Indien bannt Nervengift

Nach 35 Jahren wurde nun in Indien das Insektizid „Endosuflan“ verboten. Die Chemikalie wurde früher zweimal pro Jahr mit Helikoptern über den Feldern Indiens versprüht, um Pflanzen vor Schädlingen zu schützen. Das Gift hat jedoch nicht nur große Schäden bei der Artenvielfalt angerichtet, sondern auch schwere gesundheitliche Folgen für die Menschen in den betroffenen Gebieten. Endosulfan ist ein Nervengift. Verkrüppelte Gliedmaßen sowie ein verkrümmter Torso können Folgen des Kontaktes mit dem Pestizid sein. Allein in der Region Kerala im Süden Indiens sind 4 880 Menschen als Opfer des Gifts identifiziert. Die Dunkelziffer dürfte jedoch um einiges höher liegen, da zu viele Menschen nicht in das vom Staat eingerichtete Hilfs-programm aufgenommen werden. In dieses Programm wird allerdings nur ein minimaler Betrag gezahlt, wodurch die medizinische Versorgung kaum gewährleistet ist. Zudem wird durch die Chemikalie auch das Erbgut beschädigt, wodurch behinderte Kinder keine Seltenheit sind. Die Nachfahren der vergifteten Bevölkerung können aber nicht beweisen, dass ihre Invalidität auf das Gift zurückzuführen ist. Daher bekommen die Geschädigten keine zusätzliche Hilfe vom Indischen Staat. Ohne Familie oder Freunde müssen sie sich durch Betteln ernähren. Der Landwirtschaftsminister gibt sich derweil gelassen. Auf die Frage, ob er von Opfern wüsste, die keine Entschädigung bekommen haben, antwortet er nur: „Solche Opfer kenne ich nicht.“

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