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Infopunkte Ökologie

raum&zeit-Ausgabe 207

Traditionelle Waldbienenhaltung: Eine Chance gegen die Varroamilbe?

Es gibt viele Gründe dafür, warum unsere Bienen verschwinden. Neben Neonicotinoiden könnte auch die Imkerei selbst unbeabsichtigt einen Beitrag dazu geleistet haben, dass heutige Bienen sich nicht mehr gegen die Varroamilbe durchsetzen können. Die Bewegung FreeTheBees wirft hier interessante Impulse in die gegenwärtige Diskussion.
Was heutzutage kaum noch jemand weiß: Im natürlichen Umfeld finden natürliche Bienenvölker im Winter nicht mehr genug Nahrung und sterben weitgehend. Nur die Stärksten überleben und pflanzen sich im nächsten Jahr fort. Diese natürliche Selektion gewährleistet eine ständige gute Anpassung der Bienen an die sich verändernden Lebensumstände. Die herkömmliche Imkerei wendet jedoch Methoden an, um Bienenvölker lange zu halten und zu hoher Produktion von Honig anzuregen. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden. Studien zeigen allerdings, dass wilde Bienenvölker sich gegen die Varroamilbe behaupten können und auch, dass sich unter den Bedingungen der Imkerei besonders durchsetzungsstarke Varroamilben herausbilden.
FreeTheBees setzt sich von daher dafür ein, wilde Bienenformen zu fördern, die sich von heutigen Umweltbedingungen nicht ausrotten lassen. Die Organisation schlägt Imkern deshalb vor, natürlich oder naturnah gehaltene Völker zu halten. Als naturnahste Form der Bienenhaltung sieht FreeTheBees die Zeidlerei. Diese wurde bis ins Mittelalter praktiziert, verschwand dann aber weitgehend und ist erst vor kurzem wiederentdeckt worden. Ein WWF-Projekt brachte diese Methode aus Russland, wo sie überlebt hatte, nach Polen.
André Wermelinger, Präsident von FreeTheBees, machte sie in der Schweiz bekannt, von hier aus verbreitete sich das Wissen bereits weiter aus nach Deutschland, England, Luxemburg, Frankreich und Belgien.
Was ist die Zeidlerei? Bei dieser Form der Bienenzucht wird sehr wenig in die natürlichen Lebensbedingungen wilder Bienen eingegriffen. Wild lebende Honigbienen nisten sich unter natürlichen Umständen gerne in alte Baumbestände mit Löchern ein. Moderne Zeidler verteilen im Wald Honigbienenkästen.
FreeTheBees arbeitet im Moment noch daran, die rechtliche Situation hierfür abzuklären, im Moment ist ein solches Vorgehen in der Schweiz zum Beispiel noch meldepflichtig.

Weitere interessante Hintergrundinformationen auf der Homepage der Organisation: http://freethebees.ch (AF)

Ursache für Bienensterben: Syngenta beeinflusst Forschungsarbeit

Laut einem Forscher der Universität Exeter hat der Schweizer Agrarkonzern Syngenta gezielt Einfluss auf die Ergebnisse einer Studie genommen, die den Ursachen des weltweiten Bienensterbens nachgehen sollte. Dr. James Cresswell, seit mehr als 20 Jahren Experte für florale Fortpflanzung an der britischen Universität, gab der New York Times ein ausführliches Interview, in dem er über seine Zusammenarbeit mit Syngenta berichtete. Laut Cresswell trat Syngenta im Jahr 2012 an ihn heran und bot ihm die Finanzierung seiner weiteren Forschung an – kurz nachdem er sich skeptisch über die Neonicotinoid-These als Ursache für das Bienensterben geäußert hatte. (Viele Wissenschaftler sind der Überzeugung, dass der Einsatz von Pestiziden wie der Neonicotinoide für den Tod der Bienen verantwortlich ist). Die Ansicht Cresswells passte genau in das Konzept des Agrar-Multis, der einen großen Teil seines Umsatzes durch den Verkauf von Pestiziden erzielt. Cresswell sollte durch die von Syngenta finanzierte Forschung beweisen, dass das Bienensterben auf die Krankheit Varroose zurückgeht, die von Milben übertragen wird.
Die zunächst harmonische Zusammenarbeit zwischen Cresswell und Syngenta änderte sich erst, als der Forscher Zweifel an der Varroose-These bekam und diese auch seinem Ansprechpartner bei Syngenta mitteilte. Anstatt auf Cresswells Bedenken einzugehen, forderte der Verbindungsmann, dass er sich mehr um die Verluste in einzelnen Bienenstöcken kümmern solle, statt um großflächige Trends. „Weil das eine andere Antwort ergeben könnte!“ Cresswell sollte also die Untersuchungsparameter ändern, um auf die von Syngenta gewünschten Ergebnisse zu kommen. Die Tatsache, dass seine Forschungsarbeit seitens seines Auftraggebers in eine bestimmte Richtung gelenkt wurde, belastete Cresswell schwer. Aufgrund der engen Verbindung zu Syngenta wurde er darüber hinaus sowohl von Medien als auch von einigen Kollegen angefeindet, was schließlich zu seinem gesundheitlichen Zusammenbruch und zum Ende der Kooperation mit Syngenta führte.
Heute arbeitet Cresswell an weniger kontrovers diskutierten Fragen der Bienenforschung. Rückblickend sagt er: „Zusammenfassend kann man sagen: Syngenta hatte Einfluss auf mich. Ich habe nicht bewusst getäuscht, aber sie haben auf jeden Fall beeinflusst, was ich schlussendlich in diesem Projekt gemacht habe.“ Und weiter: „Syngenta hat ganz klar eine Agenda.“ Syngenta selbst stritt auf Nachfrage der New York Times ab, die Unabhängigkeit Cresswells untergraben bzw. eingeschränkt zu haben.
Eine vom britischen Zentrum für Ökologie und Hydrologie kürzlich veröffentlichte Studie kam zu dem Ergebnis, dass Neonicotinoide für 20 Prozent des Bienensterbens verantwortlich seien. Und die US-Umweltbehörde EPA konstatierte bereits im Januar 2016, dass Imidacloprid, eines der meistgenutzten Insektizide, Bienen schaden kann. (BE)

