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Beschwerde über die Coronademo-Berichterstattung der Hessenschau

Von Susanne Ehlers, Mitherausgeberin von raum&zeit, am 19.5.2020, aktualisiert am 25.5.2020

Beschwerde über die Coronademo-Berichterstattung der Hessenschau vom 13.5.2020:

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Intendant,

ich bitte um Klärung des folgenden Sachverhaltes:

In der Hessenschau-Nachrichten-Sendung vom 13.5.2020 erfolgt ca. ab Minute 5 ein Bericht zu den Demonstrationen in Hessen vom selbigen Tag.
Hier der Link zur Mediathek des hr: https://www.hessenschau.de/tv-sendung/hessenschau-vom-13052020,video-122030.html
Den entsprechenden Ausschnitt der Berichterstattung, den der Freund meiner Tochter am 14.05 downgeloadet hat, sehen Sie hier

Folgendes ist uns bei Ihrer Berichterstattung aufgefallen: Im Hintergrund wird ein Foto gezeigt und die Nachrichtensprecherin erklärt dabei, dass auf aktuellen Demos zum Beispiel solche Bilder hochgehalten werden und die Sprecherin zitiert die angeblichen Protestaussagen „Gates ist schuld“ und „Corona ist Fake“ (siehe Screenshot rechts). Dem Zuschauer wird suggeriert, dass es sich um ein aktuelles Foto von einer am selbigen Tag stattgefundenen Demonstration handelt. Uns kamen die Texte unglaubwürdig vor, weil wir Bilder von Schildern von tatsächlichen Demonstrationen schon vielfach gesehen haben – darunter nicht eines mit solchen Phrasen.

Hier unsere uns sehr bedenklich stimmenden Ergebnisse:

(Aktualisierung 25.5.20): Zunächst wurden wir bei einer Suche auf gut Glück unter dem Suchbegriff „Demonstration“ bei Adobe Stock fündig: https://stock.adobe.com/de/images/protesting-demonstration-holding-signs-in-barcelona/218467579

Bei dem gezeigten Foto handelt es sich um eine Fotomontage, vermutlich in Verbindung mit einem in einem Stockarchiv gekauften (oder auch irgendwo anders geklauten) Bild, in welches (noch dazu mit typischen Adobe Schriften und ohne besonderes grafisches Fälschertalent, was Licht, Farbe, Schatten etc. betrifft) plumpe Slogans kopiert wurden.

Wir fanden bei einer Reverse Search 10 Treffer zu diesem Bild, jedoch alle ohne die hineinmontierten angeblichen Protestworte.
Links finden Sie einen Screenshot der Reverse-Search Suche. Er zeigt die 10 (aktualisiert 25.5.20) Treffer.
Hier noch der Link zur Reverse Search: https://tineye.com/search/df9b26caa5a6a77ea3f97f1b6ba0afb4dd2c19e3?page=1
(Aktualisierung 25.5.20): Leider beiben die Links bei Tineye nur kurze Zeit aktuell. Wenn man die Reverse-Search nachprüfen will, muss man eine erneute Suchanfrage stellen mit dem Adobe-Foto (Siehe Link oben.)

Sofern die Urheberrechtsangaben in Shutterstock und Adobe-Stock korrekt sind, stammt es von der Movie Diary Production. (https://movingdiaryproduction.com/)  
Aus der Bildbezeichnung „Protesting demonstration holding signs in Barcelona“ lässt sich entnehmen, dass es in Barcelona aufgenommen worden ist.

