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Bakterien hatten bis vor Kurzem einen schlechten Ruf. Sie galten als Krankheitserreger, als Feinde, welche von außen den Menschen „angreifen“, und bekämpft werden müssten, um Gesundheit zu schützen oder wiederherzustellen. Doch nun gibt es eine Revolution in der Medizin, die die Bakterien in ganz anderem Licht erscheinen lässt. Sie öffnet Wege für ein friedlicheres Bewusstsein, für Gesundheitsvorsorge und für die Heilung von Krankheiten, insbesondere die der Verdauung, die bislang als problematisch galten und nur schwer zu behandeln waren.
Partner statt Feinde
Bakterien hatten bis vor Kurzem einen schlechten Ruf. Sie galten als Krankheitserreger, als Feinde, welche von außen den Menschen „angreifen“, und bekämpft werden müssten, um Gesundheit zu schützen oder wiederherzustellen. Bei kaum einem Feindbild waren sich Menschen so einig wie bei den, dem bloßen Auge verborgenen, Mini-Mitbewohnern des Planeten Erde. Dabei erging es den Bakterien wie anderen „Feinden“: Man kennt sie nicht und weiß höchstens indirekt etwas über sie. Die meisten Menschen haben keine persönliche Beziehung zu den Bakterien ihres Körpers, sondern sie haben nur Vorstellungen, die sie von Lehrbuchwissen übernommen haben. Und obwohl jeder sieht, welche lebensbedrohlichen Folgen Bakterienbekämpfung hat, wie die unbeherrschbaren Resistenzen gegen Antibiotika, hält man daran fest. So führen die meisten Menschen in vermeintlich bester Absicht Krieg gegen ihr Leben, ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein. Alleine schon dieser innere Konflikt macht krank. Bakterien wurden zur Projektionsfläche von Ängsten und Schuldzuweisungen. Und Bakterienbeseitigung wurde zu einem Alltagskonzept für angeblich hygienisches Leben, das in Wahrheit die Gesundheit zutiefst beeinträchtigt.
Doch nun gibt es eine Revolution in der Medizin, die die Bakterien in ganz anderem Licht erscheinen lässt. Sie öffnet Wege für ein friedlicheres Bewusstsein, für Gesundheitsvorsorge und für die Heilung von Krankheiten, insbesondere die der Verdauung, die bislang als problematisch galten und nur schwer zu behandeln waren. Mit Hilfe andersartiger Methoden spürt man nämlich neuerdings ein Vielfaches an Bakterien auf. Bislang kultivierte man sie auf Nährstoffplatten, jetzt nutzt man genbasierte Analysen und findet überall neue Bakterienarten … die ganz anders wirken als man bisher glaubte.
Einzeller entpuppen sich für Körperzellen als Lebensbegleiter und alle Bakterien gemeinsam wirken als Gesamtheit wie ein Bakterienorgan in uns. „Mikrobiom“ hat man diese Bakteriengemeinschaft genannt. Alles Leben auf der Erde und so auch wir Menschen sind auf die ständige Kooperation mit Bakterien angewiesen, um gesund zu bleiben.
Um Mikrobiomtherapie verstehen und sinnvoll einsetzen zu können, gilt es zunächst, Vorurteile abzuwerfen und innere Freiheit wiederzugewinnen. Heilung darf dabei auf folgenden Ebenen geschehen: In einem größeren Bewusstsein für die Mikroorganismen, in einer gefühlsmäßigen Klärung unserer Beziehung zu Bakterien und in Heilungsimpulsen durch die praktische Therapie.
Philosophie vom militärischen Menschen
Dabei hilft es, zu sehen, wie die irrigen Ansichten zustande kamen: Als im 19. Jahrhundert das Leben seines Zaubers beraubt wurde, reduziert auf seine Objektivierung durch naturwissenschaftlich-analytische Fakten, zerlegte man gedanklich die Welt in einzelne Teile und dachte sie als deren Summe, so auch die Bakterien. Man hielt sich für objektiv, doch in Wirklichkeit gab man dazu persönliche Deutungen ab, die zu maßgeblichen Leitlinien medizinischen Handelns wurden.
Wie konnte das sein? Militärkrankenhäuser waren damals die führenden Ausbildungsstätten für Ärzte und Forscher, die kämpferische Unterweisung erhielten, was zu dieser Zeit ohnehin das Gedankengut der Gesellschaft prägte. Sie legte sich unbemerkt über die Beobachtungen der Bakteriologen, sodass Aussagen über die Bakterien bis heute von militärischem Vokabular nur so strotzen. Der Mensch galt als ein zu schützendes Territorium, als sei sein Körper eine zu sichernde Nation und die mikrobielle Welt eine im Unterholz lauernde Angriffsmannschaft einer feindlichen Guerillatruppe. Die Abwehrfront sei das Immunsystem, das zu stärken sei. Das Menschenbild dazu lautete: Der Mensch ist steril und Bakterien bedrohen ihn von außen mit Krankheit. Dabei wurde bloß menschliches Denken auf Einzeller projiziert. Inzwischen wissen wir, dass Bakterien bereits vorgeburtlich vom mütterlichen Darm ins Baby für eine gesunde Entwicklung weitergegeben werden.
Kampfgeist in der Medizin
Zugleich nahm Politik in medizinisch-wissenschaftlichen Vorträgen und Veröffentlichungen Raum. Als Robert Koch im Jahre 1890 in Berlin vor 5000 Ärzten dazu aufrief, dass „sich die Kräfte der Nationen (…) im Kriege gegen die kleinsten aber gefährlichsten Feinde des Menschengeschlechtes messen mögen und dass in diesem Kampfe zum Wohle der gesamten Menschheit eine Nation die andere in ihren Erfolgen immer überflügeln möge“, konnte er nicht ahnen, dass sich noch im Jahre 2015 die Staatslenker der sich als sieben führenden Nationen der Welt verstehenden Länder im bayrischen Elmau mit der Frage beschäftigen würden, wie man die Folgen dieser Bekämpfung nun bekämpfen solle.
Beim Umgang mit Bakterien geht es um nicht weniger als um die existenzielle Frage nach Kampf oder Miteinander, nach Krieg und Frieden in der Welt, der Welt im Großen wie der Welt des einzelnen Menschen, was sich als Gesundheit oder Krankheit äußert. Wir stehen heute wieder an dieser Weichenstellung. Ein Krieg ist von den wenigsten Menschen zu verdauen.
Der erste Schritt zur Mikrobiomtherapie ist, sich zu fragen: Wie denke ich über Bakterien? Woher habe ich das Wissen dazu und bin ich wirklich sicher, ob es wahr ist? Welche Gefühle hege ich gegenüber Bakterien? Angst vor Bakterien beruht auf Vorstellungen, die auf übernommenen Glaubenssätzen fußen. In einzelnen Fällen konnte das Lösen solcher Blockaden bereits Heilungsprozesse in Gang setzen.
Wie macht man einen Feind zum Freund? Zum Beispiel, indem man ihn kennenlernt: Weit zurück, in der Urentwicklung unseres Planeten, finden sich Einzeller als fossile Funde bereits vor 3,8 Milliarden Jahren in ihrer Rolle als Gestalter von Materie. Sie sind die ersten Wesen der Innen-Raum-Bildung. Ihre Membran umschließt ein Innen, das anders ist als das Außen. Für den Übergang zwischen Außen und Innen enthält die Membran Rezeptoren, die Reize wahrnehmen und aus denen Antworten folgen …
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