Ist Fassadendämmung tatsächlich sinnvoll?

Neue Studien lassen zweifeln

Die staatlich verordnete Fassadendämmung in Deutschland ist allgemein erwünscht und wird als sinnvoll angesehen. Laut einer Studie des Darmstädter Instituts für Wohnen und Umwelt (IWU) lässt sich damit bis zu 70 Prozent Heizenergie einsparen. Quellen der zugrundeliegenden Prognosen sind jedoch nicht etwa Daten von echten Verbrauchern, sondern lediglich Computersimulationen. Eine Studie von 1996 kam zu einem anderen Ergebnis: Gedämmte Häuser verbrauchen sogar mehr Energie als ungedämmte, da massive Wände über den Tag Wärme speichern und sie in der Nacht in den Innenraum abgeben. Bei Fassadendämmung ist das nicht der Fall, sie ist darauf ausgelegt, Heizwärme im Haus zu behalten und kann daher auch keine Wärme von außen aufnehmen. Eine weitere Studie des Instituts für Bauphysik der Fraunhofer-Gesellschaft (IBP) aus den achtziger Jahren belegte, dass ungedämmte Häuser weniger Gas oder Heizöl verbrauchen. Eine Heizungsmodernisierung kann hingegen immer Energie einsparen. Ein weiteres Problem bei der Fassadendämmung ist die Feuchtigkeit, die in den Kunststoff eindringt und Schimmel oder Algenbefall verursacht. Um dem entgegenzuwirken, wird die Oberfläche eines gedämmten Hauses mit starken Pestiziden und zusätzlich oft mit dem Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan besprüht. Was nicht immer hilft, wie der Fassadenbrand am Polat Tower in Istanbul am 17.Juli 2012 zeigte, an dem 152 Meter gedämmte Fläche in knapp vier Minuten abgebrannt ist.

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