Von Menschen und Mäusen

Forscher züchten menschliche Mini-Leber

Japanische Forscher von der Yokohama University haben Mäusen menschliches Lebergewebe in den Kopf eingepflanzt und so eine vier bis fünf Millimeter große menschliche Mini-Leber in den Tieren gezüchtet. Für die Versuchsreihe wurden Mäuse mit einem defekten Immunsystem verwendet, damit sie das Fremdgewebe nicht abstoßen. Die Forscher hatten induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen), die etwa aus menschlichen Hautzellen gewonnen werden können, zu omnipotenten Stammzellen verjüngt und diese in Petrischalen zu Vorläufern von Leberzellen heranwachsen lassen. Dann fügten sie menschliche Zellen aus Nabelschnurgewebe und Bindegewebszellen hinzu. Nach einigen Tagen sollen sich daraus dreidimensionale Strukturen entwickelt haben. Nun hoffen die Wissenschaftler, dass sie damit einst Menschen mit Leberschäden behandeln können. Doch dürfte noch ein weiter Weg vor ihnen liegen, denn die gezüchtete Leber ist nicht perfekt. Der Stammzellenforscher Tobias Cantz (Universität Hannover) kommentierte den „Erfolg“ der Japaner: „Nach den in ‚Nature’ präsentierten Daten ist noch unklar, ob sich in dem Gewebe auch Gallengänge bilden, über die die giftigen Stoffe aus der Leber herausgeleitet werden können.” Zudem sei unklar, wie sich die Mini-Leber bei einer Schädigung durch Gifte verhalten würde. Der japanische Stammzellenforscher Takanori Takebe geht davon aus, dass erste Studien mit Leberkranken in zehn Jahren beginnen könnten. Angesichts solcher Experimente sollte sich jeder angespornt fühlen, ein gesundes Leben zu führen, um dieser Frankenstein-Medizin nicht anheim zu fallen.  

Quelle: www.t-online.de/nachrichten

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