Neue Studie besagt: Schimpansen kommunizieren fast wie Menschen

Neue Studie zeigt: Schimpansenmütter und ihre Jungen kommunizieren in festen Wechselmustern – ähnlich wie menschliche Gespräche.

Eine aktuelle Studie der Universität Osnabrück liefert neue Hinweise auf die evolutionären Wurzeln menschlicher Kommunikation. Forschende beobachteten, dass Schimpansenmütter und ihre Jungen in freier Wildbahn auf eine Weise miteinander interagieren, die stark an menschliche Gespräche erinnert.

Gesprächsähnliche Muster im Regenwald

Im Kibale-Nationalpark in Uganda analysierte das Forschungsteam um Dr. Bas van Boekholt und Prof. Dr. Simone Pika gemeinsam mit Dr. Alexandra Bosshard von der Universität Zürich die Interaktionen von 17 Schimpansenmüttern und ihren Jungtieren. Die Beobachtungen zeigen, dass ihre Kommunikation vorhersehbaren Wechselmustern folgt: Aktionen und Reaktionen greifen strukturiert ineinander – ähnlich wie Frage-Antwort-Sequenzen beim Menschen.

Diese sogenannten Abfolgen sind ein zentrales Element menschlicher Gespräche. Sie ermöglichen Austausch, ohne den Inhalt der Antwort festzulegen, und gelten als grundlegender Baustein von Sprache.

Älter als die menschliche Sprache?

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass solche Interaktionsstrukturen bereits existierten, bevor sich Sprache entwickelte. Damit könnten sie zu den evolutionären Voraussetzungen menschlicher Kommunikation gehören. Während frühere Studien Tierkommunikation oft als starr betrachteten, zeigt diese Untersuchung ein hohes Maß an Flexibilität und gegenseitiger Anpassung.

Besonders auffällig: Bestimmte Gesten und Handlungen traten regelmäßig gemeinsam auf – vergleichbar mit wiederkehrenden Gesprächsthemen beim Menschen.

Neue Perspektiven auf Sprache und Evolution

„Die zugrunde liegende Struktur der Interaktion ist überraschend ähnlich und systematisch organisiert“, erklärt Prof. Dr. Simone Pika. Die Studie, veröffentlicht in Proceedings of the Royal Society B, eröffnet neue Möglichkeiten für vergleichende Forschung und könnte helfen zu klären, wann und wie die Grundbausteine menschlicher Sprache entstanden sind.

Quellen

Pressemitteilung 130/2025 der Universität Osnabrück, vom 26.11.25

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