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Infopunkte Ökologie

raum&zeit-Ausgabe 210

Erst Glyphosat und jetzt Dicamba

Mittlerweile sind immer mehr Pflanzen in den USA immun gegen das meistgenutzte Herbizid Glyphosat. Aus diesem Grund nehmen Unkräuter auf den Äckern Überhand – sehr zum Leidwesen der Landwirte, deren Existenz dadurch stark gefährdet ist. Um konkurrenzfähig zu bleiben, sind die Bauern daher gezwungen, immer neue Unkrautvernichter zu verwenden.
Eines dieser „Allheilmittel“ aus dem Hause BASF und Monsanto ist das sogenannte „Dicamba-System“ – eine Kombination aus einem älteren Herbizid und einer dagegen resistenten Sojabohne. Seit dem Frühjahr 2017 zugelassen, sind laut Monsanto bis heute etwa 8 Millionen Hektar in den USA mit dieser resistenten Sojabohne bepflanzt.
Das Problem besteht nun aber darin, dass Dicamba extrem flüchtig ist und somit seine Wirkung auch dort entfaltet, wo es nicht sein sollte. Indem Dicamba unkontrolliert über das Land driftet, schädigt es auch Bäume und andere Pflanzen, die nicht dagegen resistent sind. Der Forscher Kevin Bradley von der Universität Missouri vermutet, dass mittlerweile mehr als 1,3 Millionen Hektar nicht resistenter Sojapflanzungen in mindestens 16 US-Staaten beschädigt seien.
Derweil werden Sprecher von BASF und Monsanto nicht müde zu betonen, dass man die Regeln eingehalten habe. Laut Aussagen der Agrochemie-Multis seien die giftigen Dicamba-Wolken auf ältere Produkte oder unsachgemäße Anwendung der Bauern zurückzuführen.
Eine Reportage der „Washington Post“ wirft dagegen ein komplett anderes Licht auf die Situation: Hier kommen Kritiker zu Wort, die sagen, dass bei der Zulassung von Dicamba durch die USBehörden wichtige Daten gefehlt hätten, insbesondere jene, die sich mit der Flüchtigkeit des Herbizids befassen. Zudem seien die Behörden während des Zulassungsprozesses unter großem Druck von Lobbygruppen gestanden.
Währenddessen konnten bereits die ersten gegen Dicamba resistenten Pflanzen ausgemacht werden. Der Toxikologe Nathan Donley vom „Center for Biological Diversity“ sagt dazu: „Als nächstes kommt die Resistenz auf eine dritte Chemikalie, dann die vierte … man muss nicht besonders intelligent sein, um zu sehen, wo das endet.“ (BE)

Quelle: https://www.infosperber.ch/Artikel/Wirtschaft/Nach-der-Glyphosat-Resistenz-die-Dicambawolke

Kastenhaltung für Schweine sollte prinzipiell verboten werden

Für Unruhe bei vielen Schweinehaltern sorgte ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts Ende letzten Jahres. Das oberste Gericht in Deutschland entschied, dass die Haltung von Schweinen in ultra engen Kastenständen, wie sie immer noch in vielen Betrieben üblich ist, nicht mit der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung zu vereinbaren ist. Das Urteil setzte deutschlandweit neue Standards – absolute Minimalstandards, muss man ergänzen. Kastenstände sind Gitterkästen, in denen sich nur ein Tier aufhalten kann und das oft auch nur wie in einer Zwangsjacke. Ein Schwein kann entweder dort stehen ohne sich umzudrehen oder es kann sich – schwer koordinierbar – hinfallen lassen und dann in Seitenlage am Boden liegen, mit den Beinen im Kastenstand des benachbarten Schweines.
Das Bundesverwaltungsgericht bestimmte immerhin Ende letzten Jahres, dass es jedem Schwein entsprechend seiner Größe möglich sein müsse, jederzeit ungehindert in Seitenlagen mit ausgestreckten Gliedmaßen zu ruhen. Schweinehalter befürchteten nun, ihre Schweineställe nicht mehr wie bisher belegen zu können oder umbauen zu müssen. Sie forderten von daher praktikable Vorgaben bei der konkreten Umsetzung, die sie finanziell nicht zu sehr belastet und ihnen genug Zeit zur Umstellung lässt. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt legte Ende August dieses Jahres einen Vorschlag zur Neugestaltung vor, der Kastenstände nach wie vor erlaubt, ihre Grenzen aber um ein paar Zentimeter vergrößert. Schweinehalter hätten nach Schmidts Vorstellungen eine Umstellungsfrist von 15 Jahren.
Der Deutsche Tierschutzbund und Greenpeace sind damit nicht zufrieden. Sie wollen Kastenstände und andere Tierquälereien in der Schweinehaltung prinzipiell abschaffen und plädieren für den kürzlichen Vorschlag des Berliner Justizsenators Dirk Berendt (Grüne). Berendt will die gesamte Schweinehaltung in Deutschland vom Bundesverfassungsgericht überprüfen lassen und deshalb einen Antrag auf eine Normenkontrollklage stellen. Einem solchen Verfahren ist es immerhin auch zu verdanken, dass die Käfigbatterien für Legehennen verboten wurden.
Zur Erläuterung: Bislang dürfen Schweine in konventioneller Haltung bis zu 28 Tage im Kasten gehalten werden, was in etwa der Hälfte ihrer Lebenszeit entspricht. Kastenbefürworter argumentieren, dass sich befruchtete Eizellen besser entwickeln können, wenn die Muttertiere sich kaum bewegen. Auch sollen Säue, die besamt wurden, durch die hormonelle Umstellung aktiver und aggressiver sein und durch den Kastenstand davor bewahrt werden, sich zu verletzen. Weiterhin soll die enge Haltung beim Abferkeln gewährleisten, dass das Muttertier nicht aus Versehen ihren Nachwuchs erdrückt. Gäbe man den Schweinen während dieser Zeit insgesamt mehr Platz als weniger, könnten diese Gefahren aber problemlos gebannt werden und unsere Nutztiere hätten ein etwas weniger schreckliches Leben. (AF)

