Viele Heilpflanzen entfalten ihre besondere Kraft unter der Erde. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt für die Wurzelernte? Und wie werden die wertvollen Pflanzenteile anschließend verarbeitet? Wer einige Grundregeln beachtet, kann aus Heilpflanzenwurzeln Ölauszüge, Tinkturen oder Pulver herstellen.
Die Kraft aus der Tiefe
Bei der Ernte von Heilpflanzenwurzeln sollte die Pflanze nicht unnötig geschädigt werden. Ziel ist es nicht, die gesamte Pflanze auszugraben, sondern nur einen Teil der Wurzel zu entnehmen. Viele Arten können sich über Wurzelteilung weiter vermehren. Geerntet werden sollten nur gesunde Pflanzen und nur dann, wenn ausreichend Bestände vorhanden sind.
Die meisten Wurzeln werden zwischen Herbst und Frühling geerntet. Der richtige Zeitpunkt ist gekommen, wenn die oberirdischen Pflanzenteile welken und sich zurückziehen. In dieser Phase haben die Pflanzen ihre Reservestoffe in die Wurzeln eingelagert.
Wurzeln richtig reinigen
Nach dem Ausgraben genügt es meist, die Erde abzuschütteln und die Wurzel mit einer Bürste zu säubern. Hartnäckige Erdreste können mit Wasser entfernt werden. Anschließend werden beschädigte Stellen, dünne Seitenwurzeln und verletzte Bereiche abgeschnitten.
Viele Heilpflanzenwurzeln besitzen eine harte Außenhaut. Für die Verarbeitung oder den Verzehr kann diese abgeschabt werden. Das Innere der Wurzel ist häufig deutlich weicher.
Trocknen oder frisch verarbeiten
Wurzeln können frisch verarbeitet oder haltbar gemacht werden. Zum Trocknen werden sie entweder aufgefädelt aufgehängt oder in kleine Stücke geschnitten und an einem gut belüfteten Ort ausgelegt. Möglich ist auch das Trocknen im Backofen bei etwa 40 Grad Celsius. Je nach Pflanzenart dauert dies mehrere Stunden bis Tage.
Getrocknete Wurzeln lassen sich anschließend in Papier oder Gläsern aufbewahren und sind oft ein bis zwei Jahre haltbar. Sie können außerdem zu feinem Wurzelpulver vermahlen werden.
Für Tinkturen, Essig-, Wein- oder Alkoholauszüge werden meist frische Wurzeln verwendet. Bei öligen Auszügen empfiehlt es sich bei wasserreichen Wurzeln, diese vor der Verarbeitung einige Stunden antrocknen zu lassen.
Beinwell: Heilpflanze für äußerliche Anwendungen
Eine der bekanntesten Heilpflanzenwurzeln ist der Beinwell (Symphytum officinale). Seine lange, außen schwarze und innen weiße Wurzel enthält unter anderem Allantoin, Schleimstoffe, Gerbstoffe, Rosmarinsäure und Kieselsäure.
Geerntet wird Beinwell von März bis April sowie von Oktober bis Dezember. Die Wurzeln sollten an trockenen Tagen ausgegraben werden. Da Beinwell sehr tief wurzelt, wird meist nur ein Teil der Wurzel abgestochen, während der Rest in der Erde verbleibt und weiterwächst.
Traditionell wird Beinwell äußerlich als Öl, Salbe, Einreibung, Wickel oder Wurzelbrei verwendet. Wegen der enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide gilt die Anwendung ausschließlich äußerlich als empfohlen.
