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Glyphosat – Warum kriegen wir es nicht los?

Zulassung für umstrittenes Pestizid um weitere 5 Jahre verlängert

1 335 518 Menschen beteiligten sich an einer EU-Bürgerinitiative gegen die Verlängerung der Zulassung für Glyphosat. SPD und Grüne wollten das Gift auch nicht länger. Umweltverbände schlugen Alarm und führten verschiedene Aktionen durch. Aber wir kriegen das Herbizid offensichtlich nicht los.
Die CSU verstieß gegen die Geschäftsordnung der Bundesregierung. Obwohl sie wusste, dass die SPD gegen eine weitere Zulassung von Glyphosat ist, enthielt sie sich nicht der Stimme, sondern stimmte dafür. Damit gab sie den entscheidenden letzten Impuls für den Ausschlag der EU-Waage zu weiteren fünf Jahren mit dem umstrittenen Unkrautvernichtungsmittel.
Warum tat sie das? Eine bundesweite Studie an 2001 Menschen zeigte im letzten Jahr, dass in so gut wie jedem Urin Glyphosat zu finden ist – in 99,6 Prozent der Proben. Bei 79 Prozent der TeilnehmerInnen lag die Belastung 5- bis 42-fach über dem Rückstandshöchstwert für Pestizide im Grundwasser. Etliche Studien zeigen, dass die Glyphosat-Schwemme für Menschen und Tiere bedenklich ist. Das Krebsforschungsinstitut der Weltgesundheitsorganisation (IARC) kam schon 2015 zu dem Schluss, dass unter dem Einfluss des Pflanzengiftes Tiere eindeutig häufiger verschiedene Krebsarten entwickeln. Und dass Glyphosat auch beim Menschen das Risiko für Lymphdrüsen- und Lungenkrebs sowie DNA-Schäden erhöht.
Eine Studie der US-Wissenschaftler Anthony Samsel und Stephanie Seneff entdeckte außerdem einen heimtückischen Wirkmechanismus von Glyphosat. Im Laufe der Zeit schürt das Mittel beim Menschen zunehmend Entzündungen, wodurch Zellverbände im ganzen Körper untergehen können. Dies kann den Autoren zufolge zu Magen-Darm-Erkrankungen, Fettleibigkeit, Diabetes, Herzerkrankungen, Depressionen, Autismus, Unfruchtbarkeit sowie Krebs und Alzheimer führen.
Auch aus ökologischer Sicht spricht alles gegen eine Verlängerung der Glyphosat-Zulassung. Eben kam eine Studie von niederländischen, deutschen und britischen Wissenschaftlern heraus, die den drastischen Rückgang der Insekten beleuchtet. Die Untersuchung erhärtet den Verdacht, dass Pestizide im allgemeinen zumindest mitverantwortlich sind für das Sterben der Bienen, Schmetterlinge und auch Vögel. Auch wenn Neonicotinoide hier eine besondere Rolle spielen, vermuten viele Forscher auch, dass Glyphosat mitbeteiligt ist. Auf jeden Fall tötet es Ackerwildkräuter und entzieht damit Insekten auf riesigen Flächen die Nahrungsgrundlage.
Warum also schützt uns die Regierung nicht vor diesem gefährlichen Mittel? Weil es auch etliche Studien gibt, die Glyphosat als harmlos einstufen? Es ist hinreichend bekannt, dass Monsanto Wissenschaftler dazu anregt, positive Studien zu Glyphosat zu erstellen und in Fachzeitschriften positiv über Glyphosat zu berichten. Die Zeitung „Le monde diplomatique“ berichtete wiederholt über entsprechende Aktionen des Konzerns, der natürlich nicht auf seinen Jahresumsatz von 2 Milliarden US-Dollar mit dem Breitbandherbizid Round Up, das Glyphosat enthält, verzichten möchte.
Für die Konzerne bedeutet der Zeitgewinn Milliardengewinne, für Menschen und Natur dagegen eine große Umweltbelastung.
(AF)

Jeder, der sich für einen nationalen Ausstieg aus Glyphosat einsetzen will, kann hier einen Appell von BUND Naturschutz an Bundeskanzlerin Angela Merkel schicken.

Quellen:

http://www.umweltinstitut.org/aktuelle-meldungen/meldungen/urinale-jetzt-urin-auf-glyphosat-testen.html

https://www.zentrum-der-gesundheit.de/monsanto-glyphosat-krebserregend-ia.html

http://www.mdpi.com/1099-4300/15/4/1416

http://www.sueddeutsche.de/wissen/insektensterben-dramatischer-insektenschwund-in-deutschland-1.3713567

http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0185809

http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2017-10/glyphosat-monsanto-wissenschaftler-bestechung-eu-kommission

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