Individuelle Impfentscheidung

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Der Arzt als Lotse der Eltern

Artikelnummer: sp-5-03 Kategorien: ,

Vieles in der Medizin ist von der Angst geprägt, etwas zu versäumen. Das betrifft auch das Thema Impfen. Auf der Strecke bleibt eine menschliche, eine sprechende Medizin. Stephan Nolte, Kinderarzt und Autor mehrerer Bücher zu diesem Thema, gibt einen Impfüberblick und zeigt, woran unser Gesundheitssystem krankt.

Wir leben heute in der Pandemie der Angst – und Gesundheitsängste stehen ganz oben. Sie werden von denen, die daran verdienen, kräftig geschürt. Wenn wir uns über Impfungen unterhalten, müssen wir uns notgedrungen auch mit den Krankheiten beschäftigen, gegen die wir impfen wollen oder sollen. Auf der anderen Seite ist es nicht gerade „salutogenetisch“, also gesundheitsfördernd, sich mit allen zum Teil sehr seltenen Erkrankungen zu beschäftigen. Angst ist kein guter Ratgeber. Nichts schwächt das Immunsystem mehr als Unsicherheit und Angst. Soviel vorneweg.

Schutz des Individuums

Es gibt Impfungen, die eine individuelle Schutzwirkung haben, etwa Tetanus (Wundstarrkrampf). Er ist nicht ansteckend, sondern wird durch im Boden befindliche Sporen verursacht, die bei tieferen Verletzungen zu Toxin produzierenden Bakterien werden. Wir impfen nicht gegen die Erreger, sondern deren Giftprodukte: das Tetanustoxin. Die Impfung hat keine epidemiologische Auswirkung.

Schutz der Gesellschaft

Masern als Beispiel sind dagegen bei „sonst gesunden“ Kindern keine wirklich schlimme Krankheit, aber hoch ansteckend: Ein Erkrankter steckt ungefähr 15 andere Menschen an. Der „R-Wert“ liegt bei Masern zwischen 12 und 18, bei Corona lag er in Spitzenzeiten bei 1 bis 1,2. Da Masern eine lebenslange Immunität geben, und eine durchgemachte Masernerkrankung das Neugeborene bis weit ins erste Lebensjahr schützt, ist es möglich, die Masern durchs Land ziehen zu lassen. Wenn alle die Masern durchgemacht haben, kann keiner mehr erkranken. Ich selbst, 1955 geboren, habe die Masern durchgemacht. Nur geht das heutzutage nicht mehr. Es gibt zu viele chronisch Kranke und „Menschen mit Vorerkrankungen“, die gefährdet wären.

Wichtiger Nachteil der Impfung gegenüber der Infektion ist, dass Schwangere ihrem Ungeborenen keine ausreichende Schutzwirkung, den „Nestschutz“ mitgeben können. Daher können heutzutage auch Säuglinge, die man noch nicht impfen darf, an Masern erkranken, wie wir es bei den letzten kleineren Ausbrüchen in Deutschland erlebt haben. Diese wiederum haben ein gewisses Risiko, an einer schweren fortschreitenden Hirninfektion zu erkranken, der sogenannten „Subakut Sklerosierenden Meningoenzephalitis“ (SSPE). Über das „Wie“ der Masernimpfpflicht, und über das Impfschema, vor allem in Kombination mit anderen Lebendimpfstoffen (Mumps, Röteln und zuletzt Windpocken) kann man streiten und ich bin damit alles andere als glücklich.

RSV-Prophylaxe

Direkt nach der Geburt wird seit Kurzem eine passive Immunisierung, eine Art künstlicher Nestschutz gegen das RS-Virus (RSV: Respiratory Syncytial Virus) empfohlen. RS-Virusinfektionen sind verbreitet und alle bekommen sie irgendwann und öfter, auch diese sind bei „sonst gesunden“ Kindern relativ unbedeutend. Weil durch die Kontaktbeschränkungen während der „Pandemie“ die normalen Infektionsmöglichkeiten, die das menschliche Beisammensein mit sich bringt, massiv reduziert waren, kam es nach Corona zu einer massiven RSV-Epidemie, die weitaus schlimmer war als Corona bei Kindern. Jedenfalls ist die Aufnahme in den Impfkalender von „Beyfortus“, so heißt der 450 Euro teure Antikörper, mit einer überraschenden Schnelligkeit passiert. Ich halte die Maßnahme bei gesunden Neugeborenen für überflüssig und zu teuer. Geld, was überall sonst fehlt.

Rotaviren

Die zweite Impfung bei Säuglingen, die empfohlen wird, ist eine Schluckimpfung gegen Rotaviren. Das sind „normale“ Durchfallerreger. Sinnvoller wäre es, Eltern-Schulungen durchzuführen. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, auch wenn das Kind erbricht, mit entsprechend aufgelösten Zucker-Salz-Tee Tütchen (Orale Rehydratationslösung, international ORS) kann, richtig angewandt, neben Rota auch Noro- und andere Durchfallerreger behandeln und ist viel nachhaltiger, vor allem in armen Ländern. Aber die große GAVI (Global Action for Vaccination and Immunisation) heißt so, weil es um Impfungen und nicht um Kindergesundheit geht. Bei gestillten Kindern geht die Impfung mit den abgeschwächten Erregern unter Umständen gar nicht an, weil es keinen besseren Schutz vor solchen Infektionen gibt, als zu stillen! Tatsächlich hat die STIKO zeitweilig empfohlen, mit dem Stillen solange auszusetzen!

Kombi-Impfungen

Als nächstes kommt die Kombinationsimpfung Tetanus-Diphtherie-Polio-Keuchhusten-Hämophilus-Influenzae B und Hepatitis B dran, nach dem Willen der STIKO mit acht Wochen unabhängig von Größe, Gewicht und Entwicklung des Kindes. Das ist eine Impfung mit Erregerbestandteilen (Totimpfung), die nicht ansteckend sind. Zusätzlich werden …

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