Pestizide auf dem Vormarsch

Alarmierende Zahlen

Besorgniserregenden Ergebnisse zur Qualität unserer Lebensmittel weist eine Untersuchung des Pestizid Aktions-Netzwerks (PAN) und der Umweltschutzorganisation Global 2000 auf. Demnach sind Kopfsalat, Tomaten, Gurken, Äpfel und Lauch die mit Pestiziden am höchsten belasteten Lebensmittel in der EU. Verbraucher konsumieren bis zu 30 verschiedene Pestizide, im schlimmsten Fall enthält ein einzelnes Lebensmittel ein Gemisch von über 20 dieser hormonaktiven Substanzen. Die Analyse basiert auf den Überwachungsdaten der europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA). Pestizide greifen in den Hormonhaushalt von Menschen und Tieren ein und können das gesamte endokrine System stören. Die wirksamen Konzentrationen solcher Chemikalien sind extrem klein, vergleichbar dem 20sten Teil eines Wassertropfens in einem großen Schwimmbecken. Zahlreiche wissenschaftliche Studien weisen auf einen Zusammenhang zwischen hormonell wirksamen Chemikalien in Lebensmitteln und steigenden Zahlen von Fruchtbarkeitsstörungen, Krebserkrankungen, Adipositas, Diabetes und weiteren chronischen Erkrankungen hin. PAN und Global 2000 geben für identifizierte Pestizide in Lebensmitteln Summenwerte von bis zu 1 300 Mikrogramm pro Kilo bei Blattsalat an. Susanne Smolka von PAN Germany spricht von Besorgnis erregenden Zahlen, „da bereits geringste Mengen ein Gesundheitsrisiko darstellen können, besonders während empfindlicher Entwicklungsphasen von Kindern.“ Daher sei ein sehr wichtiger Schritt der Vorsorge, dass die neuen überarbeiteten EU-Gesetzgebungen bei Pestiziden und Bioziden hormonell aktive Wirkstoffe nicht mehr zuzulassen. Damit Stoffverbote in Zukunft tatsächlich erfolgen können, muss die EU-Kommission zunächst bis zum Dezember 2013 Kriterien zur Identifizierung hormonaktiver Eigenschaften bei Pestiziden und Bioziden ausarbeiten. Susanne Smolka beklagt bei der Auffindung solcher Kriterien die Position des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Dieses habe das Vorsorgeprinzip nicht ausreichend umgesetzt. Sollte sich daher der BfR-Vorschlag durchsetzen, würden viele hormonelle Wirkstoffe durch das Regulierungsnetz rutschen. Verbrauchern empfehlen die Umweltschutzorganisationen, zumindest bei den besonders belasteten Obstund Gemüsesorten auf Bio-Produkte umzusteigen. Weitere praktische Tipps zur Vermeidung von hormonellen Chemikalien, sowie Hintergrundinformationen zu den Gesundheitsund Umweltrisiken haben PAN und Global 2000 in einer Informationsbroschüre zusammengefasst.

Download unter: www.pan-germany.org/ download/ED_Pestizide.pdf

Passend zum Thema finden Sie einen ausführlichen Artikel in unserer neuen Ausgabe 181 

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