Blackout in Spanien: Sind die Erneuerbaren schuld?

Expertenbericht-Bericht belastet PV- und Windkraftanlagen

Was war die Ursache für den Blackout in Spanien im April 2025? Ein aktueller Bericht rückt Wechselrichter in Solar- und Windkraftanlagen in den Fokus. Aber auch Sabotage lässt sich nicht ausschließen. Gemäß dem Abschlussbericht des Verbandes europäischer Übertragungsnetzbetreiber ENTSO-e war „der Stromausfall beispiellos und der schwerste, der in den vergangenen 20 Jahren in Europa aufgetreten war“.

In der halben Stunde vor dem Blackout kam es zu „konverterbedingten Instabilitätsphänomen“ der Netzfrequenz. Mit Konvertern sind hier Wechselrichter gemeint, die Gleich- in Wechselstrom umwandeln. Sie werden vor allem in Windkraft- und PV-Anlagen eingesetzt.

Die Netzfrequenz beträgt in Europa 50 Hertz (Hz) und darf nicht mehr als 0,2 Hz davon abweichen.
Die erste Frequenzabweichung an einem Knotenpunkt in Spanien betrug kurzfristige 0,63 Hz. Einige Minuten später kam es zu einer gebietsübergreifenden Frequenzerhöhung um 0,2 Hz.

Vergebliche Maßnahmen

Die Netzmanager ergriffen daraufhin mehrere Maßnahmen, um die Frequenz wieder zu stabilisieren. Anfangs mit Erfolg. Allerdings führten sie zu einem Spannungsanstieg im iberischen Stromnetz. Um 12:32 Uhr lag die Spannung auf der 400-kV-Ebene knapp unter 420 kV. Ab 12:33 Uhr stieg sie an manchen Netzknotenpunkten auf über 430 Volt an. Um 12:33:15 Uhr kletterte sie weiter auf bis zu 462 kV. Zu viel des Guten. Das Netz brach zusammen.

Parallel dazu sank die Wirkleistung großer Erzeuger aus PV- und WK-Anlagen mit mehr als 5 Megawatt (MW) um 500 MW. Die Verminderung der Wirkleistung erhöhte die Blindleistung, die zwischen Erzeuger und Verbraucher hin- und herfließt. Zu viel Blindleistung im Netz führt aber letztlich zu einer höheren Netzspannung. Ab 12:32 Uhr kam es bei 208 WKA und PVA im Megawattbereich zu einem schnellen Leistungsabfall oder zur gänzlichen Abschaltung der Einheit. Die Gründe dafür sind unbekannt.

Unkontrollierte Kettenreaktion

Im Raum Badajoz trennte ein Überspannungsschutz PV-Anlagen im Umfang von 727 MW vom Netz. Weitere automatische Abschaltungen in Segovia, Huelva, Badajoz, Sevilla und Cáceres mit einer Gesamtleistung von 928 MW folgten. Eine Kettenreaktion unkontrollierter Netzereignisse setzte ein. Allerdings konnte das Expertengremium die exakte Ursache für die meisten dieser Abschaltungen nicht ermitteln.

Dem Bericht zufolge haben aber letztlich die Wechselrichter die starken Störfrequenzen verursacht. Normalerweise kann die Momentan-Reserve, also die Drehung massiver Turbinen, solche Störungen kompensieren, sofern diese in ausreichender Menge im Netz vorhanden ist. Kurz vor dem Stromausfall hatten allerdings nur noch 24 Prozent aller einspeisenden Kraftwerke diese Momentanreserve. Die anderen 76 Prozent – hauptsächlich PVA – haben hingegen eine hohe Blindleistung erzeugt.

Fernzugriff aus China?

Rund 70 Prozent der in Spanien eingesetzten Wechselrichter stammen aus China. Nur wenige Tage nach dem Stromausfall in Spanien warnte der europäische PV-Branchenverband ESMC vor der Anfälligkeit von Photovoltaikwechselrichtern. Demnach könne der Hersteller selbst bei Bedarf über die Software auf das Gerät zugreifen und es fernsteuern.

„Heute sind bereits über 200 GW der europäischen PV-Leistung an in China hergestellte Wechselrichter angeschlossen – das entspricht mehr als 200 Kernkraftwerken“, sagte Christoph Podewils, Generalsekretär des ESMC. „Das bedeutet, dass Europa die Fernsteuerung eines großen Teils seiner Strominfrastruktur faktisch aus der Hand gegeben hat.“

In Deutschland sind rund 80 Prozent der Solarwechselrichter „made in China“. Der ESMC erklärte: „Das Risiko ist nicht theoretisch. Moderne Wechselrichter müssen an das Internet angeschlossen werden, um wesentliche Netzfunktionen zu erfüllen oder am Strommarkt teilzunehmen.“

Aufgrund dieser Gefahr forderte ESMC eine Stärkung der Sicherheit der Anlagenbetreiber, besonders durch die Bewertung herstellerbezogener Risiken und ein Verbot des Fernzugriffs auf Systeme von Lieferanten.

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