Quellen: www.tierschutzbund.de, www.focus.de

China im Hanfrausch

Die Chinesen fackeln bekanntlich nicht lange. Wofür hierzulande Jahre benötigt werden, das schaffen die Chinesen in Wochen oder allenfalls Monaten. Ein Beispiel für diesen zupackenden pragmatischen Impetus ist Chinas Vorgehen bezüglich Nutzhanf. Auf der Suche nach einer Alternative zur ökologisch bedenklichen Baumwolle stießen die fernöstlichen Textilfabrikanten schnell auf diese weltweit noch immer verpönte Pflanze (aber es tut sich was – siehe hierzu Robert Steins Artikel „Hanf aufs Herz“ in der Ausgabe 210). Binnen weniger Jahre vergrößerten sie die Hanfanbaufläche allein in der Provinz Heilongjiang (Mandschurei im Nordosten des Landes) von 1 000 Hektar (1 ha = 10 000 Quadratmeter) auf heute 30 000 Hektar – soviel wie in ganz Europa und Kanada zusammen. Im nächsten Jahr sollen es dann bereits 60 000 ha werden. Das Reich der Mitte ist also dabei, zum neuen Hanf-Mekka zu werden. Dazu passt, dass im August in Harbin, Hauptstadt der Hanfprovinz, die 2017 International Conference on Hemp Industry stattfand. Vertreter der chinesischen Hanfindustrie hatten Verbände aus Europa, Kanada und Australien eingeladen, um weltweite Netzwerke aufzubauen. Der Austausch von Technologien, Produkten und Marketingstrategien stand im Fokus. Chinesische Universitäten präsentierten neue, ertragreiche Hanfsorten, Koppelerntemaschinen für Stängel und Samen sowie biotechnologische Verfahren, um umweltfreundlich mit Hilfe von Enzymen feine Hanffasern zu produzieren. Fachleute sprechen von „enzymatischer Kotonisierung“ der Hanffasern, die dann pur oder mit anderen Fasern gemischt auch auf Baumwollmaschinen verarbeitet werden können. Hanf wächst sehr gut im moderaten Klima Nordost-Chinas, braucht keine oder nur sehr wenige Pestizide (im Gegensatz zur Baumwolle) und hat einen sehr geringen Wasserbedarf. Ein weiterer Vorteil ist der doppelte Ertrag pro Hektar verglichen mit Baumwolle. Und das ist noch längst nicht alles: Hanf hat insgesamt einen sehr geringen ökologischen Fußabdruck und liefert neben den Fasern hochwertige Fettsäuren und Proteine für den Lebensmittelbereich sowie Pharmazeutika. Dr. Liu, Generalsekretär der chinesischen Allianz für biologische Ressourcen,
spricht von Hanf bereits als „strategischer Ressource“. Zugute kommt den Chinesen auch die nach wie vor zögerliche Haltung gegenüber einer Rekultivierung von Hanf in den meisten westlichen Ländern. (DS)

Quelle: http://www.forum-csr.net/News/11096/ChinaerfindetdenHanfneu.html?_newsletter=144&_abo=3272

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