Wenn sich die Journalisten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nicht mal mehr selbst um Original-Foto und Filmaufnahmen bemühen, dann sollten diese wenigstens bei der Erstellung von Bildmaterialien für die eigene Berichterstattung die Quelle des Bildmaterials nennen und auch die Lizenz- und Nutzungsbedingungen beachten

Bei Shutterstock findet man diese hier:

https://www.shutterstock.com/de/license

In Punkt 1.5 findet sich diese Regelung:

1.5.QUELLENANGABEN UND URHEBERRECHTSVERMERKE

  1. Die Verwendung von Bildern und Videos in Verbindung mit Nachrichtenberichterstattung, Kommentaren, Veröffentlichungen oder anderem „redaktionellen" Kontext hat unter fest hinzugefügter Quellenangabe des Shutterstock-Anbieters und Shutterstock zu erfolgen, wobei im Wesentlichen folgende formelle Kriterien zu erfüllen sind:

„Name des Künstlers/Shutterstock.com

Bei adobe.stock findet man diese hier:

https://wwwimages2.adobe.com/content/dam/cc/de/legal/servicetou/Adobe_Stock_Additional_Terms_de_DE_20200416.pdf

In Punkt 4.1 Buchstabe F ist nachzulesen:

4. Einschränkungen. 4.1 Allgemeine Einschränkungen. Sie dürfen nicht

F) das Werk in einer redaktionellen Weise ohne die begleitende Namensnennung oder Attribution verwenden, die auf eine Weise platziert wird, die für den anwendbaren Zweck angemessen ist; verwenden Sie für die Namensnennung das Format „Name des Anbieters/stock.adobe.com“ bzw. das auf der Website angegebene Format;

Nach meinem Verständnis sagen diese Bestimmungen aus, dass im Falle einer Nutzung der Bilder sowohl von Adobe als auch von Shutterstock in einem redaktionellen Kontext ein Copyright-Hinweis mit dem Namen des Fotografen/Filmers/Künstlers gegeben sein muss. Diesen Copyright-Hinweis kann ich jedoch auf dem in der Hessenschau eingeblendeten Fotomontage nicht erkennen. In unserem Verlag nutzen wie das Foto-Archiv von Adobe immer unter Nennung der Künstler.

Ich bitte um ehest mögliche Aufklärung dieses bedenklichen Vorgangs. Für mich erfüllt eine solche Vorgangsweise nicht meine Erwartungen an eine seriöse Berichterstattung, für die wir alle in Deutschland zur Kasse gebeten werden, egal ob wir noch Öffentliche-Rechtliche nutzen (wollen) oder nicht. 

Im Übrigen vermisse ich bereits seit vielen Wochen eine ausgewogene, sachliche Berichterstattung in den Nachrichtensendungen ebenso wie eine Pluralität von Meinungen und Expertisen in den unterschiedlichen Talk- und Diskussionsrunden. Sind die Öffentlich-Rechtlichen Fernseh- und Rundfunksender inzwischen zum Staatsfernsehen mutiert?   



Update.
 Am 20.5.2020 erhielt Susanne Ehlers eine Antwort von der Geschäftsstelle des Rundfunk- und Verwaltungsrats des Hessischen Rundfunks:

Sehr geehrte Frau Ehlers,

im Namen des Vorsitzenden des Rundfunkrats danke ich Ihnen für Ihre Mail vom 19.05.2020 mit der Sie sich über die Berichterstattung in der Hessenschau am 13.05.2020 beschweren.

Selbstverständlich nehmen wir Beschwerden unserer Zuschauerinnen und Zuschauer bzw. unserer Zuhörerinnen und Zuhörer ernst und gehen diesen gerne nach.

Nach den Regelungen der Satzung des Hessischen Rundfunks ist für Beschwerden dieser Art zunächst der Intendant des hr zuständig. Gegen dessen Bescheid kann Beschwerde eingelegt werden, über die der betreffende Ausschuss des Rundfunkrats entscheidet. Gegen dessen Entscheidung kann der Beschwerdeführer den Rundfunkrat selbst anrufen.

Aus diesem Grund habe ich Ihre Mail zuständigkeitshalber an Herrn Intendant Krupp weitergeleitet. Sie werden von dort eine Antwort erhalten.

Freundliche Grüße

Stephanie Hill

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