Moderne Autos sammeln weit mehr Daten, als vielen Fahrern bewusst ist. Vom Fahrverhalten bis zu besuchten Orten entsteht ein detailliertes Persönlichkeitsprofil. Doch wer hat Zugriff auf diese Informationen, wer verdient daran und wie viel Kontrolle bleibt den Autofahrern selbst? 

Jede Stunde, die ein Fahrer am Steuer eines modernen, digital vernetzten Fahrzeugs verbringt, erzeugt rund 25 GB an Daten. Das entspricht dem Datenvolumen mehrerer Wochen durchschnittlichem Surfen im Internet. Vom Bremsverhalten über die Standortbestimmung bis hin zu den täglichen Fahrten und bestimmten Nutzungsgewohnheiten des mit dem Auto verbundenen Smartphones legen diese Daten ein äußerst präzises Profil des Fahrers an. Nach Ansicht einiger Experten weiß das Speichersystem eines modernen Auto schließlich mehr über seinen Besitzer als dessen Mobiltelefon.

Das Auto als Datensammler

Die Daten werden von Sensoren, Kameras, GPS, Mikrofonen und Navigationssoftware kontinuierlich aufgezeichnet. Darunter sind Geschwindigkeiten, Beschleunigungen, Bremsvorgänge, Lenkwinkel, Temperaturen, Fahrgewohnheiten und selbst besuchte Orte. Die Fahrzeughersteller sind nach wie vor die Hauptinhaber dieser Datenströme. Sie speichern die Informationen auf ihren eigenen Servern, oft außerhalb der direkten Reichweite des Nutzers. Dies geschieht trotz der Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und der spezifischen europäischen Richtlinien für vernetzte Fahrzeuge.

Ein lukrativer Markt für Fahrzeugdaten

Rund um diese Daten-Ressource hat sich ein boomender Markt entwickelt. Start-ups haben sich auf die Erfassung, Aggregation und den Weiterverkauf von Fahrzeugdaten spezialisiert, insbesondere für die Bedürfnisse von Flottenmanagern, Autovermietern und Versicherungsgesellschaften. Der Hersteller wird dabei zu einem unverzichtbaren Vermittler zwischen dem Fahrer und diesen Akteuren. Das erhöht den strategischen Wert dieser Informationen für die Automobilindustrie noch weiter. Da in den kommenden Jahren nahezu alle Neufahrzeuge vernetzt sein werden, bleibt die zentrale Frage: Wer entscheidet über die Nutzung dieser riesigen Datenmengen, die pro Fahrstunde generiert werden? Und zu wessen Gunsten? Für Autofahrer ist das nicht nur eine technische Frage. Es geht um die Kontrolle über die eigenen Daten sowie um die Transparenz der Akteure, die diese Daten verwerten.