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Entzündungen, Geschwüre, Steine – Was will uns der Körper sagen, wenn Magen, Darm, Galle oder Leber scheinbar verrückt spielen? Ruediger Dahlke, berühmter Pionier der Psychosomatik, berichtet aus seiner langjährigen Erfahrung und ermuntert dazu, genauer hinzuspüren.
Die Welt verdauen
Unsere Verdauung hängt von vielem ab. Vordergründig sowohl von allem was wir essen, wie auch dem, was wir nicht essen. Vor allem aber auch von allem, was wir damit verbinden und im Leben erleben, denn Erlebnisse und Erfahrungen sind oft noch schwerer verdaulich als Lebensmittel, die selbstverständlich auch schwer im Magen liegen und den Darm belasten können.
Offenbar werden die Verdauungsorgane in modernen Zeiten ähnlich überfrachtet wie das Leben. Wo zu oft zu viel hineingestopft wird, entsteht Enge und mit ihr Probleme von Magendrücken bis zu Stechen und den typischen Symptomen der Entzündung, hinter der psychosomatisch Konflikte stecken. Wer Emotionen und andere ungeeignete Dinge in Überfülle in sich hineinfrisst, kann erleben, wie eine Magenschleimhaut-Entzündung entsteht. Diese kann in ein Geschwür übergehen, das sich wie ein Krater in die Tiefe frisst und schlimmstenfalls zu einem Magendurchbruch führt. Das ist eine Befreiungs-Aktion, die entschieden besser auf die übertragene Ebene gehört hätte.
Der Osten ist sich dieser Parallele, die sich bereits aus diesem Aspekt ergibt, bewusst. So sprechen Buddhisten von Bhoga, was Welt-Essen bedeutet. Sie gehen davon aus, dass wir die Welt nicht nur bewältigen, sondern auch verdauen sollten und sprechen von Karmafrüchten. Das sind Handlungen und Taten, die in früheren Inkarnationen gesät, in der Gegenwart zu verzehren sind, entsprechend der östlichen Auffassung, alles in der Vergangenheit Gesäte, habe Auswirkungen auf die Gegenwart. Demnach sind wir hier, um es zu ernten, zu verantworten und endlich zu bewältigen. Alles früher Getane gilt als von uns gesät und ist von uns auch zu verdauen. Das macht unsere Verdauung zum Spiegel unseres bisherigen Lebens und sogar früherer Leben.
Ausdruck auf der Körper-Bühne
Wer mit dieser Herausforderung und Aufgabe, sein(e) Leben zu verdauen, Schwierigkeiten hat, wird das auf der Körper-Bühne und vor allem im Verdauungstrakt erleben. Die Körper-Ebene kommt immer dann zum Zuge, wenn wir im Bewusstsein wichtige Themen verweigern.
Das gilt generell für Symptome und Krankheitsbilder, wie im Symptomlexikon „Krankheit als Symbol“ dargestellt. Wer etwa sein Herz – entsprechend dem Auftrag unserer Kultur – im übertragenen Sinn nicht weitet, muss erleben, wie es auf der Körperbühne in Gestalt der Herzerweiterung bzw. Herzinsuffizienz geschieht. Ganz ähnlich läuft das im Verdauungstrakt ab.
