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Man weiß, dass es in Kliniken Controller gibt, die dauerhaft an Gewinnmaximierung arbeiten, also daran, Geld zu sparen oder welches zu bekommen. Was aber geschieht, wenn solch kühle Strategen quasi Hand in Hand arbeiten mit Politikern, denen es nur darum geht, ihren einseitigen Kurs weiter durchzuziehen? Wie der Datenanalyst Tom Lausen herausgefunden und unzweifelhaft belegt hat, ist durch solch ein Zusammenspiel in der Coronakrise eine skandalöse Falschdarstellung der Situation in Krankenhäusern und Intensivstationen entstanden, die verheerende Folgen hat!
raum&zeit: Sie haben sich als Datenanalytiker intensiv mit den Patientendaten in Krankenhäusern während der Coronakrise beschäftigt. Der Hauptgrund für die Corona-Maßnahmen war ja von Anfang an die drohende Überlastung des Gesundheitssystems. Deuten die von Ihnen ermittelten Daten darauf hin, dass Corona bisher das Gesundheitssystem an seine Grenzen hätte bringen können?
Tom Lausen: Es war genau diese Begrifflichkeit unser Gesundheitssystem könnte überlastet werden , mit der die Gerichte seit April 2020 die Corona-Maßnahmen der Regierung begründeten. Und das war der Grund dafür, dass ich begann, mich mit diesen Daten zu beschäftigen. Denn mein Bruder ist Rechtsanwalt und vertrat schon im April letzten Jahres Mandanten, die dagegen klagen mussten, dass ihre Geschäfte geschlossen wurden. Die Gerichte verkündeten unisono: Weil das Gesundheitssystem überlastet werden könnte, sind alle Maßnahmen gerechtfertigt. Mein Bruder hat mich deshalb gebeten, mir die Daten anzusehen. Ich hab dann sehr schnell festgestellt, dass hier getrickst wurde und zwar massiv.
Für das Jahr 2019 haben wir ermittelt, dass 19,24 Millionen gesetzlich versicherte Patienten in deutschen Krankenhäusern gelegen haben. Im Corona-Jahr 2020 waren es nur noch 16,7 Millionen, also zweieinhalb Millionen weniger. In dieser Zahl enthalten sind 176.000 in Krankenhäusern behandelte sogenannte Corona-Patienten. Von einer Überlastung der Krankenhäuser kann also keine Rede sein, denn die Krankenhäuser hatten 2020 monatlich 200.000 Patienten weniger und im Jahre 2021 waren es noch weniger. Der einzige Flaschenhals, der uns immer vorgezeigt wird, sind die Intensivstationen.
Patientenzahlen blieben gleich
r&z: Und wie sieht es auf den Intensivstationen aus?
T. L.: Die Anzahl behandelter Patienten auf Intensivstationen war 2020 und 2021 genau so hoch wie in den Jahren davor.
r&z: Wenn es so wie Sie es darstellen gar keinen Mangel an Bettenkapazität gab, wie kann dann in den Medien immer wieder das Bild vermittelt werden, dass die Krankenhäuser an ihrer Belastungsgrenze angelangt sind?
T. L.: Hier muss man etwas genauer hinsehen. Zunächst ist es wichtig, die politischen Steuerungsinstrumente im Hintergrund zu betrachten. Im September des ersten Corona-Jahres hat die Regierung die Krankenhäuser dazu angeregt mehr Betten freizuhalten. Bis zum 30.9.2020 stellte sie Klinikbetreibern Staatsfördergelder in Höhe von circa 10 Milliarden Euro für die Freihaltung von Betten bereit. Krankenhausbetreiber haben dann natürlich einiges getan, um an das Geld zu kommen und – voilà – konnten sie ganz viele Betten als freigehalten vorzeigen.
Darüber hinaus bot die Regierung zusätzlich 50.000 Euro für jede zusätzlich geschaffene intensivmedizinische Behandlungskapazität mit Beatmungsmöglichkeit. Viele der Klinikbetreiber hatten schon Sauerstoffanschlüsse über ihren Betten und konnten jetzt, weil auch der Bund selbst Beatmungsgeräte angeschafft und über die Landesbehörden an die Krankenhäuser verteilt hat, für jeden Sauerstoffanschluss, unter dem ein Bett stand, 50.000 Euro kassieren. So entstand der Eindruck, es wären 10.000 zusätzliche Betten entstanden, die eingesetzt werden könnten, weil sie wie intensivmedizinische Behandlungskapazitäten dastanden.
Dann ist etwas sehr Eigenartiges geschehen. Genau zu dem Zeitpunkt, als die respiratorische Saison wieder anfing, also als man wusste, jetzt kommen die Patienten, hat die Regierung die Finanzierung umgedreht. Sie gab bekannt, dass jetzt nur noch dann Förderungen gezahlt werden, wenn Kliniken knapp mit Betten sind, wenn die Intensivstationen zu 75 Prozent ausgelastet sind.
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