Windpocken schützen vor Krebs

Rund 60 Prozent der Erwachsenen in Industrieländern haben eine chronische oder autoimmune Erkrankung. Nicht eingerechnet sind Betroffene mit diffusen Symptomen wie Erschöpfung, Schlafstörungen, kognitiven Problemen oder unklaren Schmerzen und Entzündungen sowie neurologischen oder neurodegenerativen Erkrankungen. Dabei werden die Patienten immer jünger. Gemeinsamer Nenner ist eine Fehlregulation des Immunsystems.

Zu diesem Schluss gelangt auch Heilpraktikerin Ariane Zappe aus Kaufbeuren. Nur, wie kommt es dazu? Hier liefert die Wissenschaftlerin eine interessante Erklärung: „Mit der Entscheidung, vor 150 Jahren Louis Pasteurs Sichtweise zu folgen und Keime als die Ursache für Infektionen zu definieren, begann der Krieg gegen Keime.“

Krieg gegen Keime: Machen sie wirklich krank?

Chronische Erkrankungen, die exponentiell ansteigen, beruhen nach ihren Forschungen auf dem Fehlen von Keimen, auf dem Fehlen der mikrobiellen Impulse für das gemeinsame Immunsystem und damit auf überschießenden, fehlgeleiteten oder fehlenden Entzündungsreaktionen. Aber es kommt noch besser: Wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass Streptokokken vor Krebs und Staphylokokken vor Multipler Sklerose schützen können. Und Milchsäurebakterien regen offenbar die Entstehung von menschlichen Stammzellen an. Eine andere Studie kommt zu dem Schluss, dass das Durchmachen der Kinderkrankheit Windpocken das Risiko, einen Hirntumor zu entwickeln, um 40 Prozent senkt. Kein Keim ist also per se böse. Hier spielt die – bisher vernachlässigte – Lernfähigkeit unserer Stammzellen eine entscheidende Rolle. Sie selektieren Informationen nach neu oder bekannt, nicht nach Freund oder Feind, bilden die Außenwelt wie ein Hologramm in unserem Körper ab und bestimmen die Immunreaktionen.

Keime und Mensch arbeiten symbiotisch

Keime, allen voran Bakterien, Viren und Retroviren, sind Teil einer Millionen Jahre alten Symbiose in der Evolution. Zappe: „Nur mit Keimen sind wir das geworden, was wir heute sind.“ Keime und Mensch arbeiten überall im Organismus symbiotisch zusammen, selbst im Gehirn. Dabei geht es nicht nur um das gemeinsame Überleben, sondern vor allem um Weiterentwicklung. Zappe spricht hier von Immun-Symbiose und lädt dazu ein, das symbiotische Zusammenspiel von Mensch und Keimen neu zu betrachten.

Demnach wäre eine Infektion kein Kampf des Organismus gegen einen Keim, sondern genau das Gegenteil: die Eingliederung des Keims in das Immunsystem zur Regulation und Weiterentwicklung unseres Organismus. Zappe: „Erst die fehlende oder fehlerhafte Integration eines Keims wird zum Auslöser von chronischen Symptomen oder Krebs.“

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