Trotz verschärfter Sanktionspolitik

EU-Wirtschaft importiert mehr LNG aus Russland

Die EU hat angekündigt, spätestens im Jahr 2027 auch aus noch bestehenden Verträgen zur Lieferung von LNG-Gas aus der Russischen Föderation auszusteigen. Einer Analyse verschiedener Umwelt-NGOs wie Urgewald, DUH und „Razom We Stand“  zufolge wird das Volumen der Lieferungen jedoch derzeit eher größer als kleiner.

Im Jahr 2025 sind demnach mehr als 15 Millionen Tonnen LNG-Gas im Gegenwert von 7,2 Milliarden Euro aus Russland in europäischen Häfen angekommen. Dieses Gas stammt aus dem Gasfeld auf der Jamal-Halbinsel im Norden Russlands und wurde über die Arktis verschifft. Der Anteil der Lieferungen, die von dort aus in die EU gehen, stieg im Vorjahr gegenüber 2024 von 75,4 auf 76,1 Prozent. Der Anteil von LNG-Importen aus Russland in die EU liegt zwischen 5–8 Prozent.

Zum Transport durch das Eismeer kommen 14 Arc7-Eisbrecher der im Vereinigten Königreich ansässigen Reederei Seapeak und der griechischen Dynagas zum Einsatz. Die Schiffe seien eigens für den Transport von LNG durch das Eismeer gebaut worden.

Frankreich größter Importeur

Die Transportschiffe entluden den NGOs zufolge 4,2 Millionen Tonnen LNG aus Russland im belgischen Hafen Zeebrügge. In den französischen Häfen Dünkirchen und Montoir waren es 6,3 Millionen Tonnen Jamal-LNG. Frankreich ist damit der größte Importeur. Der französische Konzern TotalEnergies ist ein Schlüsselinvestor des Jamal-Projekts. Sein Anteil am Projekt beträgt 20 Prozent.

Für die Tankschiffe ist der Weg nach Europa kürzer und die Transportkosten sind geringer als bei einer Lieferung z. B. nach Asien. Deshalb gilt die EU nach wie vor als attraktiver Zielmarkt. Das Vereinigte Königreich hat angekündigt, noch 2026 die Durchführung von Dienstleistungen für Schiffe, die russisches LNG transportieren, zu verbieten.

Im Vergleich zu 2021 hat die EU-Wirtschaft ihre Importmenge von russischem LNG deutlich erhöht. Im Jahr 2024 war Russland nach den USA der zweitgrößte LNG-Lieferant der Europäischen Union.

Teures LNG

Das russische LNG-Gas war im 4. Quartal 2024 um rund 274 Prozent teurer als vor der Eskalation des Ukraine-Krieges. Grundsätzlich ist LNG in der Anschaffung bereits um 20 bis 50 Prozent teurer als Pipelinegas. Der Unterschied ist abhängig von den Kosten für die Verflüssigung, den Transport und die Regasifizierung, aber auch von der Marktphase. Auf den Spotmärkten können die Preise kurzfristig ansteigen. Langfristverträge sind preisstabiler und bleiben es auch, wenn die Spotmarktpreise sinken.

Um russisches LNG kurzfristig zu ersetzen, müsste die EU die aus den USA bezogenen Mengen ausweiten. Dazu kommen mögliche Verträge mit Lieferländern wie Katar, Nigeria, Algerien, Ägypten, Mosambik, Namibia oder Senegal. Dies setzt allerdings voraus, dass die kurzfristigen Kapazitäten dafür vorhanden sind und die Umleitung von Lieferungen nicht mit einem erheblichen Aufpreis einhergeht.

Unmut über geplante Berichtspflichten

Zudem hat die EU auch Unmut bei potenziellen Lieferländern hervorgerufen. Die geplante Richtlinie über die Nachhaltigkeitssorgfaltspflicht von Unternehmen (CSDDD) soll auch für Lieferanten aus den USA oder Katar gelten. Diese wären verpflichtet, strenge Berichtspflichten mit Blick auf ihre Lieferkette zu erfüllen – andernfalls drohen hohe Bußgelder. Aus den USA und Katar hieß es bereits, dass zugesagte Lieferungen unter diesen Bedingungen infrage stünden.

Was den Ersatz durch Pipelinegas anbelangt, stehen Optionen von Norwegen über Nordafrika bis hin zum Südlichen Gaskorridor (TAP/TANAP) zur Verfügung. Allerdings ist hier ein Vorlauf bezüglich Zeit und Investitionen zu beachten.

Füllstand der Gasspeicher sinkt

Die Gasspeicher in Deutschland sind derzeit (Mitte Januar 2026) mit einem Füllstand von 47 Prozent deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt für diese Jahreszeit. Energieunternehmen und Experten warnen, dass die niedrigen Speicherstände bei anhaltender Kälte oder geopolitischen Störungen problematisch werden könnten. Forderungen nach strategischen Reserven werden laut.

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