Das Immunsystem

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Was uns stark macht

Artikelnummer: th-45-01 Kategorien: ,

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Wenn man sieht, welche Naturintelligenz hinter unserem Immunsystem steht, wie hochkomplex und differenziert es ist, wundert man sich eigentlich, dass man jemals krank werden kann. Hier ein Überblick über die verschiedenen Ebenen, Orte und Funktionsweisen unserer Abwehr, von der weitläufigen äußeren Körperhülle bis zur kleinen Killerzelle im Lymphknoten. Erfahren Sie auch, wie Sie Ihre Gesundheit unterstützen können!

Wir sind nicht allein: In jedem Augenblick unseres Lebens sind wir von Millionen Mikroorganismen umgeben. Sie sind in der Luft, auf oder in Nahrungsmitteln, auf unserer Haut und gelangen auf verschiedenen Wegen in den Körper. Wir begegnen ihnen auf Türklinken und Tastaturen, in der U-Bahn, im Park, beim Schmusen mit Hund und Katze oder im Bett unseres heißen Flirts. Nicht alle Bakterien, Viren oder Pilze, die uns umgeben, sind pathogen, also krankmachend. Manche davon leben auch unser ganzes Leben mit uns als wohlwollende Symbionten, beispielsweise unser Darmmikrobiom oder unsere natürliche Hautflora. Beide Systeme bestehen aus einer Vielzahl an Mikroorganismen und helfen uns, gesund zu bleiben. Den pathogenen Erregern jedoch hat der Körper ein ausgeklügeltes und potentes Abwehrsystem entgegenzusetzen, das Immunsystem. Deshalb erkranken wir nur selten an einer Infektion, auch wenn wir dauerhaft in einer von Keimen dicht besiedelten Umgebung leben. Vom lateinischen immunis („unberührt, frei, rein“) abgeleitet, gibt uns der Begriff die Aufgabe des Abwehrsystems an: Fortwährend unterscheidet unser Immunsystem zwischen körpereigenen und körperfremden Substanzen und ist bestrebt, die individuelle Integrität des Organismus zu bewahren und gleichzeitig normale Bestandteile unserer Umgebung zu dulden. Bei einer Allergie reagiert das Abwehrsystem unverhältnismäßig auf normale Bestandteile unserer Umgebung und wir leiden an dessen überschießenden Reaktionen. Bei einer Autoimmunerkrankung ist das System fehlgeleitet und die Abwehrmechanismen greifen fälschlicherweise körpereigene Strukturen bis zu deren Zerstörung an. An anderer Stelle können wir froh sein, wenn das Immunsystem körpereigene Zellen zerstört, etwa bei krankhaft veränderten Zellen oder Tumorzellen, die laufend im Körper entstehen.

Schrittweise Entwicklung

Wir kommen mit noch unvollständig entwickeltem Immunsystem zur Welt. Im Mutterleib bildet der Fötus bereits Antikörper und bekommt zusätzlich IgG-Antikörper über die Plazenta. Während einer natürlichen Geburt schluckt das Baby Flüssigkeit im Geburtskanal, welche den Grundstein für das Darmmikrobiom bildet. Nach der Geburt nimmt es über engen Hautkontakt zu den Eltern Keime auf, was die Produktion von Antikörpern stimuliert. Ein wichtiger Faktor für die Gesundheit ist das Stillen, denn über die Muttermilch erhält das Baby IgA-Antikörper, welche sich konkret gegen Keime richten, die Schleimhäute befallen. Sogar an der Darmflora lässt sich erkennen, ob ein Kind gestillt wird oder Flaschennahrung erhält: Gestillte Babys entwickeln in den ersten Wochen eine milchsäurebildende Mikrobiota aus Bifidobakterien und Laktobazillen. Die Milchsäure erschwert es krankmachenden Erregern, sich im Darm anzusiedeln. Bei Flaschenkindern wurde im Gegensatz dazu ein erwachsenenähnliches Mikrobiom nachgewiesen. In der kindlichen Entwicklung ist ein ausreichender Kontakt mit Mikroorganismen nötig, um Antikörper gegen unsere natürliche Umwelt auszubilden. Besonders günstig für die gesunde Entwicklung des Immunsystems ist der häufige Aufenthalt in der freien Natur, das Spielen mit anderen Kindern und der Kontakt zu gesunden Tieren: In ihrem Fell befinden sich Exotoxine, das sind Abbauprodukte von Bakterien, die eine starke Wirkung auf das Immunsystem haben. Das erklärt, warum Kinder, die naturverbunden oder auf einem Bauernhof aufwachsen, oftmals ein robusteres Immunsystem aufweisen – das Allergierisiko ist vermutlich von den Lebensumständen abhängig. Schädlich für das kindliche Immunsystem ist eine zu hygienische Umgebung, da das Immunsystem so nicht trainieren kann. Auch Antibiotikagaben ohne nachfolgenden Aufbau der Darmflora sind für das Abwehrsystem nachteilig, da Antibiotika nicht nur die schädlichen Erreger, sondern auch unsere freundlichen Darmbewohner ausschalten. Das Darmmikrobiom ist aber für eine Vielzahl von Funktionen für unsere grundlegende Gesundheit zuständig – unter anderem schützt es die Darmschleimhaut durch die Bildung kurzkettiger Fettsäuren und verdrängt krankmachende Erreger. Unser zu hygienischer und zu isolierter Lebensstil kann ein Faktor für die Entstehung von Autoimmunerkrankungen und Allergien sein, deren stetige und deutliche Zunahme Kinderärzte in den letzten Jahrzehnten beobachten. Sowohl Autoimmunerkrankungen (wie Diabetes mellitus Typ I, Colitis ulcerosa, glutensensitive Enteropathie) als auch Allergien (wie Nahrungsmittelallergien, Heuschnupfen) gehören zu den entzündlichen Erkrankungen, die teils stark belastende Symptome hervorbringen…

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