Rund die Hälfte unserer Lebensmittel - bis zu 20 Millionen Tonnen allein in Deutschland - landet im Müll

Jedes Jahr landen allein in Deutschland bis zu 20 Millionen Tonnen Lebensmittel einfach im Müll – vor Supermärkten, aber auch in Privathaushalten. Pro Familie werden im Schnitt 100 Kilo Lebensmittel einfach weggeworfen. Zahlen, die der Kölner Buchautor Stefan Kreuzberger recherchiert hat. 

„Wir werfen ungefähr im Wert von 400 Euro im Jahr weg. Das addiert sich zu 10 bis 20 Millionen Tonnen Lebensmitteln, die im Jahr weggeworfen werden, und das ist immens viel. Wenn man sich die gesamte Produktionskette vom Acker bis zum Teller anschaut, dann sind das 50 Prozent der für den menschlichen Verzehr produzierten Lebensmittel, die tatsächlich vernichtet oder untergepflügt werden, verderben oder vom Verbraucher weggeschmissen werden.“ 

Mit dieser Menge ließen sich 500.000 LKW beladen – aneinander gereiht würden sie von Berlin bis Peking reichen. Ein Skandal, so Stefan Kreutzberger, der sich nicht zuletzt auch historisch entwickelt hat:

"Mit der Einführung von Supermärkten, der Einführung von Fast-Food-Ketten und der Tiefkühlkost - der Amerikanisierung der deutschen Ernährungskultur - kam es eigentlich zu dieser Wegwerfgesellschaft, zu dieser Überproduktion, mit der wir tagtäglich leben.“ 
Und die fatale Folgen hat. Denn Lebensmittel, die aufwändig hergestellt und am Ende dann doch weggeworfen werden, sind eine Verschwendung von Energie und Rohstoffen. Sie belastet das Klima und verschärft den Hunger in der Welt. Außerdem sorgt der Überfluss dafür, dass die Menschen den Bezug zu ihren Lebensmitteln verlieren, meint auch der Filmemacher Valentin Thurn:
"Also es geht um Wertschätzung. Lebensmittel sind nicht irgendeine Ware, sondern etwas ganz besonderes, die Basis unseres Lebens ohne die können wir nicht überleben und dieses industrielle System sorgt für eine gewisse Entwertung.“ 

Mit dem Kinofilm „Taste the Waste“ und dem gemeinsamen Buch „Die Essensvernichter“ wollen Thurn und Kreutzberger eine Diskussion in Deutschland anregen. Unterstützt werden sie dabei von kirchlichen Hilfsorganisationen wie Brot für die Welt. Politik und Handel sollen im Großen umsteuern. Und jeder einzelne soll über seinen Umgang mit Lebensmitteln nachdenken. Am besten schon vor dem nächsten Einkauf.  

Mehr Infos:

Das Buch zum Film: "Die Essensvernichter"
von Stefan Kreutzberger und Valentin Thurn


Rund die Hälfte unserer Lebensmittel landet im Müll. Jeder zweite Kopfsalat, jede zweite Kartoffel und jedes fünfte Brot wird aussortiert bevor es überhaupt unseren Esstisch errreicht. Alles soll jederzeit verfügbar sein und alles muss perfekt aussehen. Der Wunsch der Konsumenten, über alles jederzeit verfügen zu können, verschärft den weltweiten Hunger. Würden wir weniger wegwerfen fielen die Weltmarktpreise und es stünde genug für die Hungrigen der Welt zur Verfügung. Dem Skandal der Lebensmittelvernichtung - der in hohem Maß auch zum Klimawandel beiträgt - ist auf internationaler, aber auch auf individueller Ebene zu begegnen.

Das Buch enthält viele Anregungen, wie jeder Einzelne umsteuern kann: durch regionale Einkaufsgemeinschaften etwa, die Bauern und Kunden direkt zusammenbringen, oder eine gesunde Küche, die sich auf das Verarbeiten von Resten versteht. Aber auch durch Verbraucherdruck auf Supermärkte, Waren kurz vor Ablauf billiger zu verkaufen oder zu verschenken. 

www.sueddeutsche.de

www.tastethewaste.com

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