Der Verstopfte will offensichtlich längst verbrauchte Materie nicht mehr herausrücken. Dass dahinter auch eine gute Portion Angst steckt, offenbart sich auf dem Gegenpol, beim Durchfall. Wer Schiss und die Hosen voll hat, zeigt mit diesem Durchmarsch auch seine Angst. Er muss aufs stille Örtchen entfliehen, um dort die Hosen herunter zu lassen. Das macht ehrlich und zeigt seine Angst. Entgegengesetzte Symptome drehen sich immer ums gleiche Thema, im Fall von Durchfall und Verstopfung geht es dabei offensichtlich um die Polarität von Loslassen und Bewahren. Besser wäre auch hier, auf materieller Ebene Wesentliches ohne Angst für sich zu bewahren. Bei „Dünn-Pfiff“ oder „-schiss“ wäre es besser, die Dinge lieber mehr durchzulassen als sich daran zu klammern. Die Themen sind „In Fluss kommen“ und Loslassen. Oder noch direkter „Besitze ich mein Geld, oder bin ich besessen davon?“
Wer alles wieder hinunterschluckt, was aus seinem Herzen aufsteigt, wird daraus eine Mördergrube machen und seinen Magen überlasten mit Dingen, die diesen überfordern. Irgendwann wird ihn das (be)drücken, er wird Magendrücken spüren, das sich bis zum Gefühl, einen Mühlstein im Magen zu haben, steigern mag. Wenn er an seiner Haltung nichts ändert, wird daraus eine generelle Bedrückung werden. Emotionen wollen aus uns heraus, weshalb die Bibel den weisen Rat bereit hält, seinem Herzen Luft zu machen. Wer das ignoriert, wird auf die Dauer den Protest des Magens provozieren. Und das ist auch gut so, denn es gibt ihm die Chance, diesbezüglich zu lernen und sich zu ändern.
Sauer-Sein auf verschiedenen Schauplätzen
Emotionen sollen, ihrem Namen entsprechend hinaus (e-movere = lat. für hinaus bewegen). Werden sie geschluckt, kann der Magen nur mit seinen immer gleichen und wenigen Möglichkeiten reagieren und vor allem Salzsäure ausschütten. Fällt aber nur Immaterielles wie Wut und Zorn zur Verdauung an, wird die Salzsäure des Magens anfangen, in Ermangelung von anderem Fleisch, das eigene, sprich die Magenschleimhaut anzudauen. Das führt auf der ersten Eskalationsstufe zu Magenschleimhaut-Reizungen, auf der nächsten zu Erosionen und diese wachsen sich schließlich zu Geschwüren (Ulcera) aus. Wie das Wort E-motion so deutlich macht, geht es dabei um eine Bewegung, die nach draußen strebt. Wer also Emotionen schluckt statt sie zu verarbeiten, wird mit der Zeit Probleme bekommen, die sich bis zu tiefen Kratern in der Magenschleimhaut auswachsen können. Am Ende kann solch eine Selbstzerfleischung sogar bis zum Magendurchbruch führen und damit eine lebensbedrohliche Situation heraufbeschwören. Ungleich besser wäre es, den dahinter steckenden Emotionen den Durchbruch im übertragenen Sinn ins Leben zu ermöglichen, auch wenn das anfangs noch so unangenehm sein und weh tun mag.
Natürlich entsprechen Schwere und Bedrohlichkeit von Verdauungsproblemen im konkreten körperlichen Sinn denjenigen im übertragenen Sinn.
Colitis ulcerosa – große Angst
Bei einer Colitis ulcerosa herrscht regelrechter Krieg im Dickdarm und damit im symbolischen Totenreich, der Unter- oder Schattenwelt des Organismus. Bei bis zu 40 Stuhlentleerungen pro Tag schwitzen die Betroffenen im wahrsten Sinne des Wortes Blut und Wasser. Sie drücken so ihre große, ja lebensbedrohliche Angst aus und verlieren parallel ihre wichtigsten Lebenssäfte. Rotes Blut symbolisiert vitale Lebenskraft, das Wasser (des Lebens) das Seelenelement, das obendrein essenzielle Salze, die Elektrolyte des Organismus enthält. Alles drei fehlt den Betroffenen natürlich und muss gegebenenfalls medizinisch ersetzt werden. Erschwerend kommt hinzu, dass hier wirklich Lebensgefahr besteht, denn wenn dieser bis aufs Blut gehende Konflikt nicht beigelegt wird, ist die Entartungs-Wahrscheinlichkeit in Richtung Krebs so hoch, dass Schulmediziner raten, den Dickdarm größtenteils herauszuschneiden …
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