Somatic Experiencing

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Sich aus der Erstarrung lösen

Artikelnummer: rz-263-01 Kategorien: ,

Somatic Experiencing versteht Trauma nicht nur als Folge schwerer Schicksalsschläge, sondern als im Nervensystem gebundene Überlebensenergie. Die von Dr. Peter Levine entwickelte Methode setzt dort an, wo Worte oft nicht mehr ausreichen: im Körper. Ricarda Maria Kraft zeigt, wie achtsame Körperwahrnehmung helfen kann, festgefahrene Stressmuster zu lösen und wieder in einen Zustand innerer Sicherheit und Zufriedenheit zu finden.

Somatic Experiencing ist ein Begriff, über den man im deutschen Sprachraum erstmal stolpert. Wörtlich übersetzt wird aus diesem Zungenbrecher „körperliches Erfahren“. Und diese Übersetzung weist bereits in die Richtung, wie entstandenes Trauma wieder gelöst werden kann. Ganz kurz definiert: Somatic Experiencing (SE) ist eine psychophysiologische Neuverhandlung von Trauma nach Dr. Peter Levine, wobei er Trauma viel weiter fasst als die amtliche Klassifizierung nach ICD-10. Seiner Auffassung nach entsteht Trauma, wenn durch Erfahrungen automatisch Überlebensfunktionen des Stammhirns, wie Kampf-, Flucht- oder Erstarrungsmodi, anspringen und überwältigend werden. Das heißt, Trauma kann bereits bei allen Erfahrungen entstehen, wenn körperlich aktivierte Überlebensenergie anspringt und nicht zum gewünschten Erfolg von Sicherheit zurückführt. Eine solche Erfahrung könnte selbst ein simples Erschrecken sein und man versucht darüber zu lachen oder ein Sturz und man tut so, als wäre nichts passiert und unterdrückt das neurogene Zittern/Entladen oder die automatische Abwehrreaktion des Körpers. Wir sind schließlich zivilisierte Leute!

Daueraktivierung als Normalzustand

All das kann unser Nervensystem aktivieren und automatisch Überlebensenergie bereitstellen, je nach Impact und Resilienz der Person. Und so kann es sein, dass sich ein Ereignis nach dem anderen anhäuft und damit einen Zustand erzeugt, den man als Daueraktivierung bezeichnet. Bei den meisten Menschen ist das ein Normalzustand und wird nie hinterfragt, denn wir distanzieren uns auch durch Erziehung, Schule und Gesellschaft nach und nach von unseren Körperempfindungen und Gefühlen. Und dies ist auch ein natürlicher Weg, um mit einer Daueraktivierung des Körpers trotzdem die Anforderungen des Lebens bedienen zu können. Wir alle kennen Gedankenkarusselle mit innerer Anspannung, wenn wir in einem Konflikt stecken. Das ist ein Zeichen für ein aktiviertes Nervensystem. Wird dieser Konflikt nicht gelöst und in eine sichere kohärente Form überführt, wandert er ins Unterbewusstsein und die Überlebensenergie bleibt, wie eingefroren, im Körper stecken. Tragisch ist, dass diese Energie nicht mehr zur Verfügung steht und gleichzeitig ständig anspringt, sobald sich eine ähnliche Situation zeigt. Im weiteren Verlauf kann es dann dazu kommen, dass ein letztes kleines Ereignis das Fass zum Überlaufen bringt und das System kollabiert. Dann wundert man sich, dass „plötzlich“ körperliche oder psychische Probleme auftauchen. Der Körper trägt immer die Last, wenn wir in uns keine Lösung gefunden haben. Auch wenn wir uns nicht mehr erinnern, der Körper tut es. Er wartet geduldig darauf, dass wir ihm zuhören und wird immer lauter zu sprechen versuchen, wenn wir ihn ignorieren.

Um nun diese feststeckende Überlebensenergie wieder zu lösen, beginnt man im SE erstmal einen inneren Beobachter zu installieren und den inneren Wahrnehmungsraum zu betreten. Wie fühle ich mich gerade? Welche Empfindungen sind in meinem Körper wahrnehmbar? Was „denkt es“ in mir?

Dabei richten wir den Fokus zunächst auf Ressourcen und die Bereiche, die angenehm sind und entwickeln ein neues Vokabular für die Innenwelt. Man beginnt zwischen unangenehmen und angenehmen Anteilen hin und her zu pendeln und lernt dabei, dass der jeweilige Fokus den inneren Zustand beeinflusst. So können wir uns ein Gefühl der ersten Kontrolle über die Reaktionen des Körpers und der Emotionen zurückerobern.

Was hätte es gebraucht?

Daraufhin nähert man sich langsam und titriert, das heißt, stellt sich tröpfchenweise den herausfordernden Empfindungen und beginnt sie zu erforschen, ohne sich dabei zu überfordern, liebevoll und achtsam. Landet man dabei in alten traumatischen Erinnerungen – denn der Körper speichert

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