Unethische Arzneimitteltests

Pharmakonzerne benutzen kranke Menschen in Schwellenländern

Die Menschenrechtsorganisation „Erklärung von Bern“ (EvB) hat eine Aufklärungskampagne zu unethischen Medikamententests gestartet. Wie die Organisation selbst recherchiert hat, verlagern westliche Pharmakonzerne ihre klinischen Versuche zunehmend in Schwellenländer wie Russland, Brasilien oder China, in denen sie nur wenige Auflagen haben, schneller fertig sind und billiger weg kommen. Billig abgespeist werden dabei leider oft die Probanden. Oft sind dies kranke Menschen, die sich keine Behandlung leisten können und große Hoffnungen auf die Versuchsreihe setzen. Nicht selten werden diese Hoffnungen aber in vielerlei Hinsicht enttäuscht. Zunächst werden die Teilnehmer häufig zu wenig über den möglichen Nutzen und die Risiken aufgeklärt. Dann werden die Patienten wieder völlig ihrem Schicksal überlassen, sobald die Studie beendet ist. Nach EvB sollten die Teilnehmer weiterhin kostenfrei die getesteten Medikamente erhalten können, wenn sie dies wünschen. Am Schlimmsten sind die Teilnehmer aber dran, wenn die Medikamente Schäden verursachen. In diesen Fällen ziehen sich die Konzerne gerne und meist erfolgreich aus der Affäre und leugnen jeden Zusammenhang, damit sie keine Entschädigungen zahlen müssen. So konnte zum Beispiel Glaxo Smith Kline kein Zusammenhang nachgewiesen werden, als bei einer Studie zu einem Impfstoff gegen Lungen-, Mittelohr- und Hirnhauterkrankung in Argentinien 14 Kinder starben. Die argentinischen Behörden verlangten aber immerhin eine Bußgeldzahlung, weil der Konzern gegen die ohnehin milden ethischen Richtlinien verstoßen und zum Beispiel Eltern unter Druck gesetzt hatte, ihre Kinder teilnehmen zu lassen. Ein besonders eindrückliches Beispiel für die Skrupellosigkeit von Pharmakonzernen sind Versuche in Bhopal. Als wären die Opfer der größten Chemiekatastrophe der Geschichte nicht schon geschädigt genug, nutzten Pfizer, Glaxo Smith Kline und AstraZeneca die Situation aus und führten in dem Krankenhaus, das extra für diese eingerichtet worden ist, Medikamententests durch. Wie EvB feststellte, übergingen die Wissenschaftler die Patienten dabei in vielerlei Hinsicht, beispielsweise bezüglich des Einverständnisses, der Information und des Schadenersatzes.

Quelle: „Menschliche Versuchskaninchen zum Schnäppchenpreis“, Sonderausgabe Erklärung von Bern 04/September 2013

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