Gute Banken

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Banken sind nicht einfach nur große Ställe für viele Sparschweine, wie wir spätestens seit der Bankenkrise wissen. Mit dem Geld auf unseren Konten versuchen Banken, eine maximale Rendite zu erwirtschaften.Dafür investieren sie es in die Atomindustrie, Gentechnik oder spek...
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Gute Banken
Von Jens Brehl, Fulda – raum&zeit Ausgabe 176/2012

Banken sind nicht einfach nur große Ställe für viele Sparschweine, wie wir spätestens seit der Bankenkrise wissen. Mit dem Geld auf unseren Konten versuchen Banken, eine maximale Rendite zu erwirtschaften.
Dafür investieren sie es in die Atomindustrie, Gentechnik oder spekulieren auf Ackerland. „Böse Banken“ waschen kriminell erworbenes Geld, fälschen ihre Bilanzen, verheizen Steuergelder, usw. Warum unterstützen wir derartige Geschäfte mit unserem Geld, wo es doch so leicht ist, auf eine gute Bank umzusteigen?

Sie können etwas bewegen

Stellen Sie sich vor: Ein Atomkraftwerk soll gebaut werden, doch das Vorhaben scheitert, weil es nicht finanzierbar ist. Und es müssen weniger Menschen hungern, da fortan nicht mehr auf Lebensmittelpreise spekuliert wird. Klingt schön, meinen Sie, doch darauf hätten Sie keinen Einfluss. Sie täuschen sich gewaltig, denn mittels Ihres Bankkontos bewegen Sie mehr auf der Welt, als Sie ahnen.

Verantwortung wird häufig abgegeben

Sie haben persönlich niemals in die Atomindustrie oder in einen Rüstungskonzern investiert, werden Sie entschieden behaupten. Sollten Sie aber Kunde bei einer herkömmlichen Bank sein, ist es mehr als wahrscheinlich, dass Sie es unwissentlich doch getan haben.
Die meisten Bundesbürger führen ein Girokonto bei ihrer Hausbank, lassen sich dort in Bezug auf Geldanlagen beraten und kaufen entsprechende Finanzprodukte. Das Geld auf Girokonten investiert die Bank nach ihren Richtlinien, vergibt damit Kredite an die Wirtschaft oder andere Banken. Es besteht ein massives informatives Ungleichgewicht: Während Kunden selbstverständlich sämtliche Vermögensverhältnisse wie Einkommenshöhe, Einträge in der Schufa und persönliche Lebenspläne offen legen, schweigen sich die meisten Geldhäuser darüber aus, was mit den Kundeneinlagen im Detail geschieht: Bankgeheimnis. Auch wenn der Kunde nachhakt, erhält er bei herkömmlichen Banken kaum verlässliche Auskünfte: Natürlich versichert der Mitarbeiter der örtlichen Sparkasse oder Genossenschaftsbank, dass kein Kundengeld in der Atomindustrie für strahlende Gesichter sorgt.
Laut der Nichtregierungsorganisation urgewald e. V. ist dies aber nur die halbe Wahrheit. Über die jeweilige Landesbank der örtlichen Sparkasse und der genossenschaftlichen Zentralbank DZ Bank AG der Volks-, Raiffeisen-, Sparda- und PSD Banken wurde im Zeitraum von 2000 bis 2009 teils massiv in die Atomindustrie investiert. Im Falle der WestLB sind dies nach Recherchen von urgewald e. V. 939 Millionen und bei der DZ Bank 685 Millionen Euro. Selbstverständlich mischen die deutschen Privatbanken ebenfalls kräftig mit, wobei die Deutsche Bank die Rangliste der Atomunterstützer mit 7,842 Milliarden Euro anführt. 1
Zu einem wahrhaftigen Ökostromanbieter zu wechseln ist demnach nur der erste Schritt, Atomenergie die rote Karte zu zeigen. Danach gilt es, das radioaktive Bankkonto beziehungsweise entsprechende Geldanlagen zu kündigen! Das somit frei gewordene Geld kann dann sinnstiftend eingesetzt werden. Immerhin besitzen die Deutschen laut Bundesbank etwas über 613 Milliarden Euro an Erspartem. Viel Geld, mit dem man viel Gutes bewirken kann.

