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Was tun, wenn die natürliche Abwehr nicht mehr nachkommt? Wie neuere Forschungen zeigen, gibt es eine Fülle von Dingen, die wir selbst tun können, um den Körper zu unterstützen. Hier einige Anregungen dazu oder Erinnerungen daran, mithilfe natürlicher Prinzipien Kraft zu tanken, sei es an der Sonne, im Schlaf, im Wald oder mithilfe von Pflanzen.
Eigentlich spüren wir instinktiv, was unseren Organismus stärkt. Im Alltag überhören wir aber oft Impulse wie „ich brauche dringend Sonne“, „ich muss schlafen“ oder „wie schön wäre jetzt Waldluft“ – Wissenschaftliche Forschungen belegen jedoch, dass unser Instinkt völlig Recht hat!
Vitamin D hält gesund
Wie wichtig beispielsweise das Sonnenvitamin für uns ist, wurde in den vergangenen Jahren zunehmend bekannter. Für den Ernährungsmediziner Professor Jörg Spitz, Gründer der Akademie für menschliche Medizin in Schlangenbad bei Wiesbaden, ist das Vitamin D-Hormon ein Überlebens-Molekül: „Nahezu alle Körperzellen haben Rezeptoren für Vitamin D, so ist es wahrscheinlich, dass dies auch für die Zellen des Immunsystems gilt.“ Im Darm, fährt er fort, sind mehr Bakterien und Viren enthalten, als ein Mensch körpereigene Zellen hat. „Das Mikrobiom steht in inniger Verbindung sowohl mit dem Immunsystem als auch unserem Gehirn, und der Darm als Schlüsselfaktor des Immunsystems profitiert vom Sonnenhormon.“ Der Darmepithel-Vitamin D-Rezeptor spielt bei der Kontrolle von Schleimhautentzündungen eine Schlüsselrolle. „Die Vitamin D-Steuerung im Darm bewirkt, dass die Schleimhautbarriere gestärkt wird. Und eine gesunde und intakte Barriere verhindert das Eindringen von Bakterien in den Blutkreislauf und reduziert so Schleimhautentzündungen.“
Zudem schwächt Vitamin D Immunreaktionen, die durch T-Zellen vermittelt werden.
Therapeutische Ansätze gibt es bereits, sagt Spitz. Er beruft sich auf eine Publikation aus dem Jahr 2016: Ein allgemeiner Vitamin D-Mangel verursacht im Darm einen Vitamin B-Mangel, was zu „stillen Entzündungen“ führt, die sich schädlich auf das ganze Immunsystem auswirken. Nach drei Monaten Supplementierung von Vitamin D plus 100 mg aller B-Vitamine verbesserte sich die Darm-Symptomatik nachweislich bei 1 000 neurologischen Patienten, die auch weniger Schmerzen empfanden. „Die Kombination von Vitamin D und B-Vitaminen schafft ein Darmmilieu, das die Wiederherstellung der vier spezifischen Spezies Actinobacteria, Bacteroidetes, Firmicutes und Proteobacteria begünstigt, die das normale menschliche Mikrobiom ausmachen.“ Um das Immunsystem zu unterstützen, empfiehlt Spitz: Reicht die Eigenproduktion mit Hilfe der Sonne nicht aus, um einen Mangel an Vitamin D zu beseitigen, nehme man täglich eine Dosis ein, die groß genug ist, um den Spiegel in einen Bereich von mindestens 40–60 ng/ml anzuheben.
Schlaf und Entspannung
Eigentlich fordert der Körper sein Bedürfnis nach Schlaf vehement genug ein, um diese für ihn wichtigen Ruhestunden zu erhalten und damit auch unserem Immunsystem die nötige Regeneration und Stärkung zu ermöglichen. In unserer modernen und digitalen Welt gerät der Wach- und Schlafrhytmus jedoch schnell aus dem Gleichgewicht. Drei Stunden ohne Schlaf genügen bereits, um ihn für Infekte anfälliger zu machen, haben Forscher der Universitäten Tübingen und Lübeck festgestellt.
Bei Schlafmangel können sich T-Zellen nicht mehr an infizierte Zellen anheften und sie beseitigen, weil das Stresshormon Adrenalin, Prostaglandine (Gewebshormone) und der Botenstoff Adenosin dies erschweren. „Unsere Studienergebnisse können auch bei der Behandlung anderer Krankheiten helfen, denn Adrenalin und Prostaglandin sind ebenfalls bei chronischem Stress … stark erhöht“, erklärt Dr. Tanja Lange, Internistin und Immunologin in Lübeck. Das bedeutet, nicht nur für das seelische Wohlbefinden ist es förderlich, auf ausreichend Schlaf und Entspannung zu achten, sondern auch um körperlich abwehrstark zu bleiben.
Die Macht der Gedanken
Stress begegnet dem Menschen täglich. Kurzfristig kann er die Leistung steigern, langfristig macht er krank. Wie was wirklich zusammenhängt, darauf machen Forscher, die sich auf Psychoneuroimmunologie und Epigenetik spezialisiert haben, seit einigen Jahren zunehmend aufmerksam.
Dass Krankheiten ausschließlich stoffliche Ursachen und mit der Psyche nichts zu tun haben, ist nachweislich überholt. Der Geist eines Menschen beseelt sein Verhalten und seine Einschätzung von der Welt. Und was er wirklich von dieser hält, spiegeln ihm Immun-, Nerven- und Hormonsystem wider. Alles, was beim Einzelnen körperlich oder mental Stress ausgelöst hat, ist nicht nur in Amygdala oder Hippocampus gespeichert, sondern in jeder Zellmembran, sodass eine Erkrankung folglich den ganzen Menschen betrifft und nicht nur Teile von ihm. „Das biomedizinische Maschinenmodell war gestern, es wird der Komplexität des Menschen nicht gerecht. Wir brauchen eine Revolution!“, fordert Mediziner, Biochemiker und Psychotherapeut Dr. Dr. Christian Schubert, Professor an der Universität Innsbruck/Österreich….
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