Zur Sommer- und Wintersonnenwende geschieht in der Kathedrale von Chartres etwas Erstaunliches: Die berühmten Rosenfenster scheinen ihre Farben zu wechseln – von Blau zu Rot oder Gold. Dieses bislang kaum dokumentierte Schauspiel eröffnet einen neuen Blick auf die Lichtsymbolik der Gotik und ihre bis heute ungelösten Rätsel.
Mit der Gotik entstand aus der Romanik nicht nur ein neuer Baustil, sondern es wandelte sich auch der christliche Mystizismus. In das Dunkle, Erdenschwere der Romanik mit ihren Tonnengewölben, dicken und wehrhaften Mauern mit den kleinen Fenstern brach das Licht, schlanke Pfeiler hoben das Deckengewölbe himmelwärts, die Mauern lösten sich auf, Wunderwerke aus Stein und Eisen füllten die Freiräume für buntes Glas. Statt der Fresken der Romanik, die die Wände schmückten, erzählt nun das Licht, das das Kirchenschiff erhellt, von den Wundern Gottes, erzählt die Geschichten der Bibel, berichtet vom Leben der Märtyrer und Heiligen. So wird berichtet, so kann man es in vielen der gotischen Gotteshäuser noch erleben …
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