Grünes Geld verändert unsere Welt

Relativ unbekannt ist, dass es auch gute Banken gibt, die nach sozialökologischen Gesichtspunkten investieren, den Menschen wieder in den Mittelpunkt stellen und vollkommen transparent sind. In Deutschland haben wir vier davon: Die Ethik-, GLS, Umwelt- und die seit 2009 in Deutschland aktive Triodos Bank. Sie investieren Kundeneinlagen anhand von Ausschluss- (Atomenergie, Rüstungsgüter) und positiven Kriterien (Erneuerbare Energie, ökologische Landwirtschaft) vor allem in Form von Krediten.
In Sachen Transparenz setzen sie Maßstäbe: Es ist öffentlich einsehbar, nach welchen Kriterien Geld wohin fließt, in welchen Bereichen Kredite vergeben werden und wie hoch die Eigenanlagen der Bank sind. Bei der GLS Bank kann sich jeder Kunde zudem entscheiden, welche Bereiche er mit seinen Einlagen speziell fördern will. Darüber hinaus veröffentlicht die Bank die Kredithöhe und welchen Unternehmen sie gewährt wurden. Erst diese Offenheit ermöglicht einen wahrhaftigen Vergleich der Institute, die sich auch im nachhaltigen Sektor im Detail unterscheiden. Während sich die Umweltbank aus Nürnberg ganz auf Spareinlagen und Kreditgeschäft spezialisiert hat, bieten die anderen alternativen Geldhäuser das komplette Spektrum des klassischen Bankgeschäfts unter sozial-ökologischen Gesichtspunkten an.
GLS und Ethikbank gehören darüber hinaus dem Verbund der Genossenschaftsbanken an. Das bringt Vorteile: In nahezu jeder Volks- und Raiffeisenbank können Kunden kostenfrei Geld abheben oder Kontoauszüge ausdrucken. Zudem sind Kundengelder zu 100 Prozent in unbegrenzter Höhe abgesichert.

Kompromisse im jetzigen Bank- und Geldsystem

Im Umkehrschluss müssen Ethik- und GLS Bank aufgrund von gesetzlichen Vorschriften mit der DZ Bank und anderen Landesbanken zusammenarbeiten. Wie bereits erwähnt, landeten Gelder der genossenschaftlichen Zentralbank auch in der Atomindustrie. Aber Christof Lützel, Pressesprecher der GLS Bank führt aus: „Die Gelder, die wir bei der genossenschaftlichen Zentralbank WGZ hinterlegen müssen, werden nach unseren sozialökologischen Kriterien eingesetzt. Wir fühlen uns im Genossenschaftsverbund gut aufgehoben. Zudem haben wir einen gewissen Einfluss darauf, wie Mittel verwendet werden sollen und regen damit auch zu Veränderungen an.“ Auch die Ethikbank setzt auf Zusammenarbeit: „Nachhaltigkeit ist schon seit 150 Jahren im Kern des genossenschaftlichen Geschäftsmodells angelegt. Als Zentralbank der Genossenschaften vertritt die DZ Bank Werte wie Hilfe zur Selbsthilfe und Solidarität. Dennoch kann vieles verbessert werden. Deshalb stehen wir mit der DZ Bank schon seit Jahren im Dialog“, erläutert Sylke Schröder, Vorstandsmitglied der Ethik Bank. Eben aus diesem Dialog heraus entstehen Initiativen und Veränderungen werden ermöglicht.
Alle Nachhaltigkeitsbanken müssen bei der Bundesbank eine Mindestreserve hinterlegen, wie jedes andere Geldhaus als Teil des derzeitigen Banksystems ebenfalls. Daneben müssen die Nachhaltigkeitsbanken – ebenfalls wie jede andere Bank – eine Liquiditätsreserve unterhalten, bei deren Gestaltung Banken jedoch gewisse Freiräume haben. Dadurch, dass die Triodos Bank die Infrastruktur der Genossenschaftsbanken nutzt, wickelt sie ihren Zahlungsverkehr über die DZ Bank ab und somit wird auch hier ein kleiner Teil der Liquiditätsreserve unterhalten. „Auch wenn wir manchmal Kompromisse bei der Gestaltung unserer Liquiditätsreserve eingehen müssen, sind wir ansonsten jederzeit bestrebt, unseren Nachhaltigkeitsansprüchen gerecht zu werden“, sagt Stefanie Erhardt, Pressesprecherin der Triodos Bank. „In der Global Alliance for Banking on Values machen wir uns beispielsweise dafür stark, dass die Zahl von nachhaltigen Banken weltweit zunimmt, indem wir traditionellen Banken bei der Umstellung auf das nachhaltige Geschäftsmodell helfen wollen.“ Auch die GLS Bank ist Teil des Netzwerks.
Nachteilig ist für viele Bankkunden, dass die alternativen Geldhäuser über keine oder im Falle der GLS Bank lediglich über wenige Filialen verfügen und man bei keiner der vier grünen Banken Bargeld direkt einzahlen kann. Was die Zinsen für Tages- und Festgeld anbelangt, bieten sie marktübliche Prozentsätze an, auch wenn manche Großbanken mit kurzfristigen Lockangeboten den Eindruck erwecken, sie böten weit mehr Rendite. „Mittels Kampfangeboten sollen Kunden angelockt werden, doch die Geldhäuser haben nichts zu verschenken. Sie versuchen im Laufe der nächsten Jahre so viele weitere Finanzprodukte wie möglich zu verkaufen, auch wenn diese mitunter für den einzelnen Kunden unpassend sind“, erklärt Lützel.

