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Infopunkte Ökologie

raum&zeit-Ausgabe 215

Ein Dorf macht es vor: Lebensraum für Insekten schaffen

Für den Rückgang verschiedener Insektenpopulationen wie Schmetterlinge, Bienen und Hummeln werden diverse Umwelteinflüsse verantwortlich gemacht: etwa die Zerstückelung der Landschaft, Lebensraumzerstörung, Monokulturen in Land- und Forstwirtschaft, Pestizideinsatz, Mobilfunk und Lichtverschmutzung. Vielleicht ist es auch ein Zusammenwirken solcher Faktoren, das den Bestand einiger Insektenarten in den letzten 10 Jahren um bis zu 70 Prozent reduziert hat. Niemand kann voraussagen, welche Folgen der Insektenschwund für das Ökosystem noch zeitigen wird. Aber jeder kann seinen Beitrag leisten, um die Situation zu bessern. Denn wenn die Dinge nicht im Kleinen in Bewegung kommen, dann wird sich wahrscheinlich niemals etwas verändern. Das Dorf Silges im Landkreis Fulda (Hessen) beispielsweise hat soeben das Projekt „Silges summt“ gestartet. Die Gemeinde sät Wildblumen auf öffentlichen Flächen konsequent überall dort aus, wo es möglich ist, um das Nahrungsangebot für Insekten zu vergrößern. Neben einer bereits bestehenden Streuobstwiese wird eine Blühwiese angepflanzt. Überdies stattet die Gemeinde sämtliche Straßenlaternen mit insektenfreundlichen Leuchtmitteln aus, die auch für Vögel und sogar für Menschen verträglicher sind. Und um die Bewohner weiter für das Thema zu sensibilisieren, werden entsprechende Infotafeln aufgestellt, Workshops zum Thema Insektenschutz in Heim und Garten angeboten und ein Lehrimkerstand für die Ausbildung von Hobby-Imkern errichtet. Imker-Anfänger können sich sogar eine Ausrüstung für ein Jahr kostenlos ausleihen. Schließlich sollen ja noch mehr Bienenvölker in Silges angesiedelt werden. All diese Maßnahmen sind weder teuer noch aufwändig. Man kann nur wünschen, dass das Brummen und Summen in Silges bald weit über die Dorfgrenzen hinaus hörbar sein und viele Nachahmer finden wird. Aber auch Stadtbewohner können einiges tun: Zum Beispiel Honig direkt beim Imker vor Ort kaufen, der dann noch mehr Ansporn hat, sich für Bienen einzusetzen. Garten oder Balkon wild und bunt bepflanzen und so Lebensräume für Insekten schaffen. Auch eine Nist- und Überwinterungshilfe für Insekten („Insektenhotel“) kann sehr sinnvoll sein. Nachts sollten keine Lampen am und im Haus brennen. (DS)

Quelle: www.trendsderzukunft.de

Auf einen Blick: Plastik aus Abfall

Surfen ist die Leidenschaft der Zwillingsbrüder Jeff und Dane Anderson, 32, aus Kalifornien. Ihre Freude wurde aber regelmäßig getrübt: „Wir waren genervt davon, dass uns ständig Plastikmüll im Gesicht traf.“ So überlegten sie sich am Strand von San Diego, was sie tun könnten. Den beiden Abwasser-Ingenieuren kam die Idee, aus Abfall gewissermaßen eine Tugend zu machen.
Sie kompostieren organische Abfallprodukte wie Essensreste, Landwirtschaftsabfälle oder schmutzige Kartons und gewinnen daraus mithilfe von Bakterien Mikrofett (Polyhydroxyalkanoate, abgekürzt PHA). Diese zähe, milchig glänzende Masse pressen sie zu Plastikverpackungen oder Einwegbestecken. Landet dies am Ende im Meer, verrottet es oder dient Fischen als Futter.
Im Unterschied zu anderen Bioplastik-Konzepten werden für Kompostplastik keine extra gezüchteten Pflanzen, keine Chemie und keine genetisch modifizierten Bakterien benötigt. Die Herstellung ist kostengünstig, weil die Abnahme von Abfall nichts kostet oder sogar Geld einbringt. Der Kompostiervorgang ist umweltfreundlich, braucht wenig Energie und kaum Wasser.
Die Produktion von „Full Cycle Bioplastics“ läuft schon, allerdings mit einem Kilo pro Tag noch im überschaubaren Rahmen. Eine Fabrik ist aber schon im Bau. (AF)

