schon so groß, dass ein gewaltiges Umdenken einfach einsetzen muss. Wie bei einem Ball, der unter Wasser gehalten wird. Je tiefer man ihn drückt, desto höher wird er aus dem Wasser springen, wenn der Druck, der ihn gehalten hat, plötzlich nachlässt.

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