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Kolumne: Ist Trump ein Außerirdischer?

raum&zeit-Kolumne von Manfred Jelinski

Die Menschheit wird einmal durch das Auftreten von Außerirdischen geeint, das war die Grundidee der legendären Perry-Rhodan-Romanserie, die seit den frühen 60er Jahren die Jugend begeistert hat und noch heute existiert. Die Reaktionen auf jede einzelne Aktion des aktuellen US-Präsidenten erinnern mich sehr stark an diese Vorlage. Da kann man natürlich auf die Idee kommen, dass wir uns den außerirdischen Feind auch selbst aufbauen können, wenn sich die ETs nicht ordentlich positionieren.
So gesehen ist Trump auch ein Segen für die Menschheit. Das Hegemonialverhalten der USA hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass die anderen Staaten sich zurückgelehnt haben und das Motto vertraten: Uncle Sam, geh du voran!
Das war durchaus verständlich, denn wer wollte sich mit der größten Wirtschafts- und Militärmacht der Erde anlegen? Das ist nun Vergangenheit. Die USA haben sich nun so weit zurückgezogen und sind intern so sehr zerstritten, dass es mit der Kehrtwende in den verschiedensten Abkommen nun eine ganz neue Freiheit gibt. Und der neue Gegner kann auch moralisch ganz einwandfrei bekämpft werden! Die neuen Schulterschlüsse zwischen vorher verfeindeten Nationen sind spektakulär. Hail Trump, möchte man rufen. Eigentlich haben wir den gebraucht.
Und Europa gewinnt anscheinend auch durch neue Fronten wie den Brexit. Genau so wie durch die neue Positionierung von Ungarn und Polen. Wenn konträre Positionen offen zur Diskussion gestellt werden, kommt man in der Argumentation schneller weiter, das kennt man aus der besten Ehe. Einfach mal auf den Punkt kommen und nicht jahrelang um den heißen Brei herumreden. Innerer Friede ist nicht das höchste Gut, das unter allen Umständen verteidigt werden muss. Auseinandersetzungen können Inhalte schneller voranbringen. Und noch mehr Fortschritt sieht man darin, dass diese Diskussionen nicht mehr mithilfe eines Krieges ausgetragen werden. Im Gegenteil, alte Feinde setzen sich plötzlich wieder an einen Tisch.
Tatsächlich, Trump kann nur ein Außerirdischer sein. Übrigens auch ein Segen für die Verschwörungstheoretiker. Hat er nicht so etwas Reptilisches an sich? Mal ganz ehrlich?

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