Quelle: http://www.infosperber.ch/Artikel/Wirtschaft/Bienensterben-So-hat-Syngenta-Forscher-eingeseift

Gärtnern in der Stadt: Kugelförmige Kräuter- und Gemüsefarm

Ein wichtiges Thema der Zukunft heißt Selbstversorgung. Wer immer die Möglichkeit sieht, sich ein Stückchen Autarkie zu verschaffen, sollte nicht zögern damit. Denn erstens erdet es einen, zweitens gewinnt häufig die Umwelt und drittens vermindert man seine Abhängigkeit von der zentralen Versorgungs-Infrastruktur, die im Falle eines globalen Finanzcrashs temporär ausfallen könnte.
Vor diesem Hintergrund gewinnt das so genannte Urban Gardening, also das Gärtnern in der Stadt, eine zusätzliche Nützlichkeitsdimension. Und es gibt auch immer wieder pfiffige Ideen hierzu, die es wert sind, sie vorzustellen. So hat das dänische Zukunftslabor Space10 mit seinem
„Growroom“ (deutsch etwa: Wuchsraum) weltweit Interesse hervorgerufen. Es handelt sich um eine kugelförmige Gemüsefarm für Stadtbewohner. Der Growroom „dient dazu herauszufinden, wie sich Städte durch eine Lebensmittel produzierende Architektur selber ernähren können.“ Der Aspekt der lokalen Bio-Landwirtschaft gewinnt dabei eine besondere Betonung. „Wir könnten Lebensmittel höchster Bio-Qualität herstellen, die besser schmecken, nahrhafter, frischer und gesünder sind“, so Space10. Ein weiteres Ziel, das unterstützt werden soll, liegt darin, dass die Nahrungsmittelproduktion aufgrund der wachsenden Weltbevölkerung intensiviert werden muss.
Der „sphärische Garten“ kann überdies auch Kindern das Gärtnern näher bringen und stellt eine erholsame grüne Oase in der Stadt dar. Der Growroom hat Durchmesser von 2,8 und 2,5 Meter. Man kann ihn betreten und das Grün sowie den Duft der Kräuter genießen. Die sphärische Form hat zweierlei Vorteil: Zum einen kann so die Vertikale genutzt werden, zum anderen können Licht und Regenwasser die Pflanzen erreichen.
Die beste Nachricht zum Schluss: Space10 hat den Growroom nun als Open Source Projekt frei gegeben. Jeder, der willens ist – ob Privatperson, Behörde oder Firma –, kann ihn zusammenbauen. Man nehme: 17 Sperrholzplatten und 500 rostfreie Kopfschrauben. Die genauen Maße stehen auf der Website (siehe Quelle). Das Besondere ist nun, dass Space10 die Steuer-Dateien für eine CNC-Fräsemaschine (Computerized Numerical Control) zum freien Download zur Verfügung stellt. Interessenten können diese zum Beispiel auf einem Stick speichern und damit in die nächste entsprechend ausgerüstete Schreinerei gehen. Der Zusammenbau der zurechtgeschnittenen Teile ist auf der Space10 Website detailliert beschrieben.
Space10 bittet im Falle eines Nachbaus lediglich um eine Benachrichtigung an: discover@space10.io. (DS)

Quelle: www.space10.io/journal/space10-opensources-the-growroom

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