Klimapolitik im Stall: Regierung will Methanausstoß von Kühen messen

Kühe sollen künftig ihren Methanausstoß messen lassen. Klimaschutz oder verkürztes Weltbild? Hintergründe zu Technik, Zucht und Klimadebatte.

Was wie Satire klingt, wird wirklich geplant: Kühe sollen künftig ihren Methanausstoß nachweisen. Die Bundesregierung plant im Rahmen ihres Klimaschutzprogramms 2026 ein Methan-Messprogramm für Rinder. Ziel ist es, die Emissionen der Landwirtschaft genauer zu erfassen und zu reduzieren, damit Deutschland seine Klimaneutralitätsziele bis 2045 erreicht.

Sensoren im Stall

Vorgesehen sind technische Messstationen nach neuseeländischem Vorbild. In sogenannten „GreenFeed“-Futterstationen wird die Atemluft der Tiere analysiert, zusätzlich können mobile Messkammern oder sogar Milchproben das individuelle Emissionsprofil einer Kuh bestimmen.
Parallel soll die Zucht sogenannter Low-Methane-Rinder gefördert werden – Tiere, deren Verdauungssystem genetisch bedingt bis zu 20 Prozent weniger Methan produziert.

Die offene Klimafrage

Der Vorstoß beruht auf der Annahme, dass Wiederkäuer einen großen Anteil der landwirtschaftlichen Treibhausgase verursachen.
Doch genau hier beginnt die wissenschaftliche Debatte: Welche Rolle spielen einzelne Gase tatsächlich im Klimasystem – und wie stabil sind die zugrunde liegenden Modelle?

Komplexe Rückkopplungen

Forschungen weisen darauf hin, dass das Klima von komplexen Rückkopplungen bestimmt wird. So kann etwa verstärktes Planktonwachstum große Mengen CO₂ aus der Atmosphäre binden und sogar starke Abkühlungsphasen auslösen.
Solche Prozesse zeigen, dass natürliche Kreisläufe nicht linear reagieren und Eingriffe in einzelne Faktoren nicht automatisch zu den erwarteten Effekten führen müssen.

Macht das eigentlich Sinn?

Die geplante Methan-Messung im Stall ist daher mehr als eine technische Maßnahme. Sie steht exemplarisch für eine grundlegende Frage: Versuchen wir ein hochkomplexes Erdsystem über einzelne Messwerte zu steuern – oder verstehen wir seine Dynamik noch nicht ausreichend?

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