Gefälschte Wissenschaft

Anzahl getürkter Studien nimmt stark zu

Der Laie glaubt der Wissenschaft in der Regel alles. Heißt es etwa „Gemäß der Studie xyz ...“ schaltet das Gehirn automatisch in den Modus „Absoluter Wahrheitsgehalt. Kein Zweifel möglich“. Insofern haftet den Verlautbarungen der Wissenschaft der Ruch päpstlicher Unfehlbarkeit an. Dass diese jedoch stets mit Vorsicht zu genießen sind, wird in raum&zeit immer wieder thematisiert. Nun zeichnen sich immer deutlicher gravierende Probleme im heutigen Wissenschaftsbetrieb ab. So sind einer aktuellen Studie (sic!) zufolge, die im Journal Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht wurde, rund zwei Drittel von den bis zum Mai 2012 beanstandeten 2047 bio-medizinischen Studien wegen Betrugs (hauptsächlich gefälschte Daten) zurückgezogen wurden. Seit 1975 habe sich der Prozentsatz der wegen Fälschungen zurückgezogenen wissenschaftlichen Studien verzehnfacht. Schon im Vorjahr hatte das Magazin Nature berichtet, dass die Steigerungsrate zurückgezogener Studien bei über 1000 Prozent lag, während die Anzahl der veröffentlichten Studien nur um 44 Prozent zulegte. Die Guardian-Autoren Chris Chambers und Petroc Sumner nennen verschiedene Gründe für die epidemieartige Ausbreitung des Wissenschaftsbetrugs. Neben dem Druck, um jeden Preis etwas veröffentlichen zu müssen, da es sonst keine Fördergelder gibt, geißeln sie besonders einen mangelhaften, intransparenten Begutachtungsprozess, der gegenwärtig hinter verschlossenen Türen durchgeführt wird. Das heißt, die Öffentlichkeit erfährt nie, wie effektiv die Begutachtung wirklich ist. Die Autoren sprechen sich für ein interaktives Format der Begutachtung aus, bei dem Begutachter und Autoren in Echtzeit in einer Art Forum diskutieren. Zudem sollte das System für jeden offen und einsehbar sein, während die Begutachter selbst ihre Anonymität bewahren können. Dies würde es vor allem jungen Forschern erlauben, sich über eine Studie eines etablierten Wissenschaftlers kritisch zu äußern, ohne dass sie damit gleich ihre Karrierechancen gefährden.

Quelle: www.newscientist.com

 
zur Startseite