Finanzdienstleistungen für die Atombranche

Radioaktive Banken

Der Atomausstieg in Deutschland ist seit dem 30. Juni 2011 politisch eine beschlossene Sache. Doch die meisten deutschen Banken spielen da nicht mit. Sie lassen keine Gelegenheit aus, in Kerntechnik zu investieren, wenn der Profit stimmt. Jüngstes Beispiel ist die HypoVereinsbank. Sie will zwei geplante Atomkraftwerke im russischen Kaliningrad durch Kredite an die AKW-Zulieferfirma Alstom (Stammsitz Frankreich) mitfinanzieren. Besonders brisant: Bei der Planung der Atomkraftwerke sollen gesetzlich vorgeschriebene Sicherheitsnormen verletzt worden sein, wie die russische Umweltorganisation Ecodefens mitgeteilt hat. Weder fand eine Prüfung des seismischen Risikos am Standort statt, noch hat der Betreiber, die russische Firma Rosatom, einen Plan für den Umgang mit dem hochradioaktiven Abfall vorgelegt. Überdies geht Rosatom in seiner Unfallanalyse davon aus, dass sich die Auswirkungen eines ernsten Unfalls auf das Reaktorgelände beschränken würden. Folglich wurden keine Notfallpläne für die Evakuierung der örtlichen Bevölkerung vorgelegt. Solche gravierenden Defizite spielen aber für die HypoVereinbank offenbar keine Rolle. Sie ist sogar dabei, eine offene Kreditlinie für die weitere Zusammenarbeit der AKW-Zulieferfirma Alstom (Stammsitz Frankreich) und Rosatom im Reaktorbau einzurichten. "Hier wird der niedrige Sicherheitsstandard russischer Reaktoren in weitere Länder exportiert. Damit bereitet die HypoVereinsbank den Boden für ein neues Fukushima", sagt Vladimir Slivyak, Sprecher von Ecodefense. Dieser Fall ist natürlich keine Ausnahme, wie die NGO Urgewald aufzeigt. An erster Stelle der AKW-Großfinanciers steht – wie kann es anders ein? – der Branchenprimus Deutsche Bank, der im Zeitraum 2000 – 2009 fast 8 Milliarden Euro an Finanzdienstleistungen für den Atomsektor investiert hat. Darunter sind auch Kredite für den Uranabbau in Afrika, wo Arbeiter bekanntlich unter oft unmenschlichen Bedingungen das radioaktive Erz abbauen müssen. Auch die meisten anderen deutschen Großbanken wie Commerzbank, UniCredit/HVB, Postbank oder Bayrische Landesbank sind stark im Atomgeschäft engagiert, wie die Recherchen Urgewalds aufdecken. Offen legen müssen die Banken diese Geschäfte nicht, das ist gedeckt durch das „Bankengeheimnis“. Wer nicht an diesen ökologisch schmutzigen Geschäftspraktiken der Banken beteiligt sein möchte, sollte sich eine strahlungsfreie Bank suchen. Die gibt es glücklicherweise auch. Urgewald nennt die GLS-Bank, die Ethikbank, die Triodos Bank und die Umweltbank.

Näheres unter www.urgewald.de.

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