Energetisches Heilen setzt die Bereitschaft voraus, den Menschen über das rein Körperliche hinaus wahrzunehmen. Die Erweiterung des eigenen Bewusstseins kann sich dabei auf ganz unterschiedliche Weise vollziehen. Birgit Fischer, Robin Kaiser und Maxim Mankevich gehören zu den bekannten Stimmen moderner Spiritualität und zeigen drei unterschiedliche Wege zu Bewusstsein, Entwicklung und Heilung.
Energetisches Heilen beginnt nicht erst mit einer bestimmten Methode. Am Anfang steht vielmehr die Bereitschaft, die eigene Wahrnehmung zu erweitern und den Menschen nicht allein auf seinen physischen Körper zu reduzieren. Wer mit Energien arbeiten möchte, muss sich zunächst dafür öffnen, dass sich das eigene Erleben, die Intuition und das Bewusstsein möglicherweise auf Ebenen erstrecken, die mit dem rationalen Verstand allein nicht zu erfassen sind.
Wahrnehmung und Selbsterkenntnis
Spirituelles Erwachen kann dabei als ein Prozess verstanden werden, in dem sich die Wahrnehmung des eigenen Selbst und der Welt verändert. Es geht um Selbsterkenntnis, um das Wahrnehmen innerer Zusammenhänge und häufig auch darum, alte Vorstellungen und Prägungen zu hinterfragen. Damit kann dieser Prozess eine wichtige Grundlage für energetisches Heilen bilden: Denn erst wenn wir lernen, uns selbst differenzierter wahrzunehmen, können wir auch einen bewussteren Zugang zu unserer eigenen Energetik entwickeln.
Drei unterschiedliche Wege
Wie unterschiedlich dieser Weg aussehen kann, zeigen Birgit Fischer, Robin Kaiser und Maxim Mankevich. Fischer nähert sich dem Thema aus der unmittelbaren Wahrnehmung von Energien und ihrer Arbeit als Medium und Heilerin. Kaiser verbindet psychologisches und philosophisches Wissen mit Meditation und Bewusstseinsarbeit. Mankevich wiederum stellt die persönliche Entwicklung, Intuition und die Frage nach der eigenen Seelenaufgabe in den Mittelpunkt. Drei verschiedene Perspektiven also und drei Wege zu der Frage, was geschieht, wenn sich unser Bewusstsein über das bisher Vertraute hinaus öffnet.
Drei Fragen an Birgit Fischer, Robin Kaiser und Maxim Mankevich
raum&zeit: Was ist für dich spirituelles Erwachen und was war dein persönliches Schlüsselerlebnis?
Birgit Fischer: Mein spirituelles Erwachen gab es nicht. Es gab vielmehr ein menschliches Erwachen. Irgendwann mit elf Jahren sagte mir eine Freundin, dass nicht jeder Mensch andere Menschen in Farben sieht. Dann sagte man mir immer wieder, dass ich Dinge in der Zukunft weiß, die andere nicht wahrnehmen. Ich lernte, ein Mensch zu sein und das Ego vieler Menschen kennen. Ich lernte auch, dass Menschen ihre Hellsinne nicht benutzen und dass sie mit Energie nicht viel anfangen können. Als ich schwanger war, obwohl ich eigentlich keine Kinder hätte bekommen können, fühlte ich, dass mein Sohn mir ähnlich ist. Seitdem stelle ich mich hin, erzähle, was ich hellsichtig sehe und höre, und versuche, den Menschen ihre Hellsinne und ihre Energetik als Heilmethode beizubringen. Denn das kann jeder Mensch.
Robin Kaiser: Der Weg des spirituellen Erwachens ist der Rückweg zu dem, wer wir im Innersten unseres formlosen Wesens ewig sind. Dieser Weg hat mich gelehrt, dass meine gesamte Identität und alles, was ich dachte, wer ich bin, nur eine Konstruktion meines eigenen Verstandes ist. Doch jenseits der Welt des begrenzten Denkens eröffnete sich mir ein unmittelbares Gefühl, dass wir grenzenlos freie Schöpferwesen sind, die sich nur temporär in einer physischen Form erfahren. Eines der ersten großen Schlüsselerlebnisse in meinem Leben war eine außerkörperliche Erfahrung, in die ich nach einem Meditationsretreat spontan hineinversetzt wurde. Ich sah mich selbst von außerhalb meines Körpers und wusste in diesem Moment, dass alles, was ich bisher über mich und diese Welt kennengelernt habe, nicht die Wahrheit ist.
Maxim Mankevich: 2011 lief ich den Jakobsweg mit einem Zwölfkilo-Rucksack. Mein Ratio-Verstand wollte auf alles vorbereitet sein (Zelt, Isomatte). Aus Angst vor Herbergsnot hetzte ich jeden Morgen vollbepackt los, statt präsent zu sein. Eines Tages überholte mich Jos (80), dessen Rucksack kaum 2,5 Kilo wog. Auf mein Warum so wenig? antwortete er lachend: Warum so viel? Er zeigte mir seinen Inhalt: Wechselkleidung, Zahnbürste, Besteck. Er sagte: Je mehr ein Mensch besitzt, umso mehr muss er sich um diese Dinge kümmern: dass sie nicht kaputtgehen oder gestohlen werden. Es ist nun meine zehnte Pilgerreise und mit jedem Weg verstand ich besser, wie wenig ich brauche. Am Folgetag ließ ich mein Zelt zurück und notierte: Du verpasst das alltägliche Glück, wenn du im richtigen Moment mit falschen Dingen beschäftigt bist. Denn das Geheimnis des Glücks ist, das Besondere im Alltäglichen zu bemerken! …
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