Quellen: sz-magazin.sueddeutsche.de, fullcyclebioplastics.com

Besonders grün: Veganer Strom

Wer die raum&zeit kennt, weiß, dass wir eigentlich auf den Strom aus Freier Energie warten. Bis der aber für den herkömmlichen Nutzer beziehbar wird, wollen wir darüber informieren, welche Kriterien es bei Ökostrom gibt. Die vegane Welle hat auch vor der Energieversorgung nicht Halt gemacht. Veganer, aber auch einige Nicht-Veganer möchten sicher sein, mit ihrem Stromverbrauch keinen Tieren zu schaden. – Für welche Tiere stellen erneuerbare Energiequellen eine Gefahr dar?
Vögel und Fledermäuse
Es ist bekannt, dass Vögel und Fledermäuse in die Rotoren der Windkraftanlagen gelangen und so sterben können. Die Kollisionen könnten minimiert werden. Wie der Naturschutzbund Deutschland (NABU) untersucht hat, kann die Wahl des richtigen Standortes hier schon eine große Verbesserung bringen. Beispielsweise fallen Vögel, insbesondere Möwen, den Rotoren vor allem zum Opfer, wenn diese in Feuchtgebieten stehen. Greifvögel verunglücken am ehesten an Windkraftanlagen, die auf kahlen Gebirgsrücken oder auf freiem Feld stehen. Fledermäuse sind besonders gefährdet, wenn die Windkraftanlagen im Wald stehen.
Insgesamt geht man davon aus, dass pro Jahr 250 000 Fledermäuse durch Windkraftanlagen getötet werden. „Für einige Fledermausarten ist anders als bei den meisten Vogelarten eine Bestandsgefährdung durch Windkraftanlagen zu vermuten“, so Eric Neuling vom NABU.
Umweltschützer sehen Deutschland in einer besonderen Verantwortung für den Rotmilan. Die Hälfte der weltweit vorkommenden Rotmilane lebt nämlich bei uns. Um diesen majestätischen Greifvogel vor den Rotoren zu schützen, gibt es verschiedene Handlungsempfehlungen für den Bau und Betrieb von Windkraftanlagen. Beispielsweise sollten Abstände zu den Nistplätzen des Rotmilans eingehalten werden.
Im Moment kann man nicht davon ausgehen, dass schon alle Empfehlungen umgesetzt wurden und werden und der Strom von Windenergie vogel- und fledermausfreundlich ist. Allerdings sollte man auch nicht außer Acht lassen, dass andere Erscheinungen unserer Zivilisation noch viel mehr Vögel töten als Windkraftanlagen. Hierzu zählen unter anderem Hauskatzen, Fahrzeuge sowie Gebäude und Stromleitungen, mit denen die Vögel kollidieren.
Fische
Wasserkraftwerke stellen eine große Gefahr für Fische dar. Zwar gibt es mittlerweile vor allem bei großen Wasserkraftwerken verschiedene technische Lösungen wie Fischtreppen, die den Fischen den Weg flussaufwärts ermöglichen. Aber „der Weg flussabwärts ist ein Problem, der größte Strom geht in Richtung Turbine, hier können entsprechende Metallrechen nur einen gewissen Schutz bieten“, so Till Hopf vom NABU.
Rinder und Schweine
Acht Prozent des Ökostroms stammt aus Biogas. Hier gilt es zu bedenken, dass nicht jede Biogas-Anlage Mist, Gülle und Futterreste aus Bio-Höfen als Grundlage verwendet. Meist wird Biogas aus Mist und Gülle aus Massentierhaltung gewonnen oder aus Mais-Monokulturen. Der Biogas-Kunde unterstützt damit eine Landwirtschaft, die sich mit ökologischen Vorstellungen eigentlich nicht vereinbaren lässt.
Am tierfreundlichsten sind Fotovoltaik-Anlagen. Voraussetzung ist nur, dass sie geografisch so aufgestellt sind, dass sie keine Tiere in ihren Lebensräumen stören. In Deutschland und Europa müssen beim Bau und Betreiben von Fotovoltaik-Anlagen verhältnismäßig strenge Umweltauflagen eingehalten werden, so dass diese eine gute Quelle für veganen Strom sind.
Es empfiehlt sich also für den Kunden, der tierfreundlichen Strom haben möchte, bei seinem Stromanbieter nachzufragen, woher der Strom genau kommt. Ein Anbieter, der auf veganen Strom spezialisiert ist, ist Vegawatt. Hier gibt es zu 100 Prozent Solarstrom. (AF)

Quelle: www.nabu.de

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