Während die EU ihre Sanktionen gegen Russland weiter verschärft, erreichen die Importe von russischem Flüssigerdgas neue Rekordwerte. Auch ein bundeseigenes deutsches Unternehmen kaufte russisches LNG, das über Frankreich in den europäischen Gasmarkt gelangte. Ab 2027 soll damit Schluss sein – doch welche Folgen hat das für Europas Energieversorgung?
Am 23. Juli 2026 war es schließlich so weit: Die 27 EU-Staaten einigten sich auf das 21. Sanktionspaket gegen Russland. Neu auf die Sanktionsliste kamen 48 Personen und 170 Organisationen. Zudem wurden unter anderem weitere Banken und Kryptodienstleister mit Transaktionsverboten belegt und 41 zusätzliche Schiffe der sogenannten russischen Schattenflotte mit einem Hafenzugangs- und Dienstleistungsverbot versehen.
Importe auf dem Höchststand
Während die EU den wirtschaftlichen Druck auf Russland damit weiter erhöht, erreichten ausgerechnet die Importe russischen Flüssigerdgases im ersten Halbjahr 2026 einen neuen Höchststand. EU-Länder bezogen knapp zehn Millionen Tonnen LNG aus der russischen Yamal-Anlage in der Arktis. Besonders große Mengen gingen nach Frankreich, Belgien und Spanien. Nach Berechnungen der NGO Urgewald hatten die Lieferungen einen Wert von knapp sechs Milliarden Euro.
Kein LNG ab 2027?
Allerdings befinden sich diese Importe nicht zwangsläufig im Widerspruch zu geltenden Sanktionen. Für bestehende langfristige LNG-Verträge gelten Übergangsfristen. Das soll sich jedoch bald ändern: Die EU hat bereits beschlossen, russisches LNG ab 1. Januar 2027 vollständig vom europäischen Markt zu verbannen. Damit könnten die Rekordimporte des ersten Halbjahres 2026 auch Ausdruck eines letzten Hochs vor dem geplanten Ausstieg sein.
Unklare Lage
Wie verschlungen die Handelswege dabei schon heute sein können, zeigt das Beispiel Deutschland. An deutschen LNG-Terminals wird zwar kein russisches Flüssigerdgas angelandet, doch russisches Gas gelangt über andere EU-Länder in den gemeinsamen europäischen Gasmarkt. Besonders bemerkenswert: Das bundeseigene Energieunternehmen SEFE verfügt über einen langfristigen Liefervertrag mit dem russischen Yamal-LNG-Projekt. Allein 2024 kaufte SEFE 58 Schiffsladungen russisches LNG, die im französischen Dunkerque angelandet und anschließend in das europäische Gasnetz eingespeist wurden.
Wo geht es hin?
Wo dieses Gas letztlich verbraucht wird, lässt sich nach der Einspeisung nicht eindeutig nachvollziehen. Auch die europäische Regulierungsagentur ACER weist darauf hin, dass russisches Gas nicht zwangsläufig in dem Land verbraucht wird, in dem es in die EU gelangt. Ab 2027 sollen auch diese Importe enden. Europa muss die fehlenden Mengen dann gegebenenfalls bei anderen Lieferanten auf dem internationalen LNG-Markt beschaffen. Ob die EU damit tatsächlich unabhängiger wird oder sich vor allem Lieferanten und Handelswege ändern – und zu welchem Preis –, wird sich erst zeigen.
