Raubbau im Regenwald für Windkraft

Windkraft gilt als umweltfreundliche Energiequelle. Doch für den Bau von Rotorblättern wird Balsaholz benötigt, das zunehmend aus den Regenwäldern Ecuadors stammt. Illegale Abholzung und undurchsichtige Lieferketten werfen Fragen zur Nachhaltigkeit der Windenergie auf.

Balsaholz ist aufgrund seiner geringen Dichte (bis 100 kg/m3) bei guter Bearbeitbarkeit und Stabilität ein begehrtes Baumaterial, das heute vor allem in Rotorblättern von WKAs verbaut wird. Der 30 bis 50 Meter hohe Baum bedarf besonderer klimatischer Bedingungen und fruchtbarer Böden, die er vor allem in Ecuador findet. Das im nordwestlichen Südamerika gelegene Land ist denn auch mit über 90 Prozent Anteil der größte Balsaholz-Produzent weltweit. Die Jahresproduktion Ecuadors lag zuletzt bei rund 500.000 Kubikmetern bzw. etwa 80.000 Tonnen. Bis Ende der 2010er Jahre stammte das Balsaholz hauptsächlich aus dichten Plantagen an der Küste Ecuadors.

Windkraftboom treibt Holzeinschlag an

Ab 2019 änderte sich das rasch, weil chinesische Provinzen im Rahmen ihres Fünfjahresplans die Windenergie-Ausbauziele stark vorantrieben. Der sprunghafte Nachfrageanstieg führte dazu, dass die Plantagen nicht mehr ausreichten. Folglich wichen die Holzfäller zunehmend in die Regenwälder des ecuadorianischen Amazonasgebiets aus, teils bis ins UNESCO-Biosphärenreservat Yasuní. Laut einer EIA-Untersuchung (Environmental Investigation Agency) stiegen die Exporte infolge illegaler Abholzung in unberührten Regenwäldern um bis zu 50 Prozent an.

Illegales Holz für grüne Energie

Die Stämme wurden anschließend mit Plantagen-Ware vermischt, verarbeitet und mit sauberen Papieren auf dem Weltmarkt als Bauteil einer vorgeblich nachhaltigen Energiequelle angeboten. Rund eine halbe Million Balsabäume sollen pro Jahr illegal geschlagen werden, wie eine Hochrechnung aus Produktionsmengen, Materialbedarf und geschätzten Anteilen illegaler Ware der Plattform „The Daily Sceptic“1 zeigt. Dabei hat die Industrie längst konkurrenzfähige Polymer-Schäume als technische Alternativen zum Balsaholz entwickelt. Doch solange das Naturprodukt die gewünschten Eigenschaften zu günstigen Preisen liefert, bleibt der Amazonas-Wald Teil der globalen Windkraftproduktion. Einmal mehr gerät echter Naturschutz unter die Räder der „Klimarettung“.