Ungenutzte Potenziale

Laut dem Bundesverband Deutscher Stiftungen wird hierzulande ein Stiftungsvermögen von etwa 100 Milliarden Euro verwaltet und am Finanzmarkt anlegt. Mittels der erwirtschafteten Rendite werden die jeweiligen Aufgaben der Organisationen finanziert, doch nur ein Bruchteil des Vermögens wird nach sozial-ökologischen Ansätzen investiert. So ergeben sich zwangsläufig Kuriositäten, zum Beispiel dass eine Stiftung mit dem Ziel Menschenrechte zu fördern, Geld für ausbeuterische Unternehmen und Kinderarbeit bereitstellt. Eine Umweltstiftung mag vielleicht 100 000 Euro für den Erhalt des Regenwaldes durch ihre Geldanlagen erwirtschaftet haben, in Wahrheit hat sie ein Vielfaches des Kapitals für umweltzerstörende Zwecke „eingesetzt“.
Ebenso ist es unerklärlich, warum ausgerechnet ganzheitlich orientierte Unternehmen und Firmen aus der Biobranche weiterhin mit herkömmlichen Banken kooperieren. Während das Biounternehmen beispielsweise die ökologische Landwirtschaft fördert, finanziert es mit seinen Einnahmen auf dem Bankkonto Chemiekonzerne und Gentechnik. Bei wirtschaftlichen Unternehmen, Stiftungen und Vereinen schlummert demnach ein gewaltiges Potenzial, um sinnstiftende Projekte zu finanzieren. Das Geld muss dafür lediglich in bereits vorhandene Bahnen gelenkt werden.

Zukunft gestalten

Das eingangs beschriebene Szenario ist Utopie, was sich allerdings schnell ändern könnte. Mag der Euro auch auf wackligen Füßen stehen, so ist dies kein Grund, seine derzeitige Energie nicht zu nutzen. Bereits heute können wir mittels der grünen Banken in eine lebenswerte Welt investieren und dementsprechend die Zukunft gestalten. Ein Kontowechsel ist demnach mehr als ein symbolischer Akt. Er lenkt Geldströme so um, dass sie dem Menschen dienen und Sinnstiftendes auf vielen Ebenen erblühen kann.
Es gibt absolut keinen Grund, warum die sozial-ökologischen Geldhäuser weiterhin ein Nischendasein fristen sollten. Sollte unser jetziges Banksystem vor dem Aus stehen, sind sie es, die neue Strukturen schaffen können. Bereits heute gehen sie neue Wege: Geschäftkunden können ihre Umsätze in der Regionalwährung „Chiemgauer“ mit ihrem Girokonto bei der Triodos Bank verwalten und Sylke Schröder von der Ethik Bank stellt das jetzige Zinssystem auf philosophischer Ebene infrage – schließlich treibt es den westlichen Kapitalismus zu seinem Wahn, unendlich wachsen zu müssen. 2

Quellen

1 urgewald e. V., Rechercheergebnisse der Kampagne „Wie radioaktiv ist meine Bank?“, http://urgewald.org/kampagne/radioaktive-bank/die-strahlenden-banken, abgerufen am 07.12.2011
2 Sylke Schröder: Editorial Kundenzeitschrift E-THIKKER Ausgabe 04/11

Der Autor

Jens Brehl, erblickte 1980 in Fulda das Licht der Welt. Bereits während seiner kaufmännischen Lehre sammelte er erste Erfahrungen im Journalismus, dem er sich 2005 vollständig zuwandte. Seitdem ist er als freier Journalist tätig. Seine Themenschwerpunkte liegen bei Nachhaltigkeit, Erneuerbare Energie, Umweltschutz, Gesundheit, Gesellschaft, Spiritualität, politische Diskussion, Wirtschaft und Medien. www.jens-brehl.de

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