6. Vagusnerv-Stimulation
Vorteil: Man muss nichts einnehmen. Die Vagusnervstimulation (VNS) ist eine vielversprechende, nichtmedikamentöse Therapieoption bei Migräne – insbesondere für Patienten, die auf klassische Behandlungen unzureichend ansprechen. Die Vagusnerv-Stimulation (VNS) aktiviert – mit schwachen elektrischen Impulsen – gezielt den Vagusnerv, einen der wichtigsten Nerven des parasympathischen Nervensystems.
- Invasive VNS: Implantat unter der Haut (v. a. bei Epilepsie)
- Nicht-invasive VNS (nVNS): z. B. mit tragbaren Geräten wie gammaCore, die elektrische Impulse über die Haut am Hals abgeben
7. Niedrigdosiertes Lithium
In seinem Buch „Das Lithium-Komplott“ beschreibt Dr. Nehls Lithium als zentralen Regulator für das mentale Immunsystem, die Autophagie (zelluläre Selbstreinigung) und die neurovaskuläre Balance. Es wirkt neuroprotektiv und entzündungshemmend, was bei Migräne von zentraler Bedeutung ist.
8. Homöopathie
Hier gilt – wie oben erwähnt – Fehlschläge sind nicht der Therapiemethode anzulasten, sondern im Zweifel der suboptimalen Verschreibung des Therapeuten. Gerade die Homöopathie – insbesondere im Bereich der Hochpotenzen – ist weniger eine standardisierte Technik als vielmehr eine Form der Heilkunst, die tiefes Verständnis, Erfahrung und Intuition erfordert. Ergänzend sei angemerkt: Auch einige Niedrigpotenz-Fertigpräparate verdienen einen Therapieversuch – sie können bei bestimmten Konstellationen durchaus wirksam sein und sind oft leichter zugänglich und günstiger.
9. Neuraltherapie
Die Neuraltherapie ist eine alternative medizinische Methode, die bei
Migräne zur Schmerzreduktion und Regulation des Nervensystems eingesetzt wird – insbesondere bei chronischen oder therapieresistenten Verläufen. Sie nutzt Lokalanästhetika wie Procain, um gestörte Regelkreise zu unterbrechen und die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren. Amüsant und historisch dokumentiert: Die Migräneheilung durch versehentliche Procain-Injektion bei der Schwester von Dr. Huneke. Einige Praxen berichten von schneller Linderung akuter Migräneanfälle und Reduktion der Anfallshäufigkeit. Gute Neuraltherapeuten sind nicht einfach zu finden. Beachten Sie: Die sogenannte „Quaddeltherapie“ gilt als unproblematisch. Bei tiefergehenden Injektionen ist jedoch Vorsicht geboten – hier ist fundiertes anatomisches Wissen und Erfahrung des Neuraltherapeuten unerlässlich.
10. Melatonin gegen Migräne
Mehrere wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass das Hormon Melatonin nicht nur den Schlaf reguliert, sondern auch eine hilfreiche Rolle bei Migräne-Therapie spielen kann. Beispielsweise zeigte Melatonin in einer placebokontrollierten Studie eine sehr gute Wirksamkeit in der Migräne Prophylaxe (Gonçalves et al., 2016). In dieser Untersuchung schnitt Melatonin ähnlich gut ab wie das häufig eingesetzte Antidepressivum Amitriptylin – und das ganz ohne Nebenwirkungen. Amitriptylin gilt aufgrund seiner gut belegten Wirksamkeit als Mittel der ersten oder zweiten Wahl zur Vorbeugung von Migräne.
11. Laborwerte, die eine Rolle spielen und erhoben werden sollen:
Ferritin (Eisenwert); Vitamin D ist ein zentraler Laborwert bei Migräne, besonders bei chronischen Formen (Optimal sind Werte zwischen 40–60 ng/ml); Homocystein (erhöhte Werte können Migräne begünstigen) und die Entzündungsmarker (CRP, IL-6, TNF-α), da Migräne mit systemischer Entzündung einhergehen kann, die therapiert werden sollte.
Fazit
Diese hoffentlich hilfreiche Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit – doch nur wenige Migränepatienten dürften sämtliche genannten Ansätze bereits ausprobiert haben. Häufig liegt der Schlüssel zum Erfolg nicht in der einzelnen Maßnahme, sondern in der gezielten Kombination mehrerer Methoden, die sich gegenseitig ergänzen und individuell auf die jeweilige Ursache(n) und die Lebenssituation abgestimmt werden können. Darin liegt der Schlüssel zum Erfolg.