Zweifelhafter Alzheimer-Test

Neues Testverfahren in der Fachwelt umstritten

Je früher, desto besser“, versichern Ärzte und Politiker, wenn es um die Vorsorge schwerer Krankheiten geht. Zumindest in einigen Fällen sind die propagierten Früherkennungen jedoch höchst fragwürdig, wie zum Beispiel bei Morbus Alzheimer. Seit vier Jahren bietet das Unternehmen jung diagnostics aus Hamburg das Testverfahren ARDX an, das eine Alzheimer-Demenz erkennen soll, bevor sie spürbar ist. Untersuchungsmethoden sind eine Kernspintomographie des Kopfes, eine computergestützte Bildanalyse und ein kognitiver Kurztest. Die Aufnahme bestimmter Gehirnregionen soll Protein-Ablagerungen und abgestorbene Nervenzellen zeigen, die als typisch für Alzheimer gelten. Die Aussagekraft dieser Befunde ist jedoch höchst umstritten, weshalb auch die des Testes angezweifelt werden muss. Zum Beispiel haben ein Drittel normal gealteter Menschen Ablagerungen, die einer Alzheimer-Diagnose Anlass geben würden, wie Cornelia Stolze in ihrem Artikel für raum&zeit ausgeführt hat („Aus der Alzheimer-Falle“, Nr. 179). Neben den überflüssigen Ausgaben für solche Tests, die im Moment noch privat bezahlt werden müssen, bergen diese vor allem die Gefahr, die Untersuchten durch Fehldiagnosen in überflüssige Sorge zu versetzen. Und Sorge macht bekanntlich krank. Quelle: „Demenz-Diagnose-Epidemie“, Bioskop